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Der Dante-Apparat des Philalethes

Der hochgebildete, sprachbegabte, literaturliebende und geschichtsinteressierte Prinz Johann (1801–1873), ab 1854 König von Sachsen, begann nach seiner ersten Italienreise 1821/22 eine deutsche Übersetzung der 500 Jahre zuvor vollendeten „Divina Commedia“, des aus 14.233 Versen in 100 Gesängen bestehenden Hauptwerks des toskanischen Dichters Dante Alighieri (1265–1321). 1828 veröffentliche Johann unter dem Pseudonym Philalethes („Wahrheitsliebender“) probeweise eine Übersetzung der ersten zehn Gesänge des „Inferno“ („Hölle“), des ersten Teils der „Göttlichen Komödie“. 1833 erschien die Übersetzung der restlichen 24 Gesänge des „Inferno“ (1839 nochmals mit ausführlichen Erläuterungen). Die auf Schloss Weesenstein im Müglitztal erarbeitete Übersetzung und Kommentierung der Teile „Purgatorio“ („Fegefeuer“) und „Paradiso“ („Paradies“) gelangte erstmals 1840 bzw. 1849 zum Druck. 

König Johann von Sachsen


oben:

S. Majestät Johann, König v. Sachsen
Gewebte Seide.
Annaberg, 2. Hälfte 19. Jahrhundert.
SLUB: Hist.misc.B.93-2,Nr.97
Foto: SLUB/Deutsche Fotothek

unten:
Holzstich von Eduard Kretzschmar.
In: Illustrirte Zeitung, Bd. 26, Nr. 670, S. 305. Leipzig, 3. Mai 1856.
SLUB: Eph.lit.27-26.1856
Foto: SLUB/Deutsche Fotothek

 


Das Gedenktüchlein mit dem ganzfigurigen Porträt König Johanns in Generalsuniform wurde in der Seidenweberei Reuther in Annaberg nach einem Ölgemälde von Friedrich Gonne (1813-1906) aus dem Jahr 1855 gefertigt. Dieses wurde als offizielles Staatsporträt mehrfach wiederholt und variiert. Das Original, das sich bis 1945 im Dresdner Residenzschloss befand und heute als verschollen gilt, zeigte neben dem König einen Tisch mit Büchern und einer Dante-Büste.




Philalethes' Dante-Übersetzung


Philalethes: Übersetzung des „Fegefeuers“ und des „Paradieses“ aus Dantes „Göttlicher Komödie“

Eigenhändiges Manuskript auf Papier.
Um 1834–20.8.1836 (Fegefeuer) und 20.8.1839–20.8.1841 (Paradies).
SLUB: Mscr.Dresd.e.91,Bd.5
Foto: SLUB

Philalethes: Übersetzung des „Paradieses“ aus Dantes „Göttlicher Komödie“
Korrigierte und ergänzte Abschrift ohne Erläuterungen.
Handschrift auf Papier. Um 1850.
SLUB: Mscr.Dresd.e.91,Bd.4
Foto: SLUB

1873 gelangten aus dem Nachlass König Johanns 13 Handschriften in die damalige Königliche Öffentliche Bibliothek. Dieser sogenannte Dante-Apparat enthält eigenhändige Werkmanuskripte zur Übersetzung der „Göttlichen Komödie“, diesbezügliche Briefe und Äußerungen von Zeitgenossen, Annotationen sowie Übersetzungen aus den zur Interpretation herangezogenen Werken von Aristoteles, Thomas von Aquin und Albertus Magnus.

Dante Alighieri's göttliche Comödie
Metrisch übertragen und mit kritischen und historischen Erläuterungen versehen von Philalethes.
3. Teil: Das Paradies.
Dresden, Leipzig: Arnold, 1849.
SLUB: Lit.Ital.A.189-3
Foto: SLUB/Deutsche Fotothek



Der Kupferstich von Eduard Bendemann (1811–1889) gegenüber dem Titelblatt der Erstausgabe der Übersetzung des „Paradieses“ stellt Dante als Autor mit Stift und Buch an der Hand seiner Geliebten Beatrice dar, die ihn in den Himmelssphären führt.