Sie sind hier

  1. SLUB Dresden
  2. Entdecken
  3. AV-Medien / Mediathek
  4. SAVE – Sicherung des audiovisuellen Erbes in Sachsen
  5. Schaufensterprojekt Borna

Schaufensterprojekt Borna

Bornaer Filmschätze - digitalisiert und restauriert

Wir bergen Schätze – und wir zeigen Sie Ihnen! In Kooperation mit dem Museum Borna, dem Filmverband Sachsen und dem Gewerbeverein Borna zeigt die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden an einem Dutzend Orten in der Bornaer Innenstadt Filmausschnitte aus Bornaer Quellen. Im Rahmen des freistaatlich geförderten SAVE-Programms („Sicherung des audiovisuellen Erbes in Sachsen“) wurden sie in den letzten Jahren teils aufwendig restauriert, digitalisiert und sind nun über die Mediathek der SLUB Dresden öffentlich zugänglich. 

Aber auch am „Ort des Geschehens“, in Borna selbst, möchten wir Ihnen die Filme nun zeigen. Halten Sie nach uns Ausschau: im Buchladen, in der Parfümerie, im Geschenkelädchen oder beim Elektrikermeister stehen Bildschirme im Schaufenster, über die alte Filmschätze flimmern: vom Festumzug anlässlich des 800jährigen Jubiläums der Stadt, aber auch kleine Filmchen „vom Dachboden“. Die Filme spiegeln das Bornaer Leben in ihrer Zeit wider und sind Teil des kulturellen Gedächtnisses des Freistaates Sachsen. Wir möchten Sie anregen: spenden Sie uns doch auch gern Ihre privaten Filmschätze! Über das SAVE-Projekt können Sie sich hier etwas ausführlicher belesen. Und über die einzelnen Filmausschnitte des Projekts finden Sie im Folgenden noch weitere Informationen.

»800 Jahre Borna«

Dieser Film wurde 1938 von der Film-Fabrik Helmut Krötel (Leipzig) im Auftrag der Stadt Borna hergestellt. Ohne Bezug auf die Geschichte der Stadt plante man für 1938 eine 800-Jahrfeier. Kurz vor den Feierlichkeiten hieß es dann nur noch „Heimatfest“. Zu sehen sind zunächst die Vorbereitungsarbeiten für das Fest, welches vom 18. bis 23. Juni 1938 durchgeführt wurde. Dazu gehören Aufnahmen von der Ankunft von Gästen auf dem Bahnhof, deren Begleitung durch die Stadt sowie die Begrüßung auf dem Markt. In Anschluss werden Veranstaltungen zu einzelnen Thementagen des Heimatfestes präsentiert, z.B. vom Tag des Kindes, Tag des Handwerkes, Tag des Sports und Tag der Wehrmacht. Einen Großteil des Films nimmt der Festumzug ein, wenn einzelne Bilder aus der Stadtgeschichte präsentiert werden. Dieser Festumzug war der Höhepunkt des Heimatfestes mit fast 3000 Beteiligten. Den Abschluss bildete das Höhenfeuerwerk am Breiten Teich.

Der Film zeigt wertvolle Ansichten der Stadt und Bevölkerung, jedoch aus deutlich propagandistischer Perspektive. Neben der vorherrschenden NS-Symbolik spielt die Kriegsideologie und die Militarisierung der Gesellschaft eine zentrale Rolle. Das Porträt verknüpft am Vorabend des Zweiten Weltkriegs die Tradition der Garnisonsstadt mit Bornas aktueller Bedeutung als Stützpunkt einer Panzer-Abwehrabteilung der Wehrmacht. Militär- und paramilitärische Aufmärsche und Veranstaltungen von NS-Organisation bilden einen zentralen Fokus des Films.

»Das schaffende Borna«

Dieser Film wurde 1938 von der Film-Fabrik Helmut Krötel (Leipzig) im Auftrag der Stadt Borna hergestellt. Vermutlich sollte dieser Film zusammen mit dem Film „800 Jahre Borna“ gezeigt werden. Er präsentiert alle damals bekannten Firmen und Händler der Stadt Borna, u.a. das Dampfsägewerk Rinck, Druckerei Reiche (Bornaer Tageblatt) und die Brauerei Rother in Altstadt-Borna. Der Film ist auf Grund seiner Dichte an Einblicken in das Wirtschafts- und Handelsleben bis hin zum Lebensmittel-Einzelhandel in einer mittelgroßen Stadt ein sehr wertvolles dokumentarisches Zeugnis. Hinter den kurzen Schlaglichtern verbirgt sich jedoch auch Unerzähltes – so inszeniert der Film einen frohen Aufzug des Verwaltungspersonals der Bornaer Zweigniederlassung der Deutschen Erdöl AG, die als Unternehmen 1937/1938 aus antisemitischen Gründen jüdische Mitglieder aus ihrem Vorstand und Aufsichtsrat ausgeschlossen hatte.

