Winckelmann und die antike Architektur

Brief von Winckelmann an Graf Wackerbarth-Salmour

Rom, 28. September 1760.
SLUB: Mscr.Dresd.App.3140,8
Foto: SLUB/Dresdner Digitalisierungszentrum

Zu Beginn des Briefes äußert Winckelmann die Absicht, dem Grafen „Beobachtungen über die antike Architektur“ in deutscher Sprache als öffentliches Bekenntnis seiner Dankbarkeit für die ihm erwiesene Gunst zu widmen. Er teilt mit, er sei gerade dabei, das Manuskript in kleinerem Format abzuschreiben, damit es das passende Gewicht für einen Brief nicht überschreite, um es dann über Wackerbarth-Salmour an den Leipziger Verlagsbuchhändler Johann Gottfried Dyck (1750–1813) nach Leipzig zu senden.


Erworben mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung
und der Kulturstiftung der Länder.

     

Konzept eines Antwortbriefes von Graf Wackerbarth-Salmour an Winckelmann

[München], 15. November 1760.
SLUB: Mscr.Dresd.App.3140,9
Foto: SLUB/Dresdner Digitalisierungszentrum

Wackerbarth-Salmour schätzt es zwar, dass Winckelmann beabsichtigt, ihm seine „Beobachtungen über die antike Architektur“ zu widmen, lehnt das Ansinnen aber mit der Begründung ab, es sei gegen seine Natur, die in Widmungen übliche Lobhudelei zu hören und zu lesen. Er hält es für angemessener, das Werk einem gekrönten Haupt, einem Prinzen oder einer Prinzessin zuzueignen.

 

 

 


Erworben mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung
und der Kulturstiftung der Länder.

     

Anmerkungen über die Baukunst der Alten

Johann Joachim Winckelmann: Anmerkungen über die Baukunst der Alten
Leipzig: Dyck, 1762.
SLUB: D.O.220,7
Foto: SLUB/Deutsche Fotothek

Der in der Tradition des römischen Architekturtheoretikers Vitruv stehende Traktat erschien erst nach dem Tod Wackerbarth-Salmours (2. Juni 1761) wunschgemäß mit einer Widmung an den Kurprinzen Friedrich Christian. Im einleitenden „Vorbericht“ vom 1. Dezember 1760 werden weder der Graf noch der Kurprinz erwähnt. Winckelmanns Dank richtet sich stattdessen an den kurfürstlichen Beichtvater Pater Leo Rauch (1696–1775), der sich für Winckelmanns Italienreisestipendium eingesetzt hatte, sowie die befreundeten Künstler Johann Georg Wille (1715–1808) und Johann Caspar Füßli (1706–1781), die Winckelmanns ersten Neapelaufenthalt finanziell unterstützt hatten.

Kapitell in der Kirche S. Lorenzo fuori le Mura zu Rom von vorn und von der Seite

Kupferstiche
SLUB: Mscr.Dresd.App.3140,Beil.3 u. 4
Foto: SLUB/Dresdner Digitalisierungszentrum (Beilage 3; Beilage 4

„Unterdessen habe ich die Schrift von der Baukunst an den Graven Wackerbarth abgeschiket, welcher dieselbe in Verwahrung halten wird. Ich habe zwei Kupfer dazu stechen lassen, welche eine seltene Entdeckung, die ich gemacht habe, vorstellen“, schrieb Winckelmann an seinen Freund Muzell-Stosch am 15. Dezember 1760. Die Rarität ist ein Kapitell mit einer Eidechse und einem Frosch in den Voluten. Allerdings handelt es sich bei dem von Winckelmann als „eines der schönsten Capitäler aus dem ganzen Alterthume“ gepriesenen Bauglied um eine Antikenfälschung aus dem 13. Jahrhundert. Von den Kupferstichen, die als Vignetten das Titelblatt bzw. den Schluss des Druckes zieren, lagen dem 2017 erworbenen Briefkonvolut vier Probeabzüge bei.


Erworben mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung
und der Kulturstiftung der Länder.