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Sammlung Ernst Birsner

Mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Rudolf-August Oetker-Stiftung konnte 2020 der umfangreiche und kulturgeschichtlich bedeutende Bestand an Kulinaria des 2015 verstorbenen Sammlers und Kochs Ernst Birsner erwerben. Die Sammlung umfasst insgesamt geschätzte 30.000 Objekte, darunter etwa 16.500 Menü- und Speisekarten aus mehreren Jahrhunderten, circa 11.000 Bücher sowie gastrosophische Handschriften. Es handelt sich hierbei um eine der umfangreichsten Privatsammlungen zur Geschichte der Kochkunst und Esskultur im deutschsprachigen Raum, die durch ihre Dichte und Vielgestaltigkeit unterschiedlichsten Forschungsfeldern reiches Quellenmaterial bietet.

Der 1935 geborene Ernst Birsner Maître de cuisine im Kochstudio des Burda-Verlages und kochte außerdem für das Verlegerehepaar Aenne und Franz Burda und dessen zum Teil prominente Gäste. Durch die Publikationen des Burda-Verlages beeinflusste er die bürgerliche Kochkultur in Westdeutschland der 1960er bis 1980er Jahre und wurde durch seine Sammelleidenschaft zum Kenner der Koch- und Gastronomieliteratur.

Die in seiner Bibliothek enthaltenen Drucke dienten ihm als Handapparat für seine tägliche Arbeit. Darüber hinaus enthält die Sammlung auch bibliophile Stücke, die Birsners Leidenschaft widerspiegeln. Hoch interessant sind auch die Handschriften und Manuskripte, die von einfachen Rezeptsammlungen bis hin zu einem Menübuch Kaiser Wilhelms II. aus seinem Exil in Doorn reichen. Zu den Pretiosen des Bestandes gehört sicher die Haushaltsaufstellung aus dem Schloss Marly-le-Roi, welches schon vor dem Bau von Schloss Versailles von Ludwig XIV. als Sommer- und Jagdresidenz genutzt wurde. Etat menu g[ene]ral de la Dépence ordinaire de la chambre aux Deniers Roy aus dem Jahr 1707 gibt einen Einblick in die Tafelkultur des französischen Königs.

Die umfangreiche Menükartensammlung mit einem Schwerpunkt auf Karten von deutschen und europäischen Höfen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bildet zum Teil die täglichen Mahlzeiten der Fürsten- und Königshäuser fast lückenlos ab. Balleinladungen, Tafelmusikprogramme, Sitzpläne und ähnliches runden die Kollektion ab. Als ebenso interessant sind die Menü- und Speisekarten der Luxusschifffahrt oder von europäischen Sternerestaurants einzuschätzen.