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Autographe Kompositionen von Jörg Herchet in der SLUB

mitte des lebens

komposition für mezzosopran und streichquartett
nach gedichten von ingeborg bachmann, gottfried benn, joh.r.becher, günter kunert, paul celan, stephan hermlin, hans magnus enzensberger und j.c.f. hölderlin
SLUB: Mus.15434-I-503

 

 

komposition für flöte solo (I/II)

UA: 23.4.1972 in Dresden, 6. Landhaus-Konzert der Dresdner Philharmonie, Eckart Haupt
SLUB: Mus.15434-S-500

komposition für flöte (auch altflöte) und orchester

gewidmet: eckart haupt in herzlicher freundschaft und dankbarkeit

Für den jungen Herchet die erste Auseinandersetzung mit der großen Form in orchestraler Besetzung. Seine Klarheit und Ökonomie, seine Transparenz und Farbigkeit, seine Konsequenz in der Entwicklung des Materials sind Mittel einer starken emotionalen Aussage. Das knapp formulierte 20 minütige Werk beginnt gleichsam aus dem Nichts, der Solist meditiert über einen Ton, zarte Klanggespinste des meist kammermusikalisch behandelten Orchesters treten hinzu. Die Farbigkeit der Palette ist frappierend, Cembalo, Celesta und ein äußerst reichhaltiges Schlaginstrumentarium bereichern die übliche Besetzung. Heftige Ausbrüche unterbrechen mehrfach den lyrisch-versonnenen Verlauf, bedrängen und gefährden ihn. Sie münden in den metrisch frei gestalteten Höhepunkt, ein fesselnder Orchestertutti, das sich organisch aus dem Bisherigen entwickelt und das gleichzeitig den Wendepunkt des Werkes einleitet. Nach dem Abklingen der Spannung artikuliert die Altflöte in geschlossenen Melodiebögen die neue gewonnene Position, findet Töne der Beruhigung, der Sammlung und Lösung.

SLUB: Mus.15434-O-500

seligpreisungen, komposition 1 für orgel (I-VIII)

daraus Nr. III: selig sind die sanftmütigen, denn sie werden das erdreich besitzen (matthäus 5,5)
UA: 24.6.1978 in Dresden, Hofkirche, Hansjürgen Scholze
SLUB: Mus.15434-U-502

bußkantate, komposition für sopran, alt, bariton, chor, schlagzeug, harfe, orgel, text: jörg milbradt.

gewidmet: herrn domkantor doktor erich schmidt und der meißner kantorei in verehrung und dankbarkeit

UA: 1.7.1979 in Erfurt, neue musik im dom, Gudrun Elger, Elisabeth Wilke, Gotthold Schwarz; Meißner Kantorei 1961, Erich Schmidt; Katharina Hanstedt, Gottfried Rößler, Michael-Christfried Winkler

Die Bußkantate gehört zum Kantatenzyklus „DAS GEISTLICHE JAHR“. „das...ist eine gemeinschaftsarbeit. die anregung kam von meinem freund jörg milbradt. seine liebe zum bachschen kantatenwerk und meine leidenschaft zu zyklen mag da wohl den anstoß gegeben haben. ... der cluster ist für mich eines der wundervollsten musikalischen elemente. er ist so etwas wie ein joker. er kann jedes gesicht annehmen. mein ganzes komponieren geht ja dahin, beziehungen zu schaffen. und gerade darin ist der cluster außerordentlich vielfältig. so ist auch seine verwendung von komposition zu komposition verschieden. die primitivste form der verwendung: emotionale verdichtung. - in der BUSSKANTATE eine form des ungestalten, des chaos, aus dem allmählich die gestalten wachsen.“  jörg herchet

