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Zwischen allen Stühlen

Foto- und Filmwettbewerb Victor Klemperer

Was bedeutet Victor Klemperers Vermächtnis heute für uns? Anlässlich seines 140. Geburtsjahres gedenkt die SLUB dem Dresdner Literaturwissenschaftler, Romanisten und Politiker Victor Klemperer in besonderer Weise und rief zum 61. Todestag Victor Klemperers am 11. Februar 2021 einen Fotowettbewerb aus.

Uns erreichten kreative Auseinandersetzungen mit Victor Klemperer und dessen Werk.

Die Preisträger

Aus vier Kategorien – orientiert an Überschriften einiger Klemperer-Tagebücher – die den thematischen Rahmen vorgaben, hatte die Jury die Preisträger zu ermitteln.

Die Sieger-Bilder werden im Klemperer-Saal ausgestellt und können zu unseren Veranstaltungen besichtigt werden, beginnend mit dem Filmabend der Reihe "Mit Victor Klemperer im Kino" am 1. Dezember 2021.

Kategorie A – Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum

Das Bild ‚Stummfilm‘ von Manfred Krause sticht in dieser Kategorie hervor.
Inspiriert von den zahlreichen Tagebuchnotizen des passionierten Kinogängers Victor Klemperer, wählte Krause zielsicher sein Motiv: das Berliner Kino ‚Babylon‘, das bereits zu Lebzeiten Klemperers bestand. Farbigkeit und dynamischer Bildaufbau ziehen den Betrachter in diese Nachtaufnahme und zeigen, dass im ‚Babylon‘ auch heute noch Stummfilme gezeigt werden. Mit dieser subtilen Inszenierung spannt der Autor des Bildes den Bogen von der Stummfilmzeit ins Jetzt und vermittelt: Filme sind Zeitzeugnisse – gesammeltes Leben.

Kategorie B – Ich will Zeugnis ablegen bis zum Letzten

In dieser Kategorie überzeugte die Jury das Bild ‚Schreibdrang‘ von Susanne Kalisch.
Ein Junge legt Zeugnis ab, indem er an einem verlorenen Ort – einem verlassenen Industriegebäude – an eine Wand schreibt. Durch einen spannungsvollen Bildaufbau macht die Fotografin die Dringlichkeit sichtbar, mit der der Junge trotz aller Widrigkeiten ein Zeichen, eine Nachricht hinterlassen will. Denn die Fragen bleiben: Überdauert diese Aufzeichnung oder dieser Ort? Nimmt jemand Kenntnis von diesem Schriftzeugnis? Kalischs Bild lässt über die Schreibsituation Victor Klemperers nachdenken: In seiner Notlage und in der Unsicherheit seiner Gegenwart legte er Zeugnis ab ohne zu wissen wozu und warum – und hinterließ der Nachwelt Aufzeichnungen von unschätzbarem Wert.

Kategorie C – So sitze ich denn zwischen allen Stühlen

Die Jury zeichnet in dieser Kategorie das Foto von Frank Pudel aus.
Der Fotograf zeigt eine Frau, die ihren Platz zwischen zahlreichen Stühlen sucht. Gekonnt arbeitet Pudel mit selektiver Schärfentiefe. Etwas Ungewisses liegt im Hintergrund, welcher in Unschärfe verschwindet. Fokussiert wird auf die Dynamik des Kampfes mit den Stühlen an einem Ort, der kein Willkommen bietet. Mit diesem Bild kann den Gefühlen Klemperers nachgespürt werden, der nach dem Ende der NS-Diktatur Mühe hatte, in der neuen Gesellschaftsordnung seinen Platz zu finden.

Kategorie D – Man möchte immer weinen und lachen in einem

In Kategorie D wird kein Preis vergeben.

Sonderpreis

Daneben hat sich die Jury entschlossen eine weitere Auszeichnung vorzunehmen und den Text von Sylvia Birnbaum mit einem Sonderpreis zu prämieren.
Birnbaum, selbst passionierte Tagebuchschreiberin, reflektiert die unterschiedlichen Lebenslagen und Tagebuchmotivationen innerhalb ihres Lebens. Ihr Text ist die Selbstbefragung einer jungen Frau und eine persönliche, durchaus zu verallgemeinernde Reflexion über das Schreiben als Selbstvergewisserung, auch eine Ermunterung, das historisch wichtige Medium der Tagebuchaufzeichnung zu schätzen und zu nutzen, auch wenn man nicht weiß, was daraus einmal wird. Ihre ehrliche, reflektierte Auseinandersetzung hätte Victor Klemperer wohl gefallen

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