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Autographe Kompositionen

Die Musikabteilung besitzt 33 Kompositionsautographe von Georg Katzer, die durch die frühere SLB bis zum Jahr 1991 erworben wurden: die Opern „Das Land Bum Bum“ und „Gastmahl über die Liebe“, das Ballett „Schwarze Vögel“, die Werke „Baukasten für Orchester“, „Dialog imaginär“, „Il re pastore“ für Bariton und Orchester, die Kompositionen mit Tonband „Bevor Ariadne kommt“ sowie „Lieder und Kommentare zu Ovid“, das „Oktoberlied“ und weitere Lieder, Orchesterwerke sowie Kammermusik. Nach 1991 gab es neue Erwerbungskriterien für die Musikabteilung. Heute erwerben wir vorrangig Musik aus Sachsen sowie Musik, die in Sachsen uraufgeführt wurde. Die Katalogisate der Werke von Georg Katzer finden Sie im RISM-OPAC.

Schwarze Vögel (1975)

Ballett
Erwerbungsjahr: 1979


Plakat der Komischen Oper Berlin für das Ballett "Schwarze Vögel" 1976.
VIII. Kunstausstellung der DDR 1977/78, Katalog S. 229

SLUB: Deutsche Fotothek Foto: Abraham Pisarek

Szenenbild aus dem Ballett "Schwarze Vögel" von Georg Katzer.
Libretto von Bernd Köllinger in der Choreographie von Tom Schilling.
Komische Oper Berlin, 17.07.1975 und Uraufführung 27.09.1975.
SLUB: Deutsche Fotothek, Foto: Abraham Pisarek

SLUB: Mus.15450-F-500, S.6

Baukasten für Orchester (1971)

Mit „Baukasten für Orchester“ gelang Katzer der kompositorische Durchbruch in der DDR.
Erwerbungsjahr: 1975

Schon Anfang der 70er Jahre hatte ich ein Orchesterstück geschrieben mit dem Titel 'Baukasten'. Ich wollte mit möglichst wenig Material auskommen und durch ständig neue Kombination der Elemente musikalischen Raum schaffen. Also entwickelte ich einen sehr dichten Orchestersatz von 10 Takten, der alles Material enthalten sollte.

Georg Katzer


SLUB: Mus.15450-N-503,1, S.50

Das Land Bum-Bum (1976)

Kinderoper
Erwerbungsjahr: 1979


SLUB: Mus.15450-F-502, S.169

Aufführung und Inhalt der Oper "Das Land Bum Bum“

Am 30. September 1978 brachte die Komische Oper Ostberlin die Kinderoper "Das Land Bum-Bum" von Rainer Kirsch (Libretto) und Georg Katzer (Musik) zur Uraufführung. Es handelt von dem "Lustigen Musikanten" Karl, der auf der Jagd nach seinem entflogenen Hut in das Land Bum-Bum gelangt, wo die Bewohner mit den Ohren essen, aber keine lustigen Lieder singen und das Wort "Lüge" nicht kennen dürfen. Karl singt dem Mädchen Zwölfklang ein lustiges Lied vor und entlarvt damit die offizielle Begründung, lustige Lieder schadeten der Gesundheit, als Lüge. Sofort taucht die allgegenwärtige Horchpolizei auf und wirft Karl in den Kerker. Dort zeigt sich, dass sich unter dem Land Bum-Bum ein riesiges Tunnelsystem erstreckt, das nicht nur als Verlies, sondern auch als gigantische Abhöranlage dient. Hier arbeitet der Spion, der sich in einem Liedchen vorstellt: "Die Hymne! Wenn wir sie spielen, müssen Sie strammstehen: Mein Bum Bum in Stahl und Eisen stehst voll Sonnenglanz du da und wir werden es beweisen deine Söhne sind wir ja. Freche Mäuler, die dich schmähen, werden wir zu Staub zermähen und dein schöner Name klingt bis Bum Bum das Weltall singt.“

Wertung

"Ein Regime mit Grenzern und Spitzeln, Republikflucht und Zensur auf offener Bühne zu stürzen – das scheint schwer vorstellbar im Musiktheater der DDR unter Honecker und Mielke. Doch genau das geschieht in der Kinderoper "Das Land Bum-Bum" von Georg Katzer und Rainer Kirsch. In der Inszenierung von Joachim Herz wird Systemkritik gedacht und geleugnet, entworfen und entzogen, verdreht und verschoben: ein Zickzack-Kurs an der Grenze zur Schizophrenie mit zensurpassablem Ergebnis. Die Entstehung lässt sich schrittweise nachvollziehen anhand umfangreicher Arbeitsmappen aus dem Nachlass des Bühnenbildners Reinhart Zimmermann im Archiv der Künste, erstmals gesichtet und ausgewertet für 'Opernwelt'." (Quelle: Boris Kehrmann: Mit List und Lust durchs Märchenland. - In: Opernwelt 2012, S. 72)

Inszenierung von Joachim Herz

"1978 inszenierte er an der Komischen Oper eine Ohrfeige für die politische Klasse der DDR, die Oper "Das Land Bum-Bum" von Rainer Kirsch (Text) und Georg Katzer (Musik). Was da als "Kinderoper" ausgegeben (aber nur abends gespielt wurde), war eine handfeste Satire auf das "Horch-und-Guck"-Unwesen in einem vorgeblichen Märchenland, dessen verniedlichender Titel gleichwohl Anklage erhob. 1953 kam Joachim Herz an die Komische Oper Walter Felsensteins, und zusammen mit dem Senior und dem sechs Jahre jüngeren Götz Friedrich bestimmte er fortan wesentlich den Spielplan." (Gerhard Müller, Berliner Zeitung, 24.11.2014)

Kommen und gehen (1982)

Sextett
Erwerbungsjahr: 1983


SLUB: Mus.15450-Q-502, S.3

Oktoberlied (1989)

„Hinter kugelsichren Scheiben“ - Gesungen und gespielt in der Erlöserkirche Berlin
Benefiz-Veranstaltung für die Opfer des Polizeiterrors am 27.10.1989
Aufgeschrieben am 4.12.1989
Erwerbungsjahr: 1990

Hinter kugelsichren Scheiben
Schützen sich die Landeslächler vor Oktoberwind.
Das war so, das ist so, das wird auch so bleiben
Weil unsere … nun mal so sind
Es ist unwahr
Daß eine Türe offenstand
Man bekam sie eingetreten von der Straße her
Es ist unwahr
Man reichte dem Volke die Hand
Man hat sie ausstrecken müssen zur Notwehr
Wahrhaftig woher denn so schnell und gewandt
plötzlich reulos Sachverstand unheimlicher?
Das Ehrlichste wäre
eine innere Kehre
statt chinageil
rumänoman
mit Hinterteil
auf Untertan



SLUB: Mus.15450-K-501

Dialog imaginär 2 (1986)

Für Klavier und Tonband
Erwerbungsjahr: 1991


SLUB: Mus.15450-Y-504, S.6

In den Jahren von 1979 bis 2004 schrieb Katzer sieben "Imaginäre Dialoge" für einzelne Instrumente (Flöte, Klavier, Gitarre, Bassklarinette, Akkordeon, Tenorsaxophon und Violoncello) und Zuspielband. Darin geht es jeweils um Selbstbefragungen und Rollenspiele. Alle "Dialoge" gehören zu einem langjährig angelegten und ganzheitlichen Kompositionskonzept.

Il re pastore

Für Bariton, Klavier, Bläserquintett, Text: Friedrich II.
Erwerbungsjahr: 1991


SLUB: Mus.15450-I-500, S.2