Musik zur Erbauung, Feier und Repräsentation
„Flora: Geliebte Schwester, laß dich küssen. Heil dir in diesem Jungfraun Thal! Ach lasse mich mit dir genüssen, Das Glück in diesem Blumensaal!“
aus der Operette "Danck und Ehren Kranz"
Auch außerhalb der Gottesdienste war Musik im Kloster St. Marienthal wichtig. Es gab viele Noten für Kammermusik und Orchestermusik. Die Nonnen spielten selbst Instrumente, viele Noten gehörten ihnen persönlich. Musik wurde auch zu besonderen Anlässen gespielt, z. B. Geburtstagen, Jubiläen oder der Wahl der Äbtissin. Diese Stücke wurden extra dafür geschrieben, manchmal von Komponisten aus der Gegend oder vielleicht sogar von den Nonnen selbst.
Unabhängig von der Nutzung von Musik in liturgischen Kontexten spielte das Musizieren zur Erbauung eine große Rolle. Im St. Marienthaler Notenbestand liegen umfangreiche Stimmenmaterialien zu Klavier-, Kammer- und Orchestermusik vor. Sie veranschaulichen, auf welchem Niveau die Nonnen ihre Instrumente beherrschten und welche musikalische Bildung sie erhalten hatten. So finden sich im Repertoire Solokonzerte unter anderem für Violine, Cembalo und Orgel. Viele der Noten tragen Besitzvermerke der Schwestern. Neben der Erbauung nutzte man Musik, um besondere Ereignisse auszugestalten. So existieren mehrere Gratulationskantaten unter anderem zu 50. Geburtstagen, anlässlich eines 50-jährigen Jubiläums des Klostereintritts (Profeßanniversarium) und zum Wahltag der Äbtissin. Die zu den jeweiligen Gelegenheiten neu verfassten Werke sind entweder lokalen Komponisten zugeschrieben oder anonym überliefert – in einzelnen Fällen ist eine Autorschaft einer der Nonnen nicht auszuschließen.
