Pressemitteilung

August Kotzsch: Ausstellung im Leonhardi-Museum anlässlich des neu erschienenen Werkverzeichnisses des Dresdner Fotopioniers

Die Deutsche Fotothek der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB Dresden) ist mit einer Ausstellung zum Werk von August Kotzsch (1836–1910) zu Gast im Leonhardi-Museum. Der bedeutende Dresdner Fotograf des 19. Jahrhunderts wird an seinem Wirkungsort Loschwitz in seinem vielseitigen Schaffen präsentiert, das in seiner Bedeutung weit über den lokalen Kontext hinausreicht und heute in Museen und Sammlerkreisen weltweit rezipiert wird.

Die Ausstellung wird am Freitag, den 27. März 2026, um 20 Uhr, eröffnet und ist vom 28. März bis zum 21. Juni 2026 zu sehen.

Der Fotograf

August Kotzsch, Sohn eines Loschwitzer Weinbauern, firmierte ab 1861 als erster gewerblicher Fotograf in Loschwitz. Er dokumentierte nicht nur die Entwicklung des Ortes vom Weinbauerndorf zum Dresdner Villenvorort, sondern betätigte sich auch als fotografischer Ortschronist. Porträts der Loschwitzer Einwohnerschaft entstanden im improvisierten Atelier auf dem Hof seines Anwesens. Das dörfliche Leben und Arbeiten hielt er in idyllischen Genreszenen fest. Sind diese Aufnahmen eher pittoresken Charakters und thematisch wie gestalterisch der Spätromantik verhaftet, so gibt es auch den mit seiner Bildsprache in die Moderne vorausweisenden August Kotzsch. Dies manifestiert sich vor allem in seinen Naturstudien, denen sein Hauptinteresse als Fotograf galt. Nicht zuletzt die mit den Erzeugnissen seines Gartens arrangierten Stillleben lassen Kotzsch im Rückblick zu einem Vorläufer neusachlicher Fotografie werden.

Mit als künstlerische Vorlagenblätter angebotenen „Studien nach der Natur“ war August Kotzsch in den 1870 und 1880er Jahren sehr erfolgreich. Er beteiligte sich damit 1873 an der Weltausstellung in Wien und 1874 an der Jahresausstellung der Société française de Photographie in Paris. Durch Kooperation mit verschiedenen Verlagen konnte er die Studienblätter national wie international vertreiben.

Die Ausstellung

Anlass der Ausstellung ist das Erscheinen des Werkverzeichnisses des Fotografen im Schirmer/Mosel-Verlag, das in Kooperation des Ortsvereins Loschwitz-Wachwitz e.V. mit der Deutschen Fotothek entstanden ist. Mit ihr wird der Bogen zurück ins Jahr 1986 geschlagen. Damals richtete das Leonhardi-Museum anlässlich des 150. Geburtstages von August Kotzsch eine erste Retrospektive des Fotografen aus. Kuratoren waren der Dresdner Heimatforscher Matthias Griebel, der Filmemacher und Kameramann Ernst Hirsch sowie Volkmar Herre, der Urenkel von August Kotzsch.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die meisten Exponate noch im Besitz der Nachfahren des Fotografen. Inzwischen ist der Großteil davon in die Sammlung der Deutschen Fotothek eingegangen. Schon 1935 hatte Kotzschs Sohn Otto der Fotothek ein erstes Glasnegativ geschenkt. In den letzten Jahren konnte der Bestand um bedeutende Konvolute erweitert werden. Aus dieser um 500 originale Aufnahmen angewachsenen Sammlung wird nun eine Auswahl von rund 90 Abzügen und zwei Alben sowie weitere Objekte aus Kotzschs Nachlass präsentiert. Bereichert wird die Ausstellung durch Leihgaben aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, namentlich dem Kupferstich-Kabinett und dem Museum für Sächsische Volkskunst, sowie aus dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen.

Für das ungebrochene Interesse an Kotzschs Werk steht eine zeitgenössische Arbeit von Martin Bertelmann, der sich mit von Kotzsch zusammengestellten und in der Fotothek befindlichen Angebotsbogen zu Verkaufszwecken auseinandergesetzt hat. In formaler Anlehnung an das historische Vorbild fragt der Künstler (Jg. 1990), der derzeit als Meisterschüler bei Alicja Kwade an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) studiert, nach der Relevanz der physischen Präsenz des Prints im Zeitalter digitaler Bildzirkulation.

