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Frühe Drucke aus Italien

Wer im Mittelalter weltliches und kirchliches Recht auf hohem Niveau studieren wollte, besuchte die 1088 gegründete und damit älteste Universität in Bologna. So auch der auf Schloss Wiehe in Thüringen geborene Graf Dietrich von Werthern (1468–1536). Er immatrikulierte sich 1479 in Erfurt und wechselte 1489 nach Bologna, wo er 1495 zum Doktor beider Rechte promoviert wurde. Nach seiner Rückkehr aus Italien trat er 1498 in den diplomatischen Dienst bei Herzog Friedrich von Sachsen (1473–1510), dem Hochmeister des Deutschen Ordens, und wurde nach dessen Tod 1510 Rat und Gesandter des Herzogs Georg des Bärtigen von Sachsen.

Dietrich und seine Söhne Wolfgang, Philipp und Anton, die ebenfalls in Italien studierten bzw. reisten, brachten auf dem thüringischen Schloss Beichlingen eine beachtliche Sammlung von 3.312 Büchern und Konvoluten zusammen, die 1589 sämtlich für die Kurfürstliche Bibliothek in Dresden erworben wurden. Darunter befanden sich einst 496 Inkunabeln (d. h. Drucke des 15. Jahrhunderts) in 228 Bänden, von denen nach den Kriegsverlagerungen und -verlusten von 1945 noch 137 in 102 Bänden in der SLUB vorhanden sind. Der Großteil davon wurde in Italien gedruckt und sehr wahrscheinlich auch dort erworben. 17 Bände mit juristischen Texten bzw. Werken antiker Autoren weisen italienischen Buchschmuck und das Wappen der Familie Werthern auf, oft begleitet von den Initialen Dietrichs, von dessen Hand auch die meisten Randbemerkungen stammen.


oben:

Gaius Plinius Secundus: Historia naturalis

Ed.: Philippus Beroaldus.
Parma: Andreas Portilia, 1481.
SLUB: Ink.2496(1)
Foto: SLUB/Deutsche Fotothek

links:
Aulus Gellius: Noctes Atticae

Brescia: Boninus de Boninis, de Ragusia, 1485.
SLUB: Ink.2136(2)
Foto: SLUB/Deutsche Fotothek