Ausgangsmaterial für die Digitalisierung des Films war eine stumme, schwarzweiß 35mm-Nitro-Positivkopie aus dem Bestand des Museums der Stadt Borna. Die zwei Filmrollen wiesen starke Zersetzungsschäden auf, so dass Teilabschnitte des Filmmaterials, die noch nicht „verbacken“ waren, manuell separiert und später teilweise digital retuschiert werden mussten. Die Originalfilmlänge konnte nicht nachgewiesen werden. Im Vergleich zu einer erhaltenen Videoabtastung, die 1995 vom unbeschädigten Film gemacht wurde, fehlen vermutlich 177 Filmmeter (6:27 min).

Konditorei und Konzertkaffeehaus Robert HaussmannDieser viragierte Film wurde 1926 als Werbung für das Café und Konditorei Haussmann in der Bahnhofstraße Borna hergestellt. Die Tochter, Käte Brand, des letzten Besitzers (Erich Haussmann) schrieb 1998 in einen Brief dazu: „Die diesem Brief beigelegte „voluminöse“ 35mm-Filmrolle wurde zur Kinowerbung verwendet. Ich vermute, dass der Film aus den ersten dreißiger Jahren stammt. Die damaligen Eiswagen fahren aus unserem Toreingang, man sieht Schaufensterdekoration, Konzertgartenleben (mit dem Trio Bummer, Peterlein, Steinbach, später sang und musizierte dort Fanny Müller-Schmidt), unsere besonderen „Produkte“ (die „Zwiebel“) hatte eine fast naturgetreu gefärbte Schale, im Film „kommt“ sie m.E. zu dunkel heraus), auch Einblicke in die Betriebsräume mit maschinellen Ausstattungen werden gewährt … Mein Großvater Robert Haußmann hat bereits am 5.10.1891 eine „Conditorei, Café und Restaurant“ im Gebäude „Zum Schweizerhaus“ (heute: Volkshaus) eröffnet und betrieben. Sein Vater Johann Gottlob Haußmann kaufte dann das Grundstück Lobstädter Straße 105 (jetzt Bahnhofstr. 33). Im Mai 1894 wurde mit der Bebauung des Grundstückes begonnen. Und schon im Oktober 1894 war der Bau fertiggestellt. Bauleiter war Architekt Rust aus Leipzig, die Bauarbeiten wurden von Wangemann und Zimmermeister Eichler, beide aus Borna, ausgeführt. Im Erdgeschoss dieses Wohn- und Geschäftshauses wurde das „Konditorei- und Kaffeehausgewerbe und der Ausschank von Bayrisch Bier betrieben“. Im Laufe der Zeit wechselte die Firmierung, vor allem im Zusammenhang mit Umbauten, Renovierungen und Neumöbilierungen: 1901 Conditorei und Wiener Café, 1904 Wiener Café, 1913 Conditorei und Café R. Haußmann, 12./13. 6.1924 Erstes Bornaer Konzertcafehaus, 1928 nach Einbau der Glastanzflächen in 4-Farben-Beleuchtung, 1930 erfolgte der Einbau einer gleichen Glastanzfläche im Konzertgarten. Donnerstags und Sonntags war Konzert. Die Konzert- und Tanzveranstaltungen waren stets bestens besucht. Im Februar 1936 übernahm mein Vater Erich Haußmann das Geschäft. Die seit 1906 hergestellte „Bornaer Zwiebel“, aber auch das damals noch bekannte „Bornaer Salonbrikett“ wurden seit 1912/13 in „Originalkartons“ nach auswärts versandt, die Zwiebel zugleich mit Ansichtskarte von Borna.“
»Albert« (Albert im Auto, zu Weihnachten, beim Schlittenfahren)Diese Filme entstanden 1955. Gedreht hat sie der Bornaer Lokalheld und Weltmeister im Friedfisch-Angeln, Helmut Schmidt. Zur Verfügung gestellt wurden sie uns vom Museum Borna.
»Mein Filmtagebuch 1935«Dieses filmische Tagebuch des Dresdner HNO-Arztes Gerhard Schneider wurde der Bibliothek vom Dresdner Kameramann und Filmsammler Ernst Hirsch zur Verfügung gestellt. Es umfasst den Zeitraum von Anfang bis Weihnachten 1935. Der Hobbyfilmer dokumentiert darin Ereignisse aus seinem Privatleben. Dazu zählen Ausflüge mit der Familie und Freunden in die nähere Umgebung von Dresden, eine Reise nach Lugano sowie Aufnahmen aus dem Alltag. In Borna zeigen wir zur Weihnachtszeit natürlich die besinnlichen Ausschnitte "unterm Weihnachtsbaum".

An den folgenden Orten (hier eine Übersichtskarte von Google Maps) können Sie unsere Filmschätze bewundern:

Goedels Erbgemeinschaft

Reichsstr. 22

Die Versicherung

Roßmarktsche Str. 15

Concordia Versicherung

An der Mauer 7-9

Otto Lederwaren

Bahnhofstr. 12

Parfümerie Funcke

Bahnhofstr. 7

Glücksmomente

Bahnhofstr. 5

Buchhandlung

Mühlgasse 5

Modeexpress No. 1

Wassergasse 6

Markt 15

Markt 15

Elektro Schreiter

Bahnhofstr. 32

LVZ

Brauhausstr. 3

Elektro Teichmann

Kantstr. 2