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Literatur

Thomasin von Zerklaere: ›Der Welsche Gast‹ und andere moralisch-didaktische Werke

Papier • Nordbayern (Raum Eichstätt?) • um 1445 (I) / um 1460 II) / um 1450 (III/IV)

Signatur: Mscr.Dresd.M.67

Der aus vier ursprünglich selbstständigen Teilen (Faszikeln) zusammengesetzte Codex enthält acht moralisch-didaktische Werke in nordbairisch-ostfränkischer Schreibsprache. Den umfangreichsten Faszikel bildet „Der welsche Gast“, die 1215/16 von dem norditalienischen Kleriker Thomasin von Zerklaere verfasste erste ausführliche höfische Verhaltens- und Morallehre in deutscher Sprache. Die 14.750 Reimpaarverse werden von 109 (ursprünglich 111) kolorierten Federzeichnungen mit Beischriften und Schriftbändern illustriert.

Provenienz: zw. 1746 und 1756 von Johann Christoph Gottsched (1700–1766) aus der Bibliothek des Nürnberger Universalgelehrten und Stadtarztes Gottfried Thomasius (1660–1747) erworben; aus Gottscheds Besitz in die Bibliothek der von ihm begründeten „Gesellschaft der freyen Künste“ in Leipzig gelangt und 1793 von der Kurfürstlichen Bibliothek zu Dresden erworben.

Ausführliche Beschreibung: http://www.manuscripta-mediaevalia.de/dokumente/html/obj31601174
Projekt "Welscher Gast digital": https://doi.org/10.11588/diglit.24504 (mit Erläuterungen zu den einzelnen Bildern)

Jacobus de Cessolis: ›Liber de ludo scaccorum‹, dt. (‚Schachzabelbuch’)

Papier • bairisches Sprachgebiet (Südtirol?) • 1464

Signatur: Mscr.Dresd.M.69.b

Der Genueser Dominikaner Jacopo de Cessolis (aus Cessole) deutet in seinem um 1300 entstandenen Werk die Schachfiguren und ihre Züge auf dem Spielfeld als Abbild der Ständegesellschaft. Dabei geht er auch auf den Ursprung des Schachspiels und die Spielregeln ein. Die Zahl von über 250 erhaltenen Handschriften in mehreren Fassungen und Übersetzungen sowie 14 Inkunabeln (Drucke vor 1500) zeugen von der großen Beliebtheit dieses kritisch-moralischen Werkes im späten Mittelalter. Die SLUB verfügt über zwei lateinische, eine französische und die vorliegende deutschsprachige Handschrift in bairischer Schreibsprache. Diese ist bebildert mit 12 einfarbig lavierten Federzeichnungen, dazu gehören König, Königin, Richter, Ritter, Bauer, Schmied, Zimmermann, Wollarbeiter, Metzger, Schreiber, Kaufmann, Arzt, Gastwirt, Amtmann, Verschwender, Spieler und Bote.

Provenienz: Aus der 1764 angekauften Bibliothek des Grafen Heinrich von Bünau (1697-1762).

Ausführliche Beschreibung: http://www.manuscripta-mediaevalia.de/dokumente/html/obj31600049

›Dresdner Heldenbuch‹

Papier • Franken • 1472 / um 1472–1480

Signatur: Mscr.Dresd.M.201

Als Heldenbücher werden spätmittelalterliche Sammlungen von Heldenepen aus dem Sagenkreis um die Nibelungen, Dietrich von Bern, Wolfdietrich und Ortnit bezeichnet. Das Dresdner Heldenbuch enthält als umfangreichstes seiner Art 9 teilweise gekürzte strophische Epen aus dem 13. Jahrhundert sowie einen Versroman aus dem 12. Jahrhundert und die nur in dieser Handschrift überlieferte Verserzählung vom Meerwunder aus dem 15. Jahrhundert. Der Codex wurde in zwei Phasen von dem im Kolophon genannten Kaspar von der Rhön aus Münnerstadt in Unterfranken und einem anonymen Schreiber in ostfränkischer Schreibsprache geschrieben. Von den ganzseitigen kolorierten Federzeichnungen (meist Kampfszenen) zu Beginn der einzelnen Texte sind 10 erhalten geblieben (wobei das erste aus einer anderen Handschrift stammt).

Provenienz: 1748 von Johann Christoph Gottsched (1700–1766) aus der Bibliothek des Nürnberger Universalgelehrten und Stadtarztes Gottfried Thomasius (1660–1747) erworben; aus Gottscheds Besitz in die Bibliothek der von ihm begründeten „Gesellschaft der freyen Künste“ in Leipzig gelangt und 1793 von der Kurfürstlichen Bibliothek zu Dresden erworben.

Ausführliche Beschreibung: http://www.manuscripta-mediaevalia.de/dokumente/html/obj31603871

Augustin von Hammerstetten: ›History vom hirs mit dem guldin ghurn und der fürstin vom pronnen‹ (Autograph)

Papier • Torgau • 1496

Signatur: Mscr.Dresd.M.279

Der im Kolophon genannte Schreiber Augustin von Hammerstetten (urkundlich bezeugt 1462–1500) ist zugleich der Autor der nur in dieser Handschrift überlieferten „Geschichte vom Hirsch mit dem goldenen Geweih und der Fürstin vom Brunnen“ in ostschwäbischer Schreibsprache. Darin geht es um einen Edelmann, der im Traum einen Hirsch mit goldenem Geweih jagt und dabei einer schönen Frau an einem Brunnen begegnet, die über ihre erzwungene Ehe mit einem zahnlosen Alten sehr betrübt und untröstlich ist. Einige Tage danach erlebt er den Traum in Wirklichkeit. Die Frau offenbart sich als Fürstin und stellt die Treue des hilfsbereiten Edelmannes auf die Probe, indem sie ihn auf eine Pilgerreise ins Heilige Land schickt. Bevor die spröde Fürstin ihm nach seiner Rückkehr endgültig ihre Gnade und Liebe gewährt, muss er sich noch als fahrenden Ritter an Fürstenhöfen bewähren. Einiges spricht dafür, dass sich hinter dem Edelmann der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise und die polnische Prinzessin Elisabeth (1482–1517) verbergen.

Provenienz: Erstmals verzeichnet im Bibliothekskatalog von 1574–1580.

Ausführliche Beschreibung: http://www.manuscripta-mediaevalia.de/dokumente/html/obj31600848