Choreografie der Bewegung

Mit Erfindung der analogen Fotografie konnten erstmals naturgetreue Abbilder der Welt hergestellt werden. Als diese Bilder dann das Laufen lernten, kam das einer Revolution gleich. Die neue Technik eröffnete in ganz verschiedenen Bereichen neue Möglichkeiten.

Stadtumzüge 

… sind allgegenwärtig in sächsischen Archiven. Jubiläen, Paraden, Festtage: Es findet sich stets ein Grund, die Straßen der Stadt in eine Bühne zu verwandeln. Hier inszeniert sich die Gesellschaft selbst – und schaut sich bei der Inszenierung zu. Filmische Zeugnisse beobachten die Stadtumzüge häufig auf Augenhöhe vom Straßenrand, aus der Perspektive des Publikums. Wieder und wieder ziehen vor dem Blick der Kameras die Festwagen, Banner, Tanzgruppen und Blasorchester vorbei, quer durch die Jahrzehnte, Orte und politischen Systeme.

 

 

Titel: Das Lichtenstein-Callnberger Schulfest am 13. Sept. 1925
Aufnahme: Kammer-Lichtspiele Callnberg
Format analoges Original: 35mm-Film Positiv, stumm
Laufzeit: 1 min (Ausschnitt) bei 16 Bilder/Sekunde 
Rechte: Museum der Stadt Lichtenstein

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Titel: 750 Jahre Tharandt (1956)
Format analoges Original: Normal 8mm-Film Positiv, stumm
Laufzeit: 1 min (Ausschnitt) bei 18 Bilder/Sekunde
Rechte: SLUB – Zweigbibliothek Forstwesen

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Titel: Swjedźenski ćah a masowe rejowanske sceny na Zjězdźe Serbow 1956 w Budyšinje (dt: Festumzug und Massentanzszenen auf dem Sorbentreffen 1956 in Bautzen)
Kamera, Schnitt: Kurt Heine
Format analoges Original: 16mm-Film Positiv, stumm
Laufzeit: 1 min (Ausschnitt) bei 24 Bilder/Sekunde 
Rechte: Sorbisches Institut

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Titel: 450 Jahre Marienberg 1521–1971, Feierlichkeiten, Festumzug
Produktion: Amateurfilmstudio Zöblitz
Format analoges Original: 16-mm-Film Positiv, mit Ton
Laufzeit: 1 min (Ausschnitt) bei 24 Bilder/Sekunde
Rechte: Stadtverwaltung Große Kreisstadt Marienberg – Stadtarchiv

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Wir bauen ein Segelflugmodell 

Der Amateurfilm „Wir bauen ein Segelflugmodell“ besticht mit außergewöhnlichem Konzept und aufwändiger filmtechnischer Ausführung: Minutiös wird die Konstruktion eines Modellflugzeugs vorgeführt – als Stop-Motion-Film, also bestehend aus hunderten unabhängig voneinander aufgenommenen Einzelbildern. Wie von Geisterhand bewegt, wandern die Bauteile über das Bildfeld und fügen sich nach und nach in den von Anfang an feststehenden Masterplan ein. Die im Gleichschritt marschierenden Flugzeugplanken sowie die zwar in Reimform, aber gleichzeitig in autoritärem Gestus formulierten Zwischentitel verwandeln den 1934 hergestellten Film in ein ambivalentes, bizarres ideologisches Dokument der frühen Zeit der nationalsozialistischen Diktatur: Der Ernstfall ist noch fern, doch der überzeugte Nationalsozialist, Volksschullehrer und Hobbycineast Erich Schnabel aus Dresden-Gruna probt bereits die Mobilmachung. Später stellt Schnabel sein Filmschaffen ganz offiziell in den Dienst der Indoktrination seiner Schüler*innen.

