1. SLUB Dresden
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  4. Victor Klemperer (1881-1960)
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Kennenlernen

  • 1881 Geburt Victor Klemperers in Landsberg/Warthe
  • 1902 Reifeprüfung am dortigen Königlichen Gymnasium
  • 1906 Hochzeit mit Eva Schlemmer
  • 1912 Taufe
  • 1913 Doktorprüfung in München über Friedrich Spielhagen
  • 1914/1915 Die zweibändige Studie Montesquieu erscheint.
  • 1915 Lektor in Neapel
  • 1915-1918 Militärdienst als bayrischer Feldartillerist in Flandern und Buchcensor im Gebiet Oberost (ab 1916)
  • 1920 Ernennung zum Professor der TH Dresden
  • 1925 Reise nach Argentinien
  • 1933 Frontkämpferbescheinigung
  • 1935 Vorzeitige Versetzung in den Ruhestand
  • 1936 Ernennung zum Hauswart, ziviler Luftschutz
  • 1936  Auseinandersetzung wegen des Gartens
  • 1939 Warteliste USA
  • 1941 Verurteilung wegen Nichtverdunkelung des Hauses
  • 1942 Hausverkauf
  • 1945 Fluchtweg
  • 1945 Einstellung TH Dresden
  • 1946 Personalausweis Dresden
  • 1947 Entlassung aus der TH Dresden
  • 1950 Wohnraumzuweisung Dresden
  • 1951 Ehrendoktor der TH Dresden
  • 1960 Tod in Dresden, Grab auf dem Friedhof Dölzschen

Klemperer als Professornach oben

Zu den Berühmtheiten der Dresdner Kulturwissenschaftlichen Abteilung gehörte auch Professor Viktor Klemperer. Rabbinersohn, ein kleiner unscheinbarer Mann, den ich für einen Pedell hielt, als ich zu Anfang meines Studiums ihn nach einem Hörsaal fragte und er mir bereitwillig höflich und freundlich Auskunft gab. Klemperer ist der erste von den Professoren dieser Abteilung, an dem das ihm in der faschistischen Zeit zugefügte Unrecht wiedergutzumachen versucht wurde, indem er seinen Platz im Traditionskabinett der TU Dresden erhielt.

(Rudolf Forberger, »Erinnerungen an die kulturwissenschaftliche Abteilung der Sächsischen Technischen Hochschule Dresden« in: Sächsische Heimatblätter, 37 Jg. Heft 1/1991, S. 46).

Denkmal Victor Klemperer in Halle
Denkmal, vermutlich im Universitätsgelände, für den Romanisten Victor Klemperer, der von 1948 bis 1960 an der Universität in Halle lehrte.


Die professorale Tätigkeit Klemperers umfasst nicht nur seine akademische Laufbahn, seine Vorlesungen und seine wissenschaftlichen Publikationen, sondern auch die Korrespondenz mit Verlagen und anderen Professoren. Zuweilen war das Verhältnis nicht ungestört, die wissenschaftliche und politische Haltung unterschiedlich. Das gilt vor allem für andere Romanisten wie Ernst Robert Curtius und Leo Spitzer. Wie Benedetto Croce, hatte auch Curtius an Klemperers wissenschaftlicher Tätigkeit gezweifelt und ihn als »Halbjournalisten« und »Vielschreiber« verspottet.

Auf seinem essayistischen und schriftstellerischen Talent beruht jedoch der Ruhm Klemperers. Seine literarischen Arbeiten haben einen weit größeren Leserkreis erreicht als die rein wissenschaftlichen.

In einigen Artikeln und Büchern: Frank-Rutger Hausmann: Vom Strudel der Ereignisse verschlungen, Aus dem Reich der seelischen Hungersnot, Peter Jehle: Werner Krauss und die Romanistik im NS-Staat wurde das Verhältnis Klemperers zu anderen Romanisten und seine wissenschaftliche Wirkung untersucht.