SLUB: Mus.15434-E-500

komposition für horn und orchester

gewidmet: für peter damm

Das Werk ist vom ersten Ton an fesselnd, weil bereits mit den leisen Einsätzen von Harfe und Solovioline poetische Kraft spürbar wird. Wenn dann der exzellent blasende Peter Damm hinzutritt, tut er es ebenso zurückhaltend und beschwört eine Klangwelt, deren Intensität im ganzen Werk kaum nachlässt. Eckpfleiler dieses eigenständigen musikalischen Kosmos sind einerseits hart aufragende Klangmassive voll gebändigter Kraft, andererseits Elemente fast kammermusikalischer Zurückhaltung. Das Werk hinterlässt einen geschlossenen Eindruck. Man findet eine Schichtung ganz unterschiedlicher Rhythmen, deren Überlagerung besonders dichte Felder schafft. Zwischen kraftvollen Bläserakkorden und Streicherclustern entsteht ein Dialog, in dessen Verlauf Chaos erzeugt und abgebildet wird. Eben dieses Chaos besitzt durch strenge Gliederung ein Höchstmaß an Sensibilität. Undifferenziertes Drauflosdonnern unterbleibt.
Das Dialogische der Komposition ist ihre Stärke. Kommunikation entwickelt sich zwischen den Orchestergruppen –  zwischen Bläsern und Schlagwerk  und besonders zwischen Horn und Orchester.

UA: 27./28.10.1983, Dresden, Kulturpalast, 2.Sinfoniekonzert der Staatskapelle Dresden, Solist: Peter Damm, Dirigent: Herbert Blomstedt

SLUB: Mus15434-O-501


komposition 1 für orgel (I-VIII)

UA: 19.4.1986, Essen, Evangelische Kirche Essen - Rellinghausen, Gerd Zacher

SLUB: Mus.15434-U-504

nachtwache. komposition für das musiktheater

text: nelly sachs

Bereits Anfang der siebziger Jahre entdeckte der Dresdner Komponist das gleichnamige Stück der jüdischen Nobelpreisträgerin Nelly Sachs für sich. Doch erst 1986/ 87 entschied er sich zur wortgetreuen Vertonung des Textes. Heinz bringt nach seiner Flucht aus einem Gefangenenlager nicht die Kraft auf, seinem ebenfalls geflohenen und verwundeten Freund Peter zu helfen und wird so vom Opfer zum Täter. In schmerzhaften Vorgängen innerer Wandlung, die von Fieberträumen begleitet sind und sich zwischen eigenem bekennen und Verdrängen bewegen, scheinen Grundfragen des Lebens auf, die existentielle Probleme aufbrechen lassen und die Suche nach der Wahrheit wach halten.

UA: 25.6.1993, Leipzig, 300 Jahre Leipziger Oper, Gewandhausorchester unter Lothar Zagrosek, Regie: Ruth Berghaus, Bühnenbild: Hans Dieter Schaal, Kostüme und Requisite: Marie-Luise Strandt, Chor: Volkmar Olbrich,
Dramaturgie: Antje Kaiser

SLUB: Mus.15434-F-500


das geistliche jahr, mariens heimgang, komposition für tenor, männerchor, fagott, streichorchester und schlagzeug

text: jörg milbradt

Spielt die Form der Totenmesse eine Rolle? „nein. die traditionellen formen sind nur in meinem unterricht bedeutsam. wir leben heute in so einer anderen welt; die strukturell-klanglichen tonordnungen, die ich bevorzuge, entsprechen in keiner weise den traditionellen, aus modalen oder tonikalen ordnungen gewachsenen formen. und schließlich entspricht die heutige beziehungsvielfalt im leben wie in der kunst nur wenig den früheren.“
jörg herchet

UA: 2.12.1994, Konzertsaal Wuppertal, Veit Scholz, Andreas Wagner, Chor der Konzertgesellschaft und Mitglieder des Sinfonieorchesters Wuppertal, Peter Gülke

SLUB: Mus.15434-E-505


abraum, komposition für das musiktheater

text: jörg milbradt (nach motiven von gerhardt hauptmann „Und Pippa tanzt!“)
gewidmet: meiner mutter in dankbarkeit und liebe

