Wissen und Welt
„Beobachte aufmerksam, was du liebst, was du fürchtest und aus welchem Grund du dich freust oder traurig bist.“
Bernhard von Clairvaux
„Narde, Krokus, Gewürzrohr und Zimt, alle Weihrauchbäume, Myrrhe und Aloe, allerbester Balsam.“
Hohelied 4,14
Im Kloster St. Marienthal gibt es eine große Bibliothek. Dort werden viele Bücher für das geistliche Leben aufbewahrt. Aber auch Bücher über die Welt außerhalb des Klosters sind dort zu finden. Besonders wichtig war das Wissen über Kräuter und Medizin. Die Nonnen hatten oft eine gute Bildung. Sie beschäftigten sich im Kloster mit verschiedenen Themen und erweiterten ihr Wissen.
Bildung, Wissenschaft und intellektuelles Leben spielten in den zisterziensischen Gemeinschaften von Beginn an eine große Rolle. Das spiegelt sich auch im Buchbestand der St. Marienthaler Bibliothek. Wenngleich der größere Teil der Bücher dem liturgischen Stundengebet, der gemeinschaftlichen und privaten Lektüre sowie der Predigt, Erbauung und dem Gebet dienen, verfügt die St. Marienthaler Bibliothek zumal für ein Frauenkloster über einen beachtlichen Bestand an Werken nicht-geistlichen Inhalts unterschiedlicher Wissensgebiete. Dies unterstreicht sowohl das hohe Bildungsniveau der St. Marienthaler Nonnen wie auch die politische, wirtschaftliche und religiöse Stellung des Klosters. Schwerpunkte liegen dabei auf Philosophie, Recht, Naturlehre und Medizin, Wirtschaft und Haushaltung, Politik, Kirchengeschichte sowie Profangeschichte und Geographie. Bücher von und über Frauen insbesondere der Mystik und aus dem Bereich der Heiligenverehrung, zu Themen wie Gartenbau, Kräuterkunde und Apotheke sowie Krankenpflege bedienen spezifisch frauenklösterliche Interessen.
Systematische Darstellung der Mengenverteilung der St. Marienthaler Bücher nach Sachgebieten nach Raimund Patzelt
Catalog der Werke u. Schriften in der Convent-Bibliothek zu Kloster St. Marienthal
Raimund Patzelt

Der vom Pfarrer Raimund Patzelt handgeschriebene Katalog erfasst den Bestand der Klosterbibliothek bis in das Jahr 1866, geordnet nach 18 Sachgebieten. Ergänzungen stammen von der Äbtissin Agnes Hein (Amtszeit 1849–1856) und der Schwester Margarethe. Die Beilagen aus dem 20. Jahrhundert verzeichnen u.a. den Bestand auf der Galerie des Bibliothekssaals und ungebundene Druckschriften.
An den Seiten einer der zwei Fensternischen wurden bei Einrichtung der Bibliothek Regale eingebaut, die Setzkästen ähnlich sind. Sie enthalten vor allem Muscheln und Schneckenhäuser. Solche Conchiliensammlungen besaßen viele Klöster. Dass sie nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern wohl auch zoologischen Interessen dienten, lässt ihre Aufbewahrung in der Bibliothek erahnen. Wie die in der Bibliothek vorhandenen naturkundlichen Bücher wurden sie offenbar als Wissensspeicher aufgefasst.
Sonderbahre Kirchen- Staat- u. Welt-Sachen
Markgräfin Erdmuthe Sophia von Brandenburg-Bayreuth
Erdmuthe Sophia war Tochter des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. und Ehefrau des Markgrafen Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth. Obwohl 1670 bereits mit 26 Jahren verstorben, gehörte sie zu den gebildetsten Frauen ihrer Zeit. Sie wurde u.a. vom Dresdener Oberhofprediger Jacob Weller von Molsdorf in Religion, Fremdsprachen, Geschichte und Mathematik ausgebildet. Sie beschäftigte sich mit Kirchen- und Verfassungsgeschichte und dichtete Kirchenlieder. In Bayreuth unterhielt sie ein Geschichtskolleg. Das Werk erschien unter diesem Titel nach dem Tod der Verfasserin als neue Ausgabe. Das Titelporträt stammt vom Kupferstecher Jacob von Sandrart.
Magia naturalis, Hauß- Kunst und Wunder-Buch
Johann Baptist Porta
Die frühneuzeitliche Tradition der Magia naturalis („Natürliche Magie“) fasst die Natur als Frau, Mutter und Himmelskönigin auf und hat damit Ähnlichkeiten mit der Gottesmutter Maria. Die Erforschung und Anwendung der Natur und ihrer Heilkräfte stehen somit auch im Zusammenhang mit spezifisch weiblicher Spiritualität. Das aufgeschlagene Kapitel behandelt u.a. die Pflege von Obstbäumen sowie die Ernte und Haltbarmachung von Früchten.
Beschreibung des gantzen Welt-Kreisses. Das erste Buch
Allain Manesson-Mallet
Das fünfbändige kosmographische Werk des französischen Kartographen Manesson-Mallet erschien 1684/1685 erstmals auf Deutsch bei dem bedeutenden Verleger Johann David Zunner in Frankfurt am Main. Dieser Band gehörte 1798, ein Jahr vor ihrem Tod, der Äbtissin Maria Theresia Hrzán von Harras. Auf den Titelblättern ist vermerkt: M.T. .H. A: in M.T 1798. Möglicherweise erhielt sie das Werk zum persönlichen Geschenk oder erwarb es auf dem Buchmarkt. Die Äbtissin war eine böhmische Reichsgräfin und Schwester des Kurienkardinals Franz Hrzán von Harras. 1784 wurde sie zur Äbtissin gewählt.
Die Alten Jüdischen Heiligthümer
Johannes Lundius
Das Porträt zeigt den Verfasser, rechts symbolisch die Aufzeichnungssituation durch Beobachtung. Lundius war zwar ein geschätzter evangelischer Theologe hoher Gelehrsamkeit, hat das Heilige Land aber nie selbst bereist. Die Kupferstiche sind frühe Arbeiten des später in Stargard/Pommern wirkenden Johann Wilhelm Michaelis (1665–1737). Das Werk enthält viele weitere Abbildungen von seiner Nadel. Wie Lundius hat er das Dargestellte nie mit eigenen Augen gesehen.










