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Digital Humanities

Digitale Werkzeuge und Methoden für die Geisteswissenschaften

Digitale Ansätze stellen ein faszinierendes Potential für die geisteswissenschaftliche Forschung dar. Ob es sich um das Transkribieren handschriftlicher Texte, deren Auszeichnung in XML und TEI oder die digitale Analyse und Visualisierung von Texten geht, das SLUB TextLab ist die Anlaufstelle für Beratung und Weiterbildung wie auch der Ort fürs Mitmachen in aktuellen Forschungsprojekten.

Einführung in XML und TEI

Dieser Selbstlernkurs für DH-Einsteiger:innen hilft dabei, einen Überblick und ein Grundverständnis für die digitale Textbearbeitung in XML und TEI zu entwickeln, sodass Sie in der Lage sind, diese Instrumente in Ihre zukünftige wissenschaftliche Arbeit einzubinden.

Der Kurs besteht aus sechs Einheiten.

Neu: DH-Masterstudiengang an der TU Dresden

Das SLUB TextLab ist nicht nur der Ort für die Veranstaltungen des Masterstudiengangs „Digital Humanities“. Wir beteiligen uns auch in der Lehre und koordinieren die Praktika der teilnehmenden Kultureinrichtungen.

Ab dem Wintersemester 2022/23 bietet die TU Dresden einen viersemestrigen Masterstudiengang „Digital Humanities“ an. Das SLUB TextLab, deren Mitarbeitende im Lehrauftrag schon seit dem Sommersemester 2017 ein Einführungsseminar in die Digital Humanities an der TU Dresden angeboten haben, beteiligt sich als Partnerinstitution insbesondere auf drei Gebieten:

  • Die Räumlichkeiten des SLUB TextLabs in der Zweigbibliothek Erziehungswissenschaften sollen ein Zuhause für diesen Mastersstudiengang werden.
  • Die für das Praxissemester geplanten Praktikumsangebote der Partnereinrichtungen, zu denen neben der SLUB Dresden auch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV), das Sorbischen Institut (SI) und das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT) gehören, werden vom SLUB TextLab koordiniert.
  • Die SLUB Dresden wird sich auch weiterhin durch Lehraufträge am Angebot der im Masterstudiengang angebotenen Veranstaltungen beteiligen.

 

Mitmachen! Gemeinsam digital transkribieren und annotieren

Das SLUB TextLab bietet zahlreiche Mitmachmöglichkeiten für alle, die ein Interesse an digitalen Forschungsmethoden haben. Ein einfacher Einstieg, der von vielen schon genutzt wird, ist die digitale Transkription und Vollerschließung handschriftlicher Texte. Ob man als Bürgerwissenschaftler*in in Teamarbeit mit Gleichgesinnten Texte transkribiert oder dies als Studierender für das Studium tut, es gibt zahlreiche Möglichkeiten im SLUB TextLab. In solchen Projekten treffen Bürger, Studierende, Forschende und Computer in einer spannenden Kooperation zusammen.

Erfahrung mit Transkriptionsarbeit am SLUB TextLab

Regelmäßig trifft sich, beispielsweise eine Gruppe enthusiastischer Bürger*innen, um Ihre zuhause erstellten Transkriptionen der in deutscher Kurrentschrift kopierten Gemein-Nachrichten der Herrnhuter Brüdergemeine [Link zu Digital Herrnhut] zu besprechen und zu korrigieren. Zuvor mussten Sie erst alle diese „Kurrentschrift“ – die allgemeine Verkehrsschrift der Neuzeit im deutschsprachigen Raum bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts – lesen lernen. Man musste sich auch im Detail darauf einigen, welche Beobachtungen am Text über das Tippen der Buchstaben hinaus erfasst werden sollten. Hier half es, dass auch Studierende und Forschende an der Professur für germanistische Linguistik und Sprachgeschichte am Institut für Germanistik der TU Dresden auch handschriftliche Texte dieser Reihe transkribiert haben und man sich mit ihnen im Detail absprechen konnte. Nachdem man einen gewissen Schwellenwert an Texten so transkribiert hat, gilt es nun mit diesen Texten ausgeklügelte Computerprogramm (eine „Künstliche Intelligenz“) zu trainieren, so dass sie in der Lage sind selbst solche Transkriptionen zu erstellen. In dieser faszinierenden Teamarbeit kann nun der gesamte Volltext dieser Zeitschrift für die Forschung erschlossen werden.

Moravian Knowledge Network

Die Texte der Herrnhutischen Brüdergemeine bergen in sich eine beeindruckende Überfülle an Forschungsschätzen, die im Rahmen des Moravian Knowledge Network (s. https://dhh.hypotheses.org/) digital geborgen und der Forschung sowie interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Die SLUB Dresden war von Anfang ein aktiver Partner dieses Netzwerks und trägt kollaborativ mit eigenen, grundlegenden Beiträgen diesem Forschungsgegenstand bei.

Die am Beginn des 18. Jahrhunderts gegründete weltumspannende Glaubensgemeinschaft breitete sich in nur wenigen Jahrzehnten in die ganze Welt aus. Sie tat dies nicht einfach ohne die Missionsgebiete zu prägen, sie dokumentierte diesen Prozess auch minutiös in unzähligen Berichten, Briefen, Tagebüchern, Lebensläufen und deren Veröffentlichung, die auch wiederum die europäische Sicht auf die Welt immer noch nachhaltend prägen. Diese Texte gilt es zunächst als Volltexte tiefergehend zu erschließen und der Forschung zugänglich zu machen, nicht zuletzt für deren digitale Erforschung. Die unten angefügten Texte sollen diese Arbeit beispielhaft anzeigen.

Nachrichten aus der Brüder-Gemeine (1819-1894)

Die „Nachrichten aus der Brüder-Gemeine“ war die erste gedruckte Zeitschrift in deutscher Sprache der Brüdergemeine. Das OCR-Team der SLUB hat hierbei maßgeblich beigetragen, den Text der sich im Digitalen Archiv der Memorial University of Newfoundland befindeten digitalisierten Zeitschrift stark zu verbessern. Diese können jetzt deshalb beispielsweise als Spezialkorpus des Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache der mit den dort zur Verfügung stehenden Werkzeuge korpuslinguistisch untersucht werden.

Gemein-Nachrichten (1756-1818)

Bevor die Nachrichten in gedruckter Form vervielfältigt wurden, gab es sie in handschriftlicher Form. Diese Zeitschrift wird derzeit in Zusammenarbeit zwischen dem Landesdigitalisierungsprogramm des Freistaats Sachsens und dem Unitätsarchiv Herrnhut digitalisiert und über die digitale Bibliothek der SLUB Dresden in SACHSEN.digital der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Doch wie verwandelt man in deutscher Kurrentschrift – die allgemeine Verkehrsschrift der Neuzeit im deutschsprachigen Raum bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts – kopierte Texte in digitale Volltexte? Hier kommen Bürger, Studierende, Forschende und Computer in einer spannenden Kooperation zusammen.

Regelmäßig trifft sich eine Gruppe enthusiastischer Bürger*innen, um Ihre zuhause erstellten Transkriptionen der Gemein-Nachrichten zu besprechen und zu korrigieren. Zuvor mussten Sie erst alle diese „Kurrentschrift“ lesen lernen. Man musste sich auch im Detail darauf einigen, welche Beobachtungen am Text über das Tippen der Buchstaben hinaus erfasst werden sollten. Hier half es, dass auch Studierende und Forschende an der Professur für germanistische Linguistik und Sprachgeschichte am Institut für Germanistik der TU Dresden auch handschriftliche Texte dieser Reihe transkribiert haben und man sich mit ihnen im Detail absprechen konnte. Nachdem man einen gewissen Schwellenwert an Texten so transkribiert hat, gilt es nun mit diesen Texten ausgeklügelte Computerprogramm (eine „Künstliche Intelligenz“) zu trainieren, so dass sie in der Lage sind selbst solche Transkriptionen zu erstellen. In dieser faszinierenden Teamarbeit kann nun der gesamte Volltext dieser Zeitschrift für die Forschung erschlossen werden.

Exkursionstagebuch Barby (1766)

Digitale Volltexterschließung kann auch oft – anders als in den oben erwähnten Beispielen – richtig in die Tiefe gehen. Ein von einem Mitglied der Herrhuter Brüdergemeine 1766 verfasstes Exkursionstagebuch, beschreibt einen mehrtägigen Ausflug in der Gegend um Barby (heute eine Kleinstadt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt) und die detaillierten dabei gemachten Beobachtungen der Pflanzen. Der Text wurde von Forschenden am Institut für Botanik an der TU Dresden und Thomas Ruhland (Universität Hale-Wittenberg) für eine Edition aufgearbeitet. Dieser wird nun digital (nach den Richtlinien der TEI) ausgezeichnet. Dabei werden nicht nur graphisch Auffallendes, wie Korrekturen, erfasst, sondern vor allem Pflanzen- und Ortsnamen als solche kenntlich gemacht und mit Wikidata verlinkt. So entsteht nicht nur die Möglichkeit einer digitalen Edition, der Text verwandelt sich in eine Datenbank, die einen systematischen Einblick in die beschriebene historische Flora erlaubt. Das SLUB TextLab berät und vermittelt die dazu notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten bezüglich der Auszeichnung mit TEI-XML, der Auswertung der Daten mit xQuery und die dazu verwendeten Werkzeuge, wie der XML-Editor Oxygen und die XML-Datenbank eXist bzw. die darauf basierenden Veröffentlichungswerkzeug TEI Publisher.

Codex Boernerianus

Codex Boernerianus (in der Forschung als „G“ oder „012“ bekannt), die griechisch-lateinische Abschrift der Paulusbriefe aus dem 9. Jahrhundert, ist in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnlicher Zeuge dieser neutestamentlichen Texte. Im relativ kleinen Buch – es misst 25 x 18 cm – stehen über den Zeilen mit dem fortlaufenden griechischen Text auf einer separaten Zeile über fast jedem Wort eine, manchmal bis zu drei Entsprechungen in lateinischer Sprache. Der Text weist auch zahlreiche interessante Lesarten auf. Allein im Römerbrief, beispielsweise, fehlen ein Großteil der ersten fünf Verse und die letzten drei Verse. Dies ist kein Versehen des Kopisten, denn er ließ extra Platz, um den vermeintlich fehlenden Text zu einem späteren Zeitpunkt nachtragen zu können.

Hinzu kommt noch ein Sachverhalt, der in der überlebenden neutestamentlichen Handschriftentradition ein bemerkenswerte Ausnahme darstellt: gemeinsam mit Codex Claromontanus (in der Forschung „D“ oder „06“ genannt) aus dem 6. Jahrhundert, und Codex Augiensis („F“ oder „010“) auch aus dem 9. Jahrhunders, sind drei alte zweisprachige Paulusbriefhandschriften erhalten, deren Abhängigkeitsverhältnisse deutlich bestimmbar sind. So wurde schon Ende des 19. Jahrhunderts erkannt, dass F und G, beide im 9. Jh. geschrieben, eine gemeinsame Vorlage „X“ gehabt haben müssen.  Der im 6. Jh. entstandene Codex D habe wiederum einen mit „X“ gemeinsamen Vorfahren „Z“.

In den letzten Jahren hat die SLUB, gemeinsam mit Mitarbeitenden und Studierenden der Professur für Biblische Theologie am Institut für Evangelische Theologie der TU Dresden durchgeführt (s. hier und hier). mehrere Workshops zur digitalen Erschließung (Transkription uns Auszeichnung) und textkritischen Analyse des Textes von Codex Boernerianus durchgeführt. Darauf aufbauend, entsteht in Zusammenarbeit zwischen dem SLUB TextLab und dem Lehrstuhl für Neues Testament und griechisch-römische Kultur an der LMU München ein ambitionierterer Ansatz, der am Beispiel des Galaterbriefes durch die digitale Vollerschließung dieses Textes in den erwähnten drei Paulushandschriften den textkritischen Vergleich und durch die Zusammenführung traditionell-philologischer und digitaler Methoden bessere Einblicke in die Textgeschichte bis ins 3. Jahrhundert ermöglichen soll.