An einem Herbstabend im Herbst der DDR finden sich Arbeiter in einer Kaschemme im Braunkohlegebiet der Lausitz ein. Ihr Dorf soll von den Baggern abgeräumt werden, man säuft sich die Hucke voll, hadert sich den Frust über Wohnungsnot und Ausländer von der Seele. Reiniger, der wortgewaltige Leitungskader, schwadroniert über Fortschritt und Optimismus Anno 1987 – Szenen aus dem vom Tagebau bedrohten Lausitz-Dörfchen Heuersdorf oder aus dem brandenburgischen Horno kommen da in den Sinn. Doch plötzlich erscheint Stefan: ein lebensferner Spinner der Peace - Generation, der das Heil in seiner Blockflöte und den Schriften des mittelalterlichen Mystikers Jacob Böhme sucht. Mit dem Auftritt von Stefan aber geschieht das Wunderbare: Musik dringt allmählich ins derbe Schauspiel, Klänge von eigentümlicher Leuchtkraft, die das Stück zur Oper machen und die Handlung ins Übersinnliche, Allegorische wenden. Die junge Chilenin Anna liebt Stefan, doch der kennt nur eine Sehnsucht: die Schnitzmadonna aus der Dorfkirche, eine fixe Idee von religiöser Geborgenheit. Als die Arbeitstrupps kommen und Schicht für Schicht von der Lausitzer Erde abtragen, als schließlich das Madonnenbildnis aus der schwarzen Erde aufsteigt und Stefan wahnsinnig wird, da hebt auch die Musik völlig ab. Und in einem wundersamen, rein instrumentalen Traumstück mit ratternden Uhrwerken und fernen Sirenentönen endet Jörg Herchets neue Oper „Abraum“.

UA: 7.3.1997 in Leipzig, Gewandhausorchester unter Lothar Zagrosek, Regie: Peter Konwitschny, Ausstattung: Helmut Brade, Mitarbeit Kostüme: Claudia Naumann, Choreinstudierung: Anton Tremmel, Dramaturgie: Antje Kaiser

SLUB: Mus.15434-F-503


namen gottes. Komposition 3 für orgel (I-XLIII), heft 1 und 2

gewidmet: heft1 für gerd zacher; heft2 für daniel glaus
UA: 27.3.1999, Kenosha/ USA

 



 

 

 

 

 

 

 

SLUB: Mus.15434-U-510

das geistliche Jahr: pfingstkantate

komposition für bariton, chor, klavier, orchester; trompeteria; sopran, orgel; kinderchor; chor- und instrumentalsolissten (2002). text von jörg milbradt

UA: 2005, Konzerte in Leipzig-Taborkirche, Plauen-Pauluskirche und Dresden – Kreuzkirche mit der Meissner Kantorei

 

 

 

 

 

 

 

 

SLUB: Mus.15434-E-510

das geistliche jahr: kantate zum erntedankfest

komposition für chor, orgel, schlagzeug, keyboard, posaunenchor und gemeinde. text von jörg milbradt

In ihrem Konzert zum Dresdner Kirchentag am 4. Juni 2011 in der Petrikirche Dresden hat die Meissner Kantorei gleich drei Uraufführungen im Programm: Werke von Hans Peter Türk, Reiko Füting und Jörg Herchet. Herchet hat dem Ensemble bereits einige Werke zur Uraufführung gegeben, musikalisch äußerst fordernde Stücke. So auch seine jüngste Kantate zum Erntedankfest. Bei der Meissner Kantorei fühlt er sich in guten Händen. Im Gegensatz zur traditionellen Chormusik geht es ihm nicht um harmonischen Gleichklang, sondern um individuelle Klanggestaltung.

"Sich einzustellen auf Klänge, Geräusche, auf Clustersingen, wo keine genauen Tonhöhen angegeben sind, wo aber das oberste Prinzip ist: höre auf den Ton, den dein Nachbar singt, und singe einen anderen." aus: "Seufzen, stöhnen, juchzen - Chor der Woche: die "Meissner Kantorei 1961" von Caroline Kuban.

SLUB: Mus.15434-E-512