Sächsische Kirchenmusik des 16. und 17. Jahrhunderts
Das reiche Musikleben sächsischer Kommunen im 16. und 17. Jahrhunderts spiegelt sich in großen Musikaliensammlungen aus Kirchengemeinden, Schulen und Ratsbibliotheken wider, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in der SLUB und ihren Vorgängerinstitutionen bewahrt werden.

Etwa 1.300 Musikalienbände, vorwiegend mit protestantischer Kirchenmusik dieser Zeit, umfasst der Leihgabenbestand, teils handschriftlich, teils gedruckt, der den wichtigen Kern der historischen Musikaliensammlung der SLUB bildet. Um diese vor Verlust und Vergessen zu bewahren, wurden sie nach landesweiten Aufrufen in den Jahren 1890 bis 1899 in der Königlichen Öffentlichen Bibliothek, der SLUB-Vorgängerin, zusammengefasst und archiviert. Überliefert sind Chor- und Stimmbücher der Kirchenbibliotheken Glashütte, Pirna, Schellenberg und Schwarzenberg, der Ratsbibliothek Löbau sowie der Fürsten- und Landesschule Grimma, die in Gottesdiensten und im Schulleben zum täglichen Musizieren genutzt wurden.
Musikleben in Kleinstädten
Ein weiterer Teilbestand aus der Fürsten- und Landesschule Grimma wurde 1962 von der Musikabteilung der Sächsischen Landesbibliothek käuflich erworben. Bei den Notenhandschriften handelt es sich um evangelische Kirchenmusik des ausgehenden 17. bis frühen 19. Jahrhundert, darin enthalten sind über hundert Kantaten von Georg Philipp Telemann und die berühmte »Sammlung Jacobi« des Schulkantors Samuel Jacobi (1652–1721). Die Quellen lenken so den Blick weniger auf die großen musikalischen Zentren, sondern offenbaren auf einmalige Weise das vielfältige Musikleben in sächsischen Kleinstädten.
Durch den Zweiten Weltkrieg wurden die Bestände erheblich in Mitleidenschaft gezogen, die Benutzung der Materialien ist deshalb teilweise nur stark eingeschränkt möglich. Durch konsequente Restaurierungsbemühungen wird versucht, hier nach und nach Abhilfe zu schaffen, z.B. auch mit Hilfe von Buchpatenschaften. Parallel werden die Bestände – sofern konservatorisch möglich – im Rahmen des Landesdigitalisierungsprogramms Sachsen digitalisiert und so auch auf diesem Weg weltweit zur Nutzung zur Verfügung gestellt.
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Literaturempfehlung
- Hartmann, Andrea: Katalog der Musikhandschriften der Fürstenschule Grimma. – Dresden : RISM-Arbeitsgruppe Deutschland e. V., 2009 (Teilveröffentlichung aus: RISM Series A/II Musical manuscripts after 1600, © 2009 by RISM)
- Hobohm, Wolf: Titel Struktur, Funktion und Bedeutung des deutschen protestantischen Kantorats im 16. bis 18. Jahrhundert: Bericht über das wissenschaftliche Kolloquium am 2. November 1991 in Magdeburg. - Oschersleben: Ziethen, 1997
- Krummacher, Friedhelm: Zur Sammlung Jacobi der ehemaligen Fürstenschule Grimma. In: Die Musikforschung. Jg. 16 (1963) H. 4
- Kade, L.O.: Die musikalischen Schätze der Landesschule zu Grimma/ In: Serapeum: Zeitschrift für Bibliothekswissenschaft, Handschriftenkunde und ältere Literatur / hrsg. Robert Neumann. –Jg.17 (1855) H. 20, S. 305-326 sowie H. 21, S. 321-325
- Wolfram Steude: Die Musiksammelhandschriften des 16. und 17. Jahrhunderts in der Sächsischen Landesbibliothek zu Dresden. - Leipzig, 1974
- Lothar Hoffmann-Erbrecht: Die Chorbücher der Stadtkirche zu Pirna. In: Acta musicologica. - 27 (1955), S.121-137
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