Rootline

  1. SLUB Dresden
  2. Collections
  3. Manuscripts
  4. The Dresden Maya-Codex
  5. Kalender

Kalender

Die Maya benutzten drei verschiedene Kalenderzyklen: einen Weissagungskalender zu 260 Tagen (tzolkin), einen zweiten Zyklus des Sonnenjahres mit 18 Monaten zu je 20 Tagen (haab), an die fünf ungezählte Tage angehängt wurden, und schließlich einen Zykus von 52 Jahren zu jeweils 365 Tagen, die Kalenderrunde.

Der Ritualzyklus von 260 Tagen (tzolkin) ergab sich aus der Permutation von 13 Zahlen mit einer festen Folge von 20 Tagesnamen. Er basiert auf dem Venuslauf und enthält sehr genaue Angaben zu Mond-, Sonnen- und Marsphasen.

Kombiniert man die Zählung des Weissagungskalenders mit der des 365tägigen Sonnenjahres (haab), so erhält man die 52 Jahre umfassende Kalenderrunde, das mesoamerikanische Pendant zu unserem Jahrhundert.

Herausragender Vertreter der kalendarisch-astronomischen Maya-Forschung war Ernst Wilhelm Förstemann, Oberbibliothekar der Königlichen Öffentlichen Bibliothek zu Dresden im Königreich Sachsen. Mithilfe der Dresdener Mayahandschrift klärte er das ganze Gerüst des Mayakalenders auf. Unter Heranziehung von Landas Tagen und Monaten und aufgrund seiner mathematischen Begabung fand Förstemann 1887 das Prinzip der Langen Zählung heraus, die ununterbrochene Zählung der aufeinanderfolgenden Tage seit dem viele tausend Jahre zurückliegenden Kalenderrundendatum 4 Ahau 8 Cumku, dem Nulldatum.

Anders als die Daten der Kalenderrunde, die nur innerhalb eines nie endenden Zyklus von 52 Jahren einzuordnen sind und sich immer wiederholen, geben die Daten der Langen Zählung eine Tageszählung wieder, die im Jahr 3114 v. Chr. begann und 2012 n. Chr. enden wird, d.h. die Maya hatten als einziges mittelamerikanisches Volk auch eine absolute, akkumulierende Zeiteinteilung. Es wurde registriert, wieviel Tage seit einem bestimmten Datum, dem oben erwähnten Nulldatum, verflossen waren. Dabei war die eigentliche Tageszählung (die Initialreihe) ausschlaggebend. Nachdem man die Zeichen für die jeweiligen Koeffizienten (entsprechend einem Stellenwert) und die zugehörigen Zahlen, mit denen sie multipliziert werden müssen, mithilfe der Angaben Landas entziffert hatte, konnte man die Daten, die in einem bestimmten Datum angegeben waren, ausrechnen. (zit. n. Coe (1995) S. 90ff., 146ff. und Peter Meyer: Der Maya Kalender)

Die Schwierigkeit  bestand nun darin, die Summe dieser Tage, die seit dem Nulldatum verflossen waren, mit dem christlichen Kalender unserer Zeitrechnung in Beziehung zu bringen. Das Problem ist bis heute nicht vollständig gelöst. Da die Maya in der postklassischen Phase des Niedergangs ihres Imperiums vor Eintreffen der Spanier nicht mehr in der Langen Reihe zählten, sondern nur noch in einer zyklischen kurzen Zählung (short count), die sich alle 256 Jahre wiederholt, gab es keine verlässliche Methode, die Lange Zählung mit dem heutigen Kalender in Beziehung zu setzen. Es gibt zwei Ansätze, die nach ihren Begründern »Goodman-Martínez-Thompson-Korrelation« (11.16.0.0.0.) und »Spinden-Korrelation« (12.9.0.0.0.) genannt werden. (Zum Korrelationsproblem vgl. Meyer, Der Mayakalender) Heute gibt man allgemein der späteren Korrelation (Goodman-Martínez-Thompson) den Vorzug.

Das Rechensystem der Maya: Für die Zahlen wurden Striche und Punkte benutzt. Ein Punkt stand für <eins> und ein Strich für <fünf>, gerechnet wurde nach dem Vigesimalsystem auf der Basis von 20.

Das Prinzip der  Kalenderzählung:
  • Tageshieroglyphen in den Codices
  • Monatshieroglyphen in den Codices
  • Hieroglyphen der langen Zählung im geometrischen und Codex-Stil
  • Kopfvarianten
  • Zahlenhieroglyphen 1
  • Zahlenhieroglyphen 2
  • Zahlenhieroglyphen 3
  • Ergänzungsserien: Nachtgötter
  • Herrscher und Aufbau der Initialserien, Teil 1, Teil 2
  • Hieroglyphen der Mondserie (Ergänzungsserie), Glyphen der Götter D und E
  • Hieroglyphen der Mondserie, Herioglyphen C und X
  • Hieroglyphen der Mondserie, Hieroglyphen B und A

Astronomie und Astrologie waren untrennbar verbunden. Magie, Mythos und mathematische Berechnungen bildeten einen untrennbaren Komplex.

 Zum Phänomen 2012:

„Es gibt keine Prophezeiung für das Weltende im Jahr 2012 in den Maya-Handschriften. An keiner Stelle der drei Maya-Handschriften haben die Epigraphiker Anzeichen für apokalyptische Vorhersagen in Verbindung mit einem bestimmten Datum gefunden. Wer die Maya-Codices auf der Suche nach Hinweisen für apokalyptische Prophezeiungen durchsieht, wie sie die Anhänger esoterischer Kreise suggerieren, wird enttäuscht werden.“ (<st1:place w:st="on">N. Grube</st1:place>, Augurios y pronósticos en los códices mayas, in: Arqueología mexicana  103 (2010) Mayo-Junio, S. 34-37, hier: S. 3 [Übersetzung: Th. Haffner])

Van Stone, Mark: It's Not the End of the World :What the Ancient Maya Tell Us About 2012 (FAMSI)