Dr. Agnes Matthias, Ausstellungskuratorin Deutsche Fotothek: „Die Ausstellung im Leonhardi-Museum schlägt nicht nur den Bogen vom Heute zurück zu den Anfängen der Kotzsch-Rezeption an eben diesem Ort, sondern stellt August Kotzsch als einen Fotografen vor, dessen bildkünstlerische Ideen in ihrer retrospektiven Modernität über seine Zeit hinausweisen.“

Die Ausstellung im Leonhardi-Museum bietet nicht nur Gelegenheit zur Begegnung mit vertrauten Motiven, sondern auch mit Neuentdeckungen. Darüber hinaus wird anschaulich dargestellt, wie Kotzsch je nach Thema unterschiedliche fotografische Herangehensweisen wählte und welche besondere Bedeutung der „Studien nach der Natur“ für den Vertrieb zukam.

Das Werkverzeichnis

Nicht nur die Ausstellung, sondern auch das Werkverzeichnis verweist zurück auf das Jahr 1986. Damals brachte der Dresdner Verlag der Kunst die Monografie „August Kotzsch 1836–1910. Photograph in Loschwitz bei Dresden“ heraus, mit der Kotzsch in die deutsche Fotogeschichte eingeführt wurde. Verfasst hatten sie die drei Kuratoren der Retrospektive. Zur breiten Rezeption dieser Publikation trug bei, dass der Schirmer/Mosel-Verlag in München das Buch in einer Lizenzausgabe für die Bundesrepublik vertrieb. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es erste Überlegungen zu einem Werkverzeichnis. Dieses hat 40 Jahre später wiederum Schirmer/Mosel verlegt.

Die Arbeit am Werkverzeichnis wurde 2019 von Matthias Griebel und Jürgen Frohse vom Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e. V. aufgenommen und ab 2023 in Kooperation mit der Deutschen Fotothek fortgesetzt. Im Zuge der Recherchen konnten Fotografien von Kotzsch in knapp fünfzig öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz, in den USA und sogar in Australien ausfindig gemacht werden. Dabei wurden zahlreiche bislang unbekannte Motive wie auch neue schriftliche Quellen entdeckt.

Das umfangreiche Material wird mit insgesamt 1.073 Einträgen in zehn von Bildtafelstrecken eingeführten Kapiteln auf über 500 Seiten vorgestellt. Texte von Jürgen Frohse, Matthias Griebel, Ernst Hirsch, Agnes Matthias und Christin Müller ordnen Kotzschs Werk in seiner Zeit ein und liefern neue Erkenntnisse zum Vertrieb seiner Fotografien wie auch zu seiner posthumen Rezeption.

Jürgen Frohse, Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e. V., resümiert: „Jahrelange Recherchen zum Wirken von August Kotzsch finden jetzt im Erscheinen eines Werkverzeichnisses in Buchform seinen Abschluss. Es ist zu hoffen, dass August Kotzsch damit noch bekannter wird und einen festen Platz in der deutschen Fotografiegeschichte einnimmt“.

Weiterführende Informationen

Ausstellung

Ausstellungseröffnung am Freitag, 27. März 2026, 20 Uhr
Ort: Leonhardi-Museum, Grundstr. 26, 01326 Dresden
Laufzeit: 28. März – 21. Juni 2026
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14:00 bis 18:00 Uhr, Samstag und Sonntag 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet
Museumseintritt 6 €/4 €
Museumswebseite

Begleitend zur Ausstellung werden verschiedene Führungen und Veranstaltungen angeboten.
Kuratorinnenführungen
Sonntag, 19.4., 14 Uhr / Mittwoch, 6.5., 16:30 Uhr / Mittwoch, 3.6., 16:30 Uhr / Samstag, 20.6, 18 und 20 Uhr (Museumsnacht Dresden)

Präsentation des Werkverzeichnisses mit dem Verleger Lothar Schirmer und den Herausgebern
Mittwoch, 22.4., 19 Uhr, Ort: Leonhardi-Museum

Spaziergang durch Loschwitz auf den Spuren von August Kotzsch
mit Jürgen Frohse, Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e. V.
Samstag, 25.4.2026, 14 Uhr, Dauer: ca. 3 Stunden
Anmeldung bis 20.04.2026 über: ov-loschwitz-wachwitz@t-online.de, max. 12 Personen
Spende für den Ortsverein erbeten

Publikation

August Kotzsch 1836–1920. Landmann und Photograph in Loschwitz bei Dresden. Werkverzeichnis
Herausgegeben von Matthias Griebel und Jürgen Frohse für den Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e. V. und Agnes Matthias für die Deutsche Fotothek
Texte von Jürgen Frohse, Matthias Griebel, Ernst Hirsch, Agnes Matthias und Christin Müller
Schirmer/Mosel-Verlag 2026
512 Seiten, rund 1000 Farbabbildungen
Format: 22 × 26 cm, gebunden
ISBN 978-3-8296-1025-4 [DEUTSCH]
Ladenpreis: € 98