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  7. „Man denkt noch beständig in Dresden auf mich.“ Winckelmann – Bibliothekar und Altertumswissenschaftler
  8. Winckelmann-Porträts

Winckelmann-Porträts

Bartolomeo Folino (1730-1808)
Kupferstich nach einer Zeichnung von Giovanni Battista Casanova (1730–1795)
Frontispiz zu: Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste. -
Bd. 3. - Leipzig: Dyck, 1766.
SLUB: Eph.lit.622
Foto: SLUB/Dresdner Digitalisierungszentrum

Die 1763 in Rom entstandene, heute im Museum der bildenden Künste in Leipzig aufbewahrte Bleistiftzeichnung des Malers Casanova, Mitbegründer der Dresdner Kunstakademie, ist das früheste erhaltene Winckelmann-Porträt. Das Profilbildnis hat die Form eines Abdrucks einer antiken Gemme. In der Zeitschrift „Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste“ hatte Winckelmann 1759 vier Beiträge veröffentlicht, die auch in den 2017 erworbenen Briefen erwähnt sind.

 

Johann Heinrich Lips (1758-1817)
Radierung nach einem Ölgemälde von Anton von Maron (1731-1808)
Frontispiz zu: Winckelmann's Werke. - Bd. 1 / herausgegeben von Carl Ludwig Fernow. - Dresden: Walther, 1808.
SLUB: D.O.220,15
Foto: SLUB/Dresdner Digitalisierungszentrum

Maron, Schüler von Raphael Mengs, malte das heute im Weimarer Stadtschloss hängende, letzte überlieferte Bildnis Winckelmanns kurz vor dessen Abreise aus Rom 1768 für Heinrich Wilhelm Muzell, einen Neffen des Barons Philipp von Stosch. Winckelmann ist in Künstlerattitüde mit pelzgefüttertem Hausrock und turbanartiger Kopfbedeckung als Privatgelehrter dargestellt.

 

Friedrich Wilhelm Doell (1750-1816)
1779
Gipsabguss aus der Kunstanstalt für plastische Arbeiten
Gustav Eichler, Berlin, 19. Jh.
Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Skulpturensammlung, ASN 0974
Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Skulpturensammlung

Doell, der sich 1773 bis 1783 zum Studium in Rom aufhielt, schuf 1777 unter Anleitung seines Lehrers Anton Raphael Mengs und des Kunstagenten Johann Friedrich Reiffenstein eine Winckelmann-Büste, von der sich ein Bronzeabguss in Kassel, eine Marmorausführung in Gotha und Gipsabgüsse in verschiedenen Museen und Sammlungen erhalten haben.

Entwurf für eine Winckelmann-Gedenktafel der Kunstgenossenschaft zu Dresden für das Jahr 1871

Richard Steche (1837–1893)
Bleistift und Tinte
SLUB: Mscr.Dresd.c.52.b,1
Foto: SLUB/Dresdner Digitalisierungszentrum

 

 

 

Winckelmann-Gedenktafel

Richard Steche
Ausführung von Gustav Broßmann, Zöblitzer Serpentin, 1868
Foto: Thomas Haffner, 2018

Zum 100. Todestag Winckelmanns stiftete die Dresdner Kunstgenossenschaft eine Gedenktafel, die im südöstlichen Treppenaufgang des Japanischen Palais, damals Standort der Antikensammlung, angebracht wurde und heute in einer Nische in der Eingangshalle des Nordostflügels hängt. Vorbild für das Porträt war das Profilbildnis von Casanova.

Winckelmann vor einem Kreise gelehrter Männer in Nöthnitz dozierend

Theobald Reinhold von Oër (1807-1885)
Öl auf Leinwand, 1874.
SLUB.
Reproduktion: Regine Richter, 1982
Digitalisat: SLUB/Deutsche Fotothek; Bildbearbeitung: Antje Werner

Winckelmann war schon über hundert Jahre tot, als der seit 1839 in Dresden ansässige Historienmaler Theobald von Oër dieses Gemälde im Auftrag von Rudolf Carl Freiherr von Finck (1837–1901), seit 1870 Besitzer des Schlosses Nöthnitz, schuf. Es stellt eine fiktive Versammlung in der Bünau'schen Bibliothek dar, die sich so nie in Nöthnitz getroffen hat. Winckelmann, durch das rote Tuch als Homosexueller gekennzeichnet, steht in der Mitte und erläutert die auf einem grün gedeckten Tisch stehende Büste des Apollo vom Belvedere, neben der Abdrücke einiger antiker Gemmen liegen. Auch die Karte von Italien in der Fensterlaibung links und die Büsten des Laokoon und der Niobe auf dem Bücherregal rechts beziehen sich auf den Archäologen.

Winckelmanns (1) Zuhörer sind auf der linken Seite:
(2)   Alberigo Graf Archinto (1668-1758), päpstlicher Nuntius in Dresden, vollzog Winckelmanns Konversion und war als Kardinal erster Dienstherr Winckelmanns in Rom,
(3)   Heinrich von Bünau (1697–1762) in der gleichen Kleidung wie auf dem Porträt von Louis de Silvestre im Hintergrund des Bildes,
(4)   Francesco Algarotti (1712–1764), italienischer Schriftsteller, Kunstkritiker und Kunsthändler, der Meisterwerke wie Liotards „Schokoladenmädchen“ für die Dresdner Gemäldegalerie erwarb,
(5)   Johann Michael Francke (1717–1775), Bibliothekar der Bünau'schen, später der Kurfürstlichen Bibliothek in Dresden,
(6)   Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781), Dichter, der sich in seiner Schrift „Laokoon oder über die Grenzen der Mahlerey und Poesie“ (1766) mit Winckelmanns Beschreibung auseinandersetzte,
(7)   Gottlieb Wilhelm Rabener (1714–1771), Satiriker und Steuereinnehmer in Dresden

und auf der rechten Seite:
(8)   Christian Wilhelm Ernst Dietrich (1712–1774), Radierer, Kupferstecher, kursächsischer Hofmaler, Inspektor der Dresdner Gemäldegalerie und Professor an der Dresdner Kunstakademie,
(9)   Bernardo Bellotto, gen. Canaletto (1722-1780), kursächsischer Hofmaler,
(10) Philipp Daniel Lippert (1702–1785), Zeichner, Professor an der Dresdner Kunstakademie und Erfinder einer Masse für Abdrücke antiker Gemmen,
(11) Christian Gottlob Heyne (1729–1812), Mitarbeiter der Brühl'schen Bibliothek, später Professor der Beredsamkeit und Dichtkunst in Göttingen, Altertumswissenschaftler,
(12) Adam Friedrich Oeser (1717–1799), Maler und Bildhauer, Zeichenlehrer Winckelmanns,
(13) Christian Ludwig von Hagedorn (1713–1780), Kunsttheoretiker und -sammler, Radierer, Gründungsdirektor der Dresdner Kunstakademie.