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Rauminstallation MENETEKEL

Die Autoperforationsartisten Brendel, Gabriel, Lewandowsky schufen Anfang 1989 das komplette DDR-Untergangsszenario: Abgehackte Kuhfüße, aufgeleimt auf Glasscherben, marschierten, Tapetenfetzen hingen an den Wänden, ein riesiger Magnet zog eine Metallplatte an und ließ sie krachend auf ein Kopfkissen fallen, »Rotlichtlampen« in Kopfhöhe und Doppelreihe installiert, führten zu winzigen Arbeitermännchen, die am Grunde eines mit Wasser gefüllten Aquariums mit Hacke und Spaten im Sand werkten. Die Ausstellung sollte von der SED-Stadtleitung »aus hygienischen Gründen« geschlossen werden. Durch die Intervention der Galeristin war es möglich, dass sie geöffnet blieb. Das beweist einmal mehr, dass Widerspruch, mit dem die Kulturpolitiker von Partei und Regierung nicht rechneten, durchaus sein Ziel erreichen konnte.

 

Dieter Bock, VBK-DDR

Dieter Bock, VBK-DDR: Brief an den Stadtbezirksrat für Kultur, ohne Datum

Der Text von Christoph Tannert für das Faltblatt Menetekel sollte nicht gedruckt werden. Der Verband Bildender Künstler sollte zum Text Stellung nehmen. Dieter Bock, als Bezirksvorsitzender des Bezirksverbandes Dresden, setzte sich für den Text ein: »...bin ich gerne bereit die Verantwortung für die Veröffentlichung des Textes zu übernehmen.«

 

 

Faltblatt MENETEKEL

Faltblatt MENETEKEL. Ausstellung vom 8. Januar bis 18. Februar 1989, Text von Christoph Tannert
Einladung zur Ausstellungseröffnung MENETEKEL am 8. Januar 1989

 

Zwei Raumaufnahmen aus MENETEKEL
Fotografien von Siegfried Raddant, Dresden

 

Informationsschild: »Aus technischen Gründen geschlossen«, Januar 1989

Auch nach der Eröffnung und der Genehmigung des Textes, sollte die Ausstellung verhindert werden. Vorgegeben wurden »hygienische Gründe«, denn die Besucher könnten sich an den verwesenden Kuhfüßen infizieren. Bezirkshygienearzt und Bezirksveterinär, offenbar nicht eingeweiht in die Pläne von Stasi und SED, wurden von der Galeristin zu Rate gezogen und bescheinigten ihr, dass keine Gefahr von der Ausstellung ausginge. Sie verordneten vorsichtshalber Fußspray, um den Fäulnisprozess in Schach zu halten. Auf Grund dieser Bescheinung konnte die Galerie wieder geöffnet werden. Einen weiteren Versuch, die Ausstellung zu schließen – diesmal aus politischen Gründen ­ gab es nicht.

 

Kunst, wie keiner sie vermutet

Peter Böthig: Kunst, wie keiner sie vermutet. Zur Ausstellung von Micha Brendel, Else Gabriel und Via Lewandowsky

Die Union, 25. Januar 1989

 

 

 

Untergrund obenaufUntergrund obenauf


Untergrund obenauf
Untergrund obenauf

Artikel von Christoph Tannert: Untergrund obenauf
Der Spiegel, 17/1991, S. 217-218
Der Artikel besprach zwei Jahre später die Aktivitäten der Perforationsartisten. Dabei ging auch um MENETEKEL. Allerdings war die Darstellung der Vorgänge nicht korrekt. Während die Künstler damals eigentlich eine Schließung ihrer Ausstellung erreichen wollten, stellten sie den Erfolg der Galeristin nun als den ihren heraus. Dies musste ihren Widerspruch herausfordern.

 

Sigrid Walther an Christoph Tannert

Sigrid Walther an Christoph Tannert

Sigrid Walther: Brief an Christoph Tannert vom 23. April 1991
Der Brief gibt ausführlich Auskunft über die Vorgänge der vorübergehenden Schließung der Galerie.




Christoph Tannert an Sigrid Walther Christoph Tannert an Sigrid Walther

Christoph Tannert: Brief an Sigrid Walther vom 13. Mai 1991
Tannert betont, dass er sich bei der Darstellung der Ereignisse auf seine eigene Wahrnehmung verlassen hätte und darauf, was ihm die Künstler erzählt hatten. Er räumt ein, dass sich hier inzwischen Legenden bilden.