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Autobiografie

Ich wurde 1938 in St. Martin (damals Tschechoslowakei) als Deutscher geboren, besuchte die Grundschule und wuchs zweisprachig auf. Nach der Vertreibung wurde meine Familie in Deutschland (Mecklenburg) angesiedelt. Dort besuchte ich die Grund- und Oberschule. Meine Berufsausbildung zum Funkmechaniker brachte mich nach Sachsen. Den erlernten Beruf übte ich nicht aus. Ich begann ein 3jähriges Volontariat als Redakteur bei einer Dresdener Tageszeitung. Während dieser Zeit absolvierte ich ein Fernstudium an der Fachschule für Journalistik Leipzig. Ich schloß als Journalist ab, und arbeitete von 1964 an freiberuflich, hauptsächlich für zentrale Presseorgane mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Kultur (Text und Bild). Das Sachgebiet Bildjournalistik eignete ich mir autodidaktisch an. Zielgerichtet legte ich den Schwerpunkt meiner Arbeit auf die Industriefotografie. Die Konzentration meiner Tätigkeit lag ausschließlich auf dem Thema Arbeit des Menschen in der Industrie.
Schwerpunkte waren Bergbau, Metallurgie, Anlagen- und metallverarbeitende Industrie sowie Bauwesen.

Mein Anliegen war, die primären gesellschaftlichen und sozialen Aspekte - Arbeit als sinngebende Tätigkeit des Menschen - zum Bildinhalt zu machen, indem ich die Wirkung von menschlicher Kraft und maschineller Gewalt darstellte. Meine Bilder zeigen Mühsal und Härte des Industriealltags. Die Menschen fotografierte ich während ihres gewohnten Arbeitsablaufes. Diese ungewohnten Aktionsfotos haben leitende Wirtschaftsfunktionäre und Techniker beeindruckt, obwohl oder gerade weil sie nicht den üblichen gestellten "Arbeiterstandbildern" entsprachen.

Voraussetzung für meine Aktionsfotos, die ich bei laufender Produktion in Werkhallen, Bergwerken, großen Innenräumen u. ä. machte, war eine den schwierigen Licht- und Umgebungsbedingungen angepaßte Aufnahme- und Beleuchtungstechnik. Eine portable Blitzlichtanlage, batteriebetrieben, 6.000 Ws, mit allen Peripheriegeräten, habe ich konzipiert und mit Hilfe von Ingenieuren und Technikern unterschiedlicher Fachrichtungen gebaut. Als Aufnahmekameras dienten Pentacon Six (6 x 6 cm). Die Kombination von Kamera und Beleuchtung funktionierte drahtlos.

Die Beleuchtungsanlage (3 mal 2.000 Ws) wurde von drei Assistenten getragen, so daß deren flexible Platzierung eine perfekte Ausleuchtung der Szenerie ermöglichte, und zusammen mit der Wahl des Kamerastandpunktes (Aufnahmen aus der Hand) entstanden kalkulierte Momentaufnahmen. Da die Aufnahmen als Druckvorlagen verwendet werden sollten, mußte ich im Interesse einer hohen Qualität Umkehrfilm mit geringem Belichtungsspielraum verwenden, das wiederum verlangte eine präziese Lichtmeßtechnik, die ich mittels 10°-Mattscheibeninnenmessung realisierte. Fast alle Umkehr-Aufnahmen habe ich in meinem selbst eingerichteten Farblabor normgerecht entwickelt.

Alle Aufahmen machte ich im Auftrag von Kombinaten und Großbetrieben, dabei gab es keine zentralen Richtlinien, sondern nur die konkreten Vorgaben der Aufraggeber.
Die Druckvorlagen wurden für Publikationen in der Berufswerbung und in anderen PR-Maßnahmen vewendet. Das Ergebnis meiner Arbeit war die umfassende Dokumentation von technischen Anlagen und technologischen Prozessen in 119 Betrieben mit der Darstellung von 102 Berufen. Das Gesamtkonzept für die o. g. Publikationen (Broschüren, Handzettel, Plakate usw.) stammte von mir, ich verfaßte auch die Texte. Die Realisierung lag in meiner Hand (Im Bereich Grafik kooperierte ich mit freiberuflichen Illustratoren).

Vorbedingung für diese Art Bilder und Texte war ein besonderer Arbeitsstil, d. h. ein gründliches Befassen mit den Aufgaben der Betriebe: Nach dem Studium der technischen Dokumentationen machte ich grundsätzlich vor jeder Aufnahmeaktion mit leitenden Mitarbeitern eine oder mehrere Betriebsbesichtigungen an Hand der Vorgaben. Teilweise zog ich dabei die vorgesehenen Grafiker hinzu, damit die Broschüren optimal gestaltet werden konnten.
Aufnahmen unter sozialkritischen Aspekten machte ich nicht, sie waren in den Vorgaben der Auftraggeber nicht enthalten und auch nicht meine Absicht.

Die Sammlung enthält mein gesamtes fotografisches Schaffen von 1967-1984, ich habe sie angelegt als Dokument für den arbeitenden Menschen in der Industrie. Die Geschlossenheit mit der sachgerechten Darstellung der Industrieproduktion macht den Wert der Sammlung als Zeitdokument aus. Eine vergleichbare Sammlung gibt es in Deutschland nicht.
Ergänzt wird die Sammlung durch 40 Drucksachen.

1985 übersiedelte ich in die Bundesrepublik Deutschland und arbeitete dort ebenfalls als freiberuflicher Indutstriefotgraf für namhafte deutsche Unternehmen, auch in Spanien, Frankreich, Luxemburg. Die Aufnahmen verkaufte ich mit allen Rechten. Im Jahr 2000 kehrte ich an meinen früheren Wohnsitz Dresden zurück und gab aus Gesundheitsgründen meine Tätigkeit auf.

Eugen Nosko

© SLUB/Deutsche Fotothek, 27. September 2007