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Ketzer oder fromme Brüder?

Petr Mladonovic: Pasije M. Jana Husa. - Prag: Kamp, 1495(?). AB I.R.3.12.a

Zu einer Prager Ausgabe der Legenda Aurea von 1495 erschienen als Fortdruck die um einige Briefe erweiterten Leidensgeschichten der auf dem Konstanzer Konzil als Häretiker verbrannten Jan Hus (1415) und Hieronymus von Prag (1416). Martin Luther benutzte diese Schrift zur Vorbereitung seiner Verteidigung. Von diesem Anhang sind nur drei von einander abweichende Exemplare bekannt (Prag, Zittau, Herrnhut).

 


John Wicliff, Jan Hus et alii: Sermones Synodales (theologischer Sammelband, lateinisch).
Manuskript, Tinte auf Papier, teilweise rubriziert, 15. Jahrhundert.
AB II.R.1.16.a

Die 1457 begründete Brüder-Unität stellt nach Taboriten und der utraquistischen Kirche die dritte religiöse Gemeinschaft in der Tradition von Jan Hus dar und bezieht sich für die Gestaltung des christlichen Lebens auf die Bergpredigt. Sie war von streng pazifistischer Einstellung.

 

 

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Acta Unitatis Fratrum.
Übersetzung der enthaltenen tschechischen Texte ins Deutsche von Joseph Theodor Müller. Manuskript / Typospkript, 1890-1905.
AB II.R.1.1.a.3

Die Acta Unitatis Fratrum wurden im 16. Jahrhundert als einzigartige Quellensammlung von fast 10.700 handgeschriebenen Seiten zur Geschichte der Brüder-Unität im 15. und 16. Jahrhundert zusammengetragen und 1840 in Lissa (Leszno/Polen) für das Unitätsarchiv erworben. Sie befinden sich derzeit als Depositum im Nationalarchiv in Prag. Aufgeschlagen ist der Erlass an die Ältesten, die sogenannte Vereinbarung in den Reichenauer Bergen, aus dem Jahr 1464, die früheste Darlegung des Bekenntnisses der Brüder.

 

 


Lukas von Prag: Od powed Bratrzie Na Spies Martina Luthera ... - Leitomischl: Olivecensis, 1523.
AB II.R.5.4.a.2

Antwort der Böhmischen und Mährischen Brüderältesten auf Luthers Schrift »Vom Anbeten des Sakraments« (1522) über die Abendmahlslehre der Brüder-Unität. Der Holzschnitt des Monogrammisten H zeigt vielleicht eine Darstellung des Lukas (links), der einem Schreiber diktiert.
Provenienz: Daniel Ernst Jablonski.


Biblj Ceske. Dil prwnj. - Kralitz, 1579.
AB II.R.3.4.1

Die »Kralitzer Bibel« stellte die erste vollständige tschechische Bibelübersetzung nach den Ursprachen dar. Sie wurde durch Mitglieder der Brüder-Unität erarbeitet und erschien 1579 bis 1593. Der sechsbändige Druck erfolgte in eigener Druckerei in Kralitz. Ihre Bedeutung für die tschechische Sprache wird mit der Luther-Bibel verglichen.

 

 


Martin Polykarp (Herausgeber): Kirchengesänge … -  Kralitz, 1606.
AB II.R.3.16.f

Die Brüder-Unität gab bereits 1501 ihr erstes Gesangbuch in tschechischer Sprache heraus. Das Singen von muttersprachlichen religiösen Liedern ist bis heute integraler Bestandteil der Frömmigkeit in der Brüdergemeine.
Provenienz: aus dem Besitz von Anna Nitschmann, der späteren zweiten Gemahlin Zinzendorfs, die 1724 mit ihren Eltern aus Mähren nach Herrnhut kam. Aufgeschlagen ist ein charakteristisches Exulanten-Lied.


Matous Konecny: Kniha O Powinnistech Krestanskych ... - Prag: Sumanska, 1612.
AB II.R.5.13

2. Auflage des »Buchs von den christlichen Pflichten« des letzten Seniors (Bischofs) der Brüder-Unität in Mlada Boleslav (Böhmen). Er musste 1620 flüchten und starb 1622. Sein aus zwei Truhen bestehendes Archiv mit Dokumenten vom Anfang des
17. Jahrhunderts wurde 2006 zufällig bei Restaurierungsarbeiten in Mlada Boleslav entdeckt.

 

 

 

 


Alfred Reichel: Johannes Amos Comenius.
Gipsbüste, 1904.
M 637

Jan Amos Komenský (1592-1670), latinisiert: Johann Amos Comenius, war der letzte Bischof der Brüder-Unität in Mähren; er zog 1628 nach Lissa in Polen und starb in den Niederlanden. Die Anhänger der Brüder-Unität, die nicht aus Böhmen bzw. Mähren auswanderten, mussten zumindest äußerlich in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehren. In zahlreichen Familien blieb die im Verborgenen gepflegte protestantische Tradition aber lebendig. Einige kamen ab 1722 nach Herrnhut.

 

 


Johannes Amos Comenius: Kssafft Vmjragjcy Matky Gednoty Bratrske, kterymz ... Leta Pane 1650. - Berlin, 1757.
1 an AB II.R.2.19.a

Im »Vermächtnis der sterbenden Mutter, der Brüder-Unität«, Erstausgabe 1650, beklagt Comenius das Sterben seiner Kirche. Ihre Existenz sei aber nicht vergeblich, denn sie gibt ihr sechsfaches Erbe an die anderen protestantischen Kirchen weiter: Wahrheitsliebe, Bibeltreue, Gemeindezucht, Pflege der Muttersprache, Erziehung und ökumenischer Gedanke.

 

 

 


Johannes Amos Comenius: OPERA DIDACTICA OMNIA ... - Amsterdam: Cunrad & von Roy, 1657.
AB II.R.2.20.b (fol.)

Der Brüder-Bischof Comenius ist heute vor allem durch seine praxisorientierten pädagogischen Schriften bekannt, z.B. sein illustrierter Orbis pictus (1656). Hier die Sammlung seiner verstreuten theoretisch-pädagogischer Schriften. Kupferstich von
D. Log nach Christoph de Pas.

 

 

 

 


Johann Franz Budde (Hrsg.): Johannes Amos Comenius, Historia Fratrvm Bohemorvm, eorvm ordo et disciplina ecclesiastica, … - Halle: Waisenhaus, 1702.
AB II.R.2.29.a.2

Die Herrnhuter baten Budde 1728 um die Anfertigung einer Übersetzung der Geschichte der Böhmischen Brüder, worauf er einging. Budde starb, ohne sein Versprechen einlösen zu können. 1739 erschien eine Übersetzung mit Kommentaren von Johann Peter Kraft, der mit Zinzendorf im Briefwechsel stand. Einen Auszug daraus hatte Zinzendorf bereits 1728 übersetzt und nach Dänemark geschickt.

 

 


Bücher die ich meyne sich vor uns schicken, aus der Jablonskyschen Auction.
Manuskript, 1741.
R.23.19.14

Daniel Ernst Jablonski (1660-1741), Hofprediger in Berlin und Comenius-Enkel, vermittelte durch die Weihe David Nitschmanns (1735) und Zinzendorfs (1737) das Bischoftum der Unitas Fratrum förmlich an die Herrnhuter. Als Jablonski starb, bemühten sich Hernhuter, einige kostbare Bücher und Handschriften aus seinem Nachlass zu erwerben.

 

 

 


Arvid Gradin: A Short History of the Bohemian-Moravian Protestant church of the United Bretheren. - London: Hutton, 1743.
NB I.R.2.7

Gradin (1704-1757), Gelehrter und einer der Erzieher von Zinzendorfs Sohn, bearbeitete die Historia Ecclesiae Bohemicae et Moravicae, Fratrum que sic dictum Bohemicorum et Moravicorum (Ms 1740) zunächst in Latein und übersetzte sie dann mit kleinen Abweichungen ins Griechische (Ms 1740, verschollen) und Deutsche (Ms 1741), um sie den Patriarchen von Konstantinopel und Jerusalem sowie dem Erzbischof von Uppsala persönlich vorzulegen. Im Kern geht sie auf Johannes Lasitius zurück. Gradin verbindet darin die Tradition der Böhmisch-Mährischen Brüder mit der Herrnhuter Brüdergemeine, die »alte« mit der »erneuerten« Brüder-Unität.