Regie, Kamera, Schnitt: Erich Schnabel
Vorlage: Helmut Kirschke – Bauplan „Segelflugmodell Baby“ (1934)
Format analoges Original: 16-mm-Film Umkehr-Positiv, stumm
Laufzeit: 2 min (Ausschnitt) bei 16 Bilder/Sekunde
Rechte: Hirsch Film, Dresden 

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Die Herstellung von Porzellanwaren

Es beginnt mit der Gewinnung des Rohmaterials im Steinbruch und endet mit der Dekoration der fertigen Figuren: Die Kurzdokumentation „Die Herstellung von Porzellanwaren“ präsentiert den kompletten Arbeitsablauf der Gewinnung und Verarbeitung von Porzellan. Die in der westsächsischen Porzellanfabrik Fraureuth A.-G. aufgenommenen Bilder konzentrieren sich ganz auf den Manufakturprozess der Formwerdung: Das grobe, unbehauene Geröll wird Kameraeinstellung für Kameraeinstellung in ein fein gearbeitetes Tanzpaar transformiert. Im Mittelpunkt steht die Tätigkeit, nicht der Mensch, der sie ausübt. Produziert hat den Film die Deutsche Lichtbild-Gesellschaft e. V., die während des Ersten Weltkriegs als Propagandaorganisation der deutschen Industrie gegründet worden war.

Produktion: Deutsche Lichtspiel-Gesellschaft e. V., 1920
Format analoges Original: 35-mm-Film Positiv, stumm
Laufzeit: 2 min (Ausschnitt) bei 24 Bilder/Sekunde
Rechte: SLUB Dresden 

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Dokumentacija ludowych rejow: Reje z Hochozy 

Die Filme des Instituts für sorbische Volksforschung (heute Sorbisches Institut) sind historische Dokumente ersten Ranges: Sie halten in ethnografischen Feldaufnahmen Formen und Rituale einer traditionellen Lebensweise fest. Damit bewahren sie zumeist immaterielles Kulturgut, das heute – soweit es nicht komplett verschwunden ist – zumindest seine Verwurzelung im Alltag oft verloren hat. Neben Umzügen und anderen Feierlichkeiten gehören Volkstänze zu den zentralen Motiven. In Hochoza/Drachhausen (Niederlausitz) präsentiert die Sorbin Lina Jonas der Mitarbeiterin des Instituts für sorbische Volksforschung Hanka Faßke eine Reihe dieser Tänze. Und zwar offensichtlich in ihrer eigenen, gewohnten Lebenswelt, vor einem Bauernhaus. Der Film verwandelt diesen Ort alltäglicher Arbeit in eine Bühne, die von der alten Frau mit behänder Selbstverständlichkeit beherrscht wird. 

Titel dt.: Dokumentation von Volkstänzen: Tänze aus Drachhausen 
Ethnografin: Hanka Faßke
Tanz: Lina Jonas
Produktion: Institut für sorbische Volksforschung, 1959
Format analoges Original: Normal 8-mm-Film Positiv, stumm
Laufzeit: 2 min (Ausschnitt) bei 16 Bilder/Sekunde
Rechte: Sorbisches Institut 

Zum Film in der MediathekZur Filmkollektion Sorbisches Institut Bautzen


 

Strukturen II

Fernab des offiziellen DDR-Kulturbetriebs schafft die vielseitige bildende Künstlerin Christine Schlegel in ihren von 1983 bis 1986 in Dresden entstandenen 8-mm-Experimentalfilmen einen ganz eigenen ästhetischen Kosmos. Einige ihrer eindrücklichsten Werke entstammen der Zusammenarbeit mit der Tänzerin Fine Kwiatkowski. Schlegel filmt deren Bewegungen und bemalt anschließend die nur 5,7 x 4,2 mm großen Filmbilder, kratzt Striche und Formen in die Filmemulsion, schafft Blasengebilde mit farblosen Leimklecksen. „Strukturen II“ gehört zu Schlegels frühen, stummen Experimenten. Die Filmrolle enthält u.a. Abschnitte, die auf über Einzelbilder fortlaufende Linien und Farbflächen reduziert sind. Später projiziert sie dieses Filmmaterial mit wechselnder Abspielgeschwindigkeit bei Live-Performances auf den in weiß gekleideten Körper der Tänzerin.

Kamera, Materialbearbeitung, Produktion: Christine Schlegel, 1983
Tanz: Fine Kwiatkowski
Format analoges Original: Super 8-mm-Film Positiv mit Materialbearbeitung, stumm
Laufzeit: 2 min (Ausschnitt) bei 18 Bilder/Sekunde)
Rechte: Christine Schlegel, Dresden

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