Musik für Messen und Stundengebete

 

„Sie vervielfachten den Lobgesang und die Verherrlichung der Heiligen Göttlichkeit, indem sie durch Musik die Seelen zur Andacht lenkten.“
Liber Scriptus St. Marienthal

 
Die geistliche Musik im Kloster begleitet die Messen und Gebete. Viele Messen sahen einen gemischten Chor mit Orchester vor