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Eugen Nosko

"Besonderes wird im Alltäglichen entdeckt" [1]

Eugen Nosko. Aufnahme: Unbekannter Fotograf, Juni 1983.Eugen Nosko, geboren am 15. Oktober 1938 in St. Martin , arbeitete seit 1964 als freiberuflicher Industriefotograf, von 1967 bis 1984 im Auftrag von volkseigenen Betrieben und Kombinaten der DDR.

Das Grundthema seiner Aufnahmetätigkeit bildeten Mensch und Technik im Industriealltag der DDR. Sowohl auf Übersichts- als auch auf Detailansichten hielt er insbesondere Produktionsprozesse, Arbeitsabläufe und Milieu der Industrie im einstigen "Arbeiter- und Bauernstaat" fest, wobei er sich stets mit den Mitteln der Farbfotografie artikulierte. Dynamische Objekte fotografierte der Bildchronist dabei "aus der Hand" mithilfe einer Pentacon Six und einer eigens für ihn entwickelten portablen, batteriebetriebenen Blitzlichtanlage mit drahtlos zu zündenden Leuchten. Mit herkömmlichen Blitzlichtgeräten oder Dauerlichtquellen wäre das Erstellen von Aktionsfotos unter erschwerten Aufnahmebedingungen, wie sie z. B. in Berg- oder Walzwerken herrschen, kaum denkbar gewesen. Zugleich nutzte Eugen Nosko diese Kamera auch für die Darstellung statischer Objekte. Ein weiterer, unentbehrlicher Bestandteil seiner Fotoausrüstung war eine Linhof Kardan Color, ein Modell aus westdeutscher Produktion.
Die repräsentativsten und bildwirksamsten Fotografien wurden zum Zweck der Berufswerbung und -ausbildung in Broschüren bzw. auf Handzetteln veröffentlicht. Parallel zu seiner fotografischen Tätigkeit verfasste Eugen Nosko als Autor den Text für viele dieser Publikationen, in denen man naturgemäß darauf bedacht war, ein möglichst starkes Bild vom Sozialismus zu erzeugen, dessen Produktivität sowie die Qualität seiner Betriebe und Produkte nach außen und innen im Sinne der Staatsideologie zu vermitteln.
Entstanden ist weit mehr, nämlich eine repräsentative Dokumentation der Industrieproduktion in der DDR, ein "Dokument für den arbeitenden Menschen in der Industrie" (Nosko). Schwerpunkte sind Bergbau und Metallurgie, Anlagen- und Maschinenbau, holz- und metallverarbeitende Industrie sowie Bauwesen. Im Mittelpunkt stehen, auftragsgemäß, "Berufe im Bild". Darüber hinaus dokumentiert sind technische Anlagen und technologische Prozesse in zahlreichen Betrieben, die - wenn am Markt überhaupt noch vertreten - mit ihren Arbeitsplätzen und Maschinenparks so heute kaum noch vorzufinden sind.
1985 siedelte Eugen Nosko in die Bundesrepublik Deutschland über, wo er seine Tätigkeit als Industriefotograf für etwa 15 Jahre fortsetzte. Heute lebt er gemeinsam mit seiner Frau wieder in seiner Heimatstadt Dresden.

Jasmin Kossmann

Die Auswahlpräsentation zum Archiv Eugen Nosko ist im Sommer 2007 im Rahmen eines studienbegleitenden Praktikums erstellt worden. Betreuer: Klaus-Dieter Bernstein.
Die Retrokonversion der Bestandsgliederung besorgte Stephan Ostmann, ebenfalls im Rahmen eines Praktikums.

[1] Rachov, Ives: Aspekte künstlerischer Fotografie in der DDR unter besonderer Berücksichtigung der 1970er und 80er Jahre. Frankfurt (Oder) 2000. S. 17.

© SLUB/Deutsche Fotothek 2007