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Illustrierte Handschriften

Der sich schnell verbreitende Buchdruck bedeutete nicht das Ende der Herstellung von Buchhandschriften. Kostbar ausgestattete und aufwändig gestaltete Bände zeigten Meisterleistungen der Illustration, der Kalligraphie und nicht zuletzt der Einbandkunst. Entstanden als Statussymbol des Auftraggebers, waren solche Prachthandschriften begehrte Sammelstücke.

Sammlung von Bildnissen der Herzöge von Sachsen und Markgrafen von Meissen

Daniel Bretschneider und andere Dresdner Hofmaler: Sammlung von Bildnissen der Herzöge von Sachsen und Markgrafen von Meissen.
Handschrift auf Pergament, Illustrationen: Feder in Tusche, Pinsel in Deckfarben. – 17./18. Jahrhundert.
Signatur: Mscr.Dresd.J.1

Digitalisat in den Digitalen Sammlungen.

Schon in der frühen Neuzeit ließen viele Fürstenhäuser prachtvolle Ahnengalerien in ihren Residenzen installieren. Diese Bildfolgen brachten das dynastische Selbstverständnis der Herrscher zum Ausdruck, indem sie nach den historisch gesicherten Personen mit fiktiven Genealogien eine vorzeitige Geschlechterreihe, häufig über Karl den Großen bis auf Helden der Antike konstruierten und mit der so erzielten Kontinuität den Herrschaftsanspruch legitimierten.
Die Einrichtung einer Ahnengalerie der Wettiner im sogenannten Langen Gang, dem Obergeschoss des 100 Meter langen Verbindungsbaues zwischen Residenzschloss und Marstall in Dresden, wurde durch Kurfürst Christian I. (1560–1591) veranlasst. 1588/89 schuf der Hofmaler Heinrich Göding d. Ä. (1531–1606) mit seiner Werkstatt Ölgemälde auf Holztafeln. Die Reihe bestand aus 46 Bildnissen, beginnend bei Sachsenkönig Harderich (um 90 v. Chr.) und mit dem Porträt des Auftraggebers endend. Christian I. zugeordnet war eine Ansicht des Dresdner Residenzschlosses. Unter den folgenden Kurfürsten wurde die Galerie fortgesetzt, bis Friedrich August I. (1670–1733) als letzter sein Bildnis einfügen ließ. Sämtliche Porträts der Ahnengalerie sind seit 1945 vermisst. Ihre vollständige und detailgetreue Wiedergabe findet sich seitdem allein in dieser Handschrift mit ihren von Daniel Bretschneider und späteren Hofmalern in höchster Qualität geschaffenen Miniaturkopien.

Wegweisser heis ich / Wer verirret frag mich

Wegweisser heis ich / Wer verirret frag mich.
Papierhandschrift, Illustrationen: Pinsel in Tusche und Deckfarben, goldgehöht. – Um 1586.
Signatur: Mscr.Dresd.J.404

Digitalisat in der Deutschen Fotothek.



Ein wesentlicher Ansatz der Alchemie war die „Transmutation“ unedler in edle Metalle mittels des noch zu entdeckenden „Lapis philosophorum“, im Kern also die Suche nach der Möglichkeit artifizieller Erzeugung von Gold und Silber. Diese alchemistische Handschrift mit gereimten Texten und aufwändigen Malereien stammt aus dem Besitz Kurfürst Christians I.

Traitté du tres noble jeu des eschecz

Gioacchino Greco: Traitté du tres noble jeu des eschecz, Lequel est tiré des guerres et des raisons d'estat …
Pergamenthandschrift, Illustrationen: Pinsel in Deckfarben. – Anfang 17. Jahrhundert.
Signatur: Mscr.Dresd.Oc.60

Digitalisat in der Deutschen Fotothek.

Diese prächtige Schachhandschrift gelangte aus der Sammlung des Grafen Heinrich von Bünau (1697–1762) in die Kurfürstliche Bibliothek. Zu Beginn der kalligraphierten, reich mit Initialen, Arabesken und Vignetten versehenen und in goldgeprägtes Maroquin gebundenen Pergamenthandschrift werden auf sieben ganzseitigen Miniaturen die Figuren des Schachspiels vorgestellt.

Parzival

Wolfram von Eschenbach: Parzival.
Papierhandschrift, Illustrationen: Feder, Pinsel in Wasserfarben. – Um 1445/1450.
Signatur: Mscr.Dresd.M.66

Digitalisat in den Digitalen Sammlungen.

Die von Diebold Lauber (ca. 1420–ca. 1470) im elsässischen Hagenau betriebene Schreibwerkstatt mit angeschlossenem Handschriftenhandel war in jener Zeit wohl das erfolgreichste Unternehmen kommerzieller Buchproduktion. Angeboten wurden über 40 Titel geistlicher Literatur und ritterlicher Epik. Die SLUB besitzt zwei Handschriften aus der Lauber-Werkstatt: eine Historienbibel und den hier vorgestellten „Parzival“ des Wolfram von Eschenbach. Trotz aufwändiger Restaurierung sind beide Kodizes jedoch bleibend gezeichnet durch deutliche Spuren eines schweren Wasserschadens, der 1945 durch Kriegsereignisse verursacht wurde.