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Pressemitteilung

Schrankenlos forschen: Wertvolle Korrespondenzen zwischen Clara Schumann, Ernst Rudorff und Johannes Brahms jetzt in öffentlicher Hand und weltweit digital verfügbar

Mit Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder und der Mariann Steegmann Foundation konnte die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) umfangreiche autographe Briefwechsel zwischen Clara Schumann, Ernst Rudorff und Johannes Brahms erwerben. Damit kommt die letzte bisher unzugängliche Korrespondenz der europaweit anerkannten Pianistin in öffentliche Hand. Beide Briefwechsel, die in das niedersächsische Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes aufgenommen sind, wurden mit Unterstützung der Sächsischen Akademie der Wissenschaften bereits digitalisiert.

Die Korrespondenz zwischen Clara Schumann und Ernst Rudorff besteht aus 215 Briefen, Postkarten, Telegrammen, Notizen der Pianistin und 170 Schriftstücken ihres vormaligen Schülers.  Sie beginnt kurz nach Abschluss des Unterrichtsverhältnisses 1858 und wird mit hoher Regelmäßigkeit bis zu Clara Schumanns Lebensende im Jahr 1896 gepflegt. Die Briefe berühren zentrale Themen der deutschen Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts, aber auch Politisches, Gesellschaftliches, Alltägliches, Persönliches.

Clara Schumann, Paris, den 19. März 1862

Lieber Herr Rudorff,

[…] nun kann ich Ihnen mittheilen, dass meine erste Soirée gestern vortrefflich von statten gegangen. Sie hätten doch Freude gehabt zu hören, wie das Publicum meines Mannes Quintett aufgenommen mit welchem Enthusiasmus, und die Pedal-Fuge in A-moll von Bach etc. Es ist eine eigene Sache, schätzt man auch im Grunde des Herzens Publicum gering, so bedarf man dessen Theilnahme im Concertsaale doch, es regt augenblicklich an und erhöht die Leistungen. Ich möchte wohl, meine deutschen Freunde wären gestern hier gewesen, weil Alles so gut glückte! 

[…] Grüssen Sie Ihre lieben Eltern, und seien Sie immer, auch wenn ich nicht schreibe, versichert der herzlichsten Theilnahme und Ergebenheit Ihrer Clara Schumann.

16, Rue d'Autin, Hotel des etats unis.

Clara Schumann schrieb sowohl aus ihren über die Jahre wechselnden Wohnorten – Berlin, Baden-Baden und Frankfurt am Main – als auch von ihren deutschen und europäischen (Konzert-)reisen – unter anderem aus Düsseldorf, Dresden, Leipzig, Luzern, Paris, Moskau, Petersburg, Edinburgh, London, Brüssel, Wien. Die Briefe vermitteln damit ein eindrückliches Bild des damaligen Konzertbetriebs, offenbaren die alltäglichen Herausforderungen einer europaweit agierenden Pianistin und zeigen sie als Botschafterin der Werke ihres verstorbenen Ehemanns Robert Schumann. Sie sind sowohl für Musik- und Kulturwissenschaftler:innen bedeutend, aber ebenso faszinierend für alle, die in das facettenreiche Musikleben des 19. Jahrhunderts eintauchen möchten. Ernst Rudorff (1840-1916), Pianist, Komponist und Dirigent, wirkte in Leipzig, Köln und Berlin. Wie die Briefe verdeutlichen, war er im deutschen Musikleben vielfältig vernetzt und ein aufmerksamer, kritischer Beobachter. 

Kulturstaatsministerin Monika Grütters:

„Der Erwerb der Briefkonvolute hat nicht nur für Musikliebhaberinnen und -liebhaber einen hohen ideellen Wert. Diese faszinierende Korrespondenz spannt den Bogen über fast 40 Lebensjahre der herausragenden Pianistin Clara Schumann und eröffnet Einblicke sowohl in private Fragen wie der Vereinbarkeit von Familienpflichten mit der Künstler-Karriere wie auch in die deutsche Musikgeschichte. Der Übergang dieser Briefe aus privater Hand in den Bestand der Sächsischen Landesbibliothek macht die national bedeutsamen Quellen für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich. Deshalb hat der Bund diesen Ankauf gern unterstützt.“

Die ebenso erworbene Korrespondenz Ernst Rudorff / Johannes Brahms ist mit 16 Briefen von der Hand Brahms‘ und 12 Gegenbriefen deutlich geringer in ihrem Umfang. Insbesondere musikwissenschaftlich bedeutsam ist ein Notenblatt, auf dem sich die Musiker über Aspekte von Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Flöte, KV 314, austauschen.

Die Korrespondenzen sind aufgrund der engen Freundschaft der drei Akteure, ihrer gemeinsamen Anliegen und der damit entstandenen Binnenbezüge zwischen den Briefen als Einheit zu betrachten. In ihrer fast lückenlosen Geschlossenheit liegt ihr herausragender Wert.

Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder:

„Die Botschaft, dass diese mehr als 400 Schriftstücke, die zuvor in Privatbesitz waren, nun erstmals der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich sind – jetzt bereits online verfügbar auf der Webseite der SLUB Dresden –, dürfte zahlreiche Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftler aus der ganzen Welt dorthin locken. Die wertvollen Korrespondenzen sind nicht nur Zeugnisse von Clara Schumanns ausgedehnter Konzerttätigkeit quer durch den Kontinent. Sie sind auch Dokumente einer Musikepoche und bieten Einblicke in die Musikwelt Europas zwischen 1858 und 1896“.

Dr. Achim Bonte, Generaldirektor der SLUB Dresden:

„Die neu erworbenen Quellen sind nicht nur musikwissenschaftlich außerordentlich bedeutsam, sondern dokumentieren zugleich die wachsende Vielfalt der Kommunikationsmittel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Neben die ausführlichen persönlichen Briefe treten praktische Standard-Postkarten für Kurzmitteilungen, aber auch erste Telegramme. Ich freue mich, dass wir diesen Austausch nun durch eine noch viel schnellere und bequemere Form verbreiten können, digital und mit Volltexten. Der Forschung sind damit buchstäblich keine Schranken mehr gesetzt.“

 

 

Kontakt

Prof. Dr. Barbara Wiermann
Leiterin Musikabteilung
Telefon: +49 (0)351 4677-561
E-Mail: Barbara.Wiermann@slub-dresden.de

Annemarie Grohmann
Pressesprecherin SLUB
Telefon: +49 (0)351 4677-342
E-Mail: Annemarie.Grohmann@slub-dresden.de