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Günter Rapp

Das Mühlenarchiv

Obercunnersdorf-Kottmarsdorf. Günter Rapp vor Kammrad der Hempelmühle in Schönbach von 1752. Aufnahme: Rapp-Archiv, 1983.07, SLUB/Deutsche Fotothek, OLB Ra Pos 428 (Ausschnitt).Das Archiv des Günter Rapp, seit 1990 im Besitz der OLB Görlitz, umfasst neben dem umfangreichen schriftlichen Nachlass, Büchern und anderen Objekten auch 15.750 Bilder. Neben ca. 14.000 eigenhändigen Kleinbildaufnahmen in Schwarzweiß handelt es sich um eine Sammlung von 1.700 Positiven.

2005 konnte die Deutsche Fotothek die Negative übernehmen und in Kooperation mit der OLB den gesamten Bildbestand digitalisieren und für die Recherche im Internet aufarbeiten und neu strukturieren.

Bei den eigenhändigen Aufnahmen handelt es sich um die Dokumentation von Mühlen jeglichen Typs und ihrem Umfeld sowie um Reproduktionsfotografien von Landkarten mit Kennzeichnung von Mühlenstandorten (18.-20. Jh.), Ortsansichten (16.-20. Jh.), Abbildungen aus Druckschriften, von Tageszeitungen, über Periodika zum Mühlenwesen, bis hin zu heimatkundlichem Schriften und wissenschaftlichen Monografien.

Rapps technische Ausrüstung ermöglichte zunächst weder qualitativ hochwertige Reproduktionsaufnahmen noch Aufnahmen in Innenräumen. Obwohl die Reproduktionsaufnahmen mitunter von schlechter Qualität sind, wurden sie aufgrund ihres Quellenwertes digitalisiert. Handelt es sich doch teilweise um die einzigen bekannten Aufnahmen eines Objektes. Zu dem sind die Vorlagen entweder in Privatbesitz oder an entlegener Stelle publiziert.

Die Sammlung der rund 1.700 Positive umfasst mehrheitlich Ansichtskarten aus der Zeit seit dem späten 19. Jahrhundert. Motive sind neben den Mühlen vorrangig Ortsansichten. Außerdem enthalten sind historische Aufnahmen (im Original oder in Reproduktion) aus Privatbesitz sowie aus Fremdarchiven erworbene Bilder (u.a. 115 Aufnahmen der Deutschen Fotothek).

Ausgehend von der Oberlausitz begann Rapp 1964 mit der Dokumentation von Mühlen. Im Laufe seiner Tätigkeit weitete sich sein Aktionsradius auf ganz Sachsen sowie auf die angrenzenden Bundesländer Brandenburg und Sachsen-Anhalt aus. Mit vergleichsweise wenig Aufnahmen vertreten sind hingegen Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern sowie die von Rapp ebenfalls bereisten ehemals deutschen Landstriche in Polen und Tschechien.

Die Rappsche Bildersammlung ist vor allem für die regional- und kulturgeschichtliche Forschung von Bedeutung. Sie dokumentiert die Geschichte von Mühlen in Sachsen und den angrenzenden Gebieten z. T. über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrhundert. Dafür wertete Rapp alle ihm zur Verfügung stehenden Bildquellen aus. So geben die Bilder Auskunft über den technischen und sozialen Wandel seit dem 19. Jahrhundert. Wind- und Wassermühlen werden zu Motormühlen umgerüstet oder gar zugunsten neu errichteter Dampf- und Motormühlenwerke abgebrochen. Anstelle von Windmühlen entstehen gerade in der Peripherie von Städten und Erholungsorten Ausflugslokale. Ebenso dokumentiert wird aber auch die wieder aufgenommene Nutzung selbst von Windmühlen in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg sowie der Verfall bzw. die Umnutzung funktionslos gewordener Mühlen, z. B. als touristische Sehenswürdigkeit.

Rapp beschränkte sich nicht auf die Dokumentation erhaltener Wind- und Wassermühlen, sondern dokumentierte selbst schon vor Jahrzehnten, ja Jahrhunderten aufgegebene bzw. umgenutzte Mühlenstandorte bzw. deren Gebäude. Ferner dokumentieren seine Aufnahmen die landschafts- und ortsbildprägende Wirkung der Mühlen. Rapp fotografierte nicht nur die Mühlenstandorte im Verhältnis zur Umgebung, sondern auch die Aussicht von den Windmühlenbergen in die umgebende Landschaft bzw. auf den dazugehörigen Ort. Ein weiterer Aspekt ist die Darstellung des (Arbeits-)Alltags der Müller und ihrer Familien. Die Bilder, zumeist Reproduktionen aus Privatbesitz, geben auch Auskunft über den sozialen Status der Müller von der Wiege bis zur Grabstätte.

Marc Rohrmüller

© SLUB/Deutsche Fotothek, Februar 2006

 

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