Das Universitätsarchiv der TU Dresden verwahrt Akten und anderes Material zu Klemperers Tätigkeit in Dresden. Eine genaue Bestandsbeschreibung finden sie hier.

Die SLUB verwahrt in Klemperers Nachlass nicht nur Exzerpte, Notizen, korrigierte Typoskripte und Manuskripte, die Klemperer für seine vielfältigen Publikationen anfertigte, sondern auch Teile der Korrespondenz.

Im Nachlass befinden sich u.a. ein Brief von Erich Auerbach und einige Briefe an Leo Spitzer und Karl Vossler. Sie finden auch Briefe von Lion Feuchtwanger oder Stephan Hermlin an Victor Klemperer. Auch ein »kritischer Leser des Buches LTI« hat einen Brief hinterlassen.

Klemperers Berufungen, darunter ein Lehrauftrag in Flandern von 1918, und andere akademische Schreiben und Empfehlungen finden Sie ebenfalls im Nachlass.

Klemperer als Politikernach oben

Als Dozent, Redner und Schriftsteller setzt er sich für seine Überzeugung ein, dass ein Wiederaufstieg Deutschlands nur möglich ist, wenn unter Führung der SED und unter Anpassung an die deutschen Verhältnisse die Ideen Sowjet-Rußlands verwirklicht werden.

(30.10.1946, Gutachten Straub, Dekan der Pädagogischen Fakultät der TH Dresden, Universitätsarchiv II/464).

Klemperer am Rednerpult auf der SED Kreiskonferenz, September 1947

Dresden, Kurt-Fischer Platz (Olbrichplatz), Nordhalle. SED-Kreiskonferenz. Klara Noack (im Präsidium rechts), September 1947 & Wilhelm Koenen (2. von links), Victor Klemperer am Rednerpult, September 1947

Die politischen Aktivitäten Klemperers in der Nachkriegszeit lassen sich nicht auf seine Mitgliedschaft in verschiedenen Organisationen und Verbünden reduzieren. Auch seine Lehre, seine Reden und Schriften und seine »volkspädagogische« Tätigkeit, die eigens in der Begründung für seine Ehrenpromotion an der TH Dresden genannt wurde, sind Teil des politischen Handelns und Denkens Klemperers.

Die SLUB verwahrt auch eine reiche Anzahl von Dokumenten aus Klemperers politischem Leben in der DDR. Hier sehen Sie eine Auswahl daraus:

Mitgliedskarte der Kommunistischen Partei Deutschlands für Victor KlempererMitgliedskarte Nr. 484409 der Kommunistischen Partei Deutschlands für Victor Klemperer, ausgestellt am 13.12.1945. Vorderseite mit Stempelaufdruck »ungültig« Dresden, Verwalter: Dresden, SLUB.






Veranstaltungsprogramm der  VolkshochschuleVeranstaltungsprogramm der Volkshochschule, deren Leitung der Romanist Victor Klemperer im Dezember 1945 übernahm, Dresden.







Stellungnahme zum Urteil im Nürnberger Prozess, 1946.

Volksentscheid, 1946: Mitglieder des Dresdner Ortsverbandes des »Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands«

Volksentscheid, 1946

Von links nach rechts: 2. Vorsitzender Friedrich Tobler, Geschäftsführer Karl Kneschke, 1. Vorsitzender Victor Klemperer, 4. Geschäftsführerin Eva Blank und Georg Wildführ. (Szene aus dem DEFA-Nachrichtenfilm »Das Neueste vom Tage«), Serie: »Klemperer«.

zum Filmdokument

 

Von Dresdens innerem Aufbau, 1947.

Arbeiterblut, Studentenblut : Rede am Dies Academicus der Universität Greifswald, dem 19. April 1948, zur 100-Jahrfeier der Märzrevolution.

Mitgliedsbuch des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes 1949.

Glückwunsch des Zentralkomitees der SED zum 70. Geburtstag, mit Unterschrift Ulbrichts, 1951.