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Kulinarische Sammlung

In Dresden und Sachsen finden wir seit langer Zeit nicht nur eine besondere Tradition der Kochkunst und Esskultur, die sich in der Tafelkultur des Dresdner Hofes und seinem Umfeld widerspiegelt. Auch in den Publikationen zur Gastrosophie nahmen Dresden und Sachsen eine Vorreiterrolle ein.

So wurde eins der drei frühen Profi-Kochbücher in deutscher Sprache in Dresden geschrieben. Nach Marx Rumpolts Ein new Kochbuch und Franz de Rontziers Kunstbuch von mancherley Essen erschien 1611 Johann Deckhardts New Kunstreich und Nützliches Kochbuch. Der Band wurde in Leipzig gedruckt und gilt als erstes sächsisches Kochbuch. Das zugehörige Manuskript aus dem 16. Jh.  befindet sich ebenfalls im Bestand der SLUB.

Außerdem erschein 1819 in Dresden eins der ersten Kochbücher für die moderne gehobene Küche Europas: Franz Walchas  Der praktische Koch. Drei Jahre später schrieb dann der aus Reinhardtsgrimma stammende Carl Friedrich von Rumohr (1785-1843) die erste kulinarische Ästhetik Europas, dessen Vorwort der 2. Auflage mit „Wachwitz, den 17. April 1832“ datiert ist. Der Geist der Kochkunst erschien noch vor Savarins Physiologie du goût.

Auch hervorragende Köche prägen Sachsen und den Dresdner Hof. Der Koch der Familie von Bünau auf Schloss Dahlen bei Riesa, Johann Friedrich Baumann (1781-1852), verfasste 1830 das Koch- und Backbuch Der Dresdner Koch und sein Sohn, der Dresdner Hofkoch Friedrich Tuiskon Baumann (1828-1898) wurde von seinen Zeitgenossen mit Marie-Antoine Carême (1784 -1833) verglichen, einem der bedeutendsten Köche seiner Zeit, der wesentlich zur Ausprägung der klassischen französischen Küche beigetragen hat. 

Aber auch in der heutigen Zeit ist Sachsen ein Zentrum der Esskultur. Die Kritiker des französischen Hotel- und Reiseführers Guide Michelin führen aktuell sechs Restaurants in Sachsen mit einem und ein Restaurant mit zwei Sternen. 

Neben den genauer beschriebenen Sammlungen Putz, Siebeck und Birsner, welche einen ausschließlich kulinarischen Charakter haben, hat im Laufe der Geschichte der SLUB und deren Vorgänger bereits gastrosophische Literatur ihren Weg in die Bibliothek gefunden. So verfügt die Handschriftensammlung über verschiedene Manuskripte mit Kochrezepten. Im Druckschriftenbestand befinden sich zusammen mit den von Putz, Siebeck und Birsner gesammelten Drucken nach aktuellem Stand insgesamt knapp 30.000 Exemplare zum Thema Kulinarik. Ebenso sammelt die Deutsche Fotothek als Universalarchiv für Fotografie und Abteilung der SLUB auch Bilder zu Esskultur und Kochkunst. Im Laufe der Zeit gelangten verschiedene Fotografien und fotografische Reproduktionen von Grafiken und Gemälden zu diesen Themen in die Sammlung.

(siehe hierzu: Matzerath, Josef: Dresden kulinarisch exquisit. Köche - Kochbücher - gastrosophische Schriften. in: Genuss(kultur)metropole Dresden. Von adeligen Sitten zum bürgerlichen Wohlbefinden, Dresden 2020 (Dresdner Hefte, 142), S. 88)