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Christian Borchert

Christian Borchert: Selbstportrait mit Kamera, 1974. SLUB/DF Bo.Pos. 001/002.Der 1942 in Dresden geborene, am 15. Juli 2000 tödlich verunglückte Christian Borchert gilt als einer der bedeutendsten deutschen Fotografen des ausgehenden 20. Jahrhunderts.

18.000 Arbeitsabzüge aus seinem von der Fotothek erworbenen, umfangreichen Nachlass sind mit Hilfe der ZEIT-Stiftung im Rahmen eines Katalogisierungsprojekts seit Ende März 2004 in der Bilddatenbank der Fotothek recherchierbar.

Mit seiner seit 1977 angelegten "DDR-Sammlung" ist Christian Borchert zum Chronisten der Kultur- und Sozialgeschichte der DDR geworden. Im Mittelpunkt seiner Sozial- und Stadtdokumentationen steht der Mensch - sei es als Persönlichkeit, im Alltag oder in den Spuren, die er im Raum hinterlässt.

Schon in den frühen Aufnahmen von Klassenkameraden, seiner Heimatstadt und deren Umgebung legte er als 14-Jähriger Themenkanon und Vorgehensweise fest: "Kirchen, den Pieschener Hafen, Brücken... Das Systematisieren hat mich immer interessiert. Als Kinder hatten wir Sammelbilder von den Chlorodont-Werken. Das Sammeln und Ordnen hat mir gefallen" (Christian Borchert, 1996).

Diese Sammelleidenschaft und Ordnungsliebe kann als Ausdruck eines Bedürfnisses nach Selbstvergewisserung gelesen werden, für das zudem die zahlreichen Selbstporträts sprächen.

Auch, dass er seiner Heimatstadt Dresden trotz - oder gerade wegen - seines Weggangs zeitlebens eng verbunden blieb, mag zu dieser Lesart passen. In seiner zurückhaltenden, gleichzeitig überaus genauen Art hat er den Alltag, die bauliche Entwicklung, die Künstler oder Familien der Stadt dokumentiert, als Fotograf wie auch als Herausgeber der Bildbände "Semperoper Dresden - Bilder einer Baulandschaft" (1985), "Dresden. Flug in die Vergangenheit" (1993) oder "Zeitreise. Bilder einer Stadt" (1996).

Christian Borcherts Werk bewahrt Blicke auf die Wirklichkeit: aufmerksam, teilnehmend, kritisch. Es ist in seiner Gesamtheit eine autorenschaftliche Bildgeschichte der Lebenswelt des Fotografen seit dessen Jugendjahren: "Ich will eine wahre Darstellung von Erscheinungen, und dabei geht es in erster Linie um die Erscheinung und nicht um deren Korrektur. Aber in zweiter Linie: Dass der Betrachter darüber nachdenkt, was der Chronist ihm zeigt, das will ich mir schon wünschen."

Susanne Gänshirt-Heinemann, Jens Bove

© SLUB/Deutsche Fotothek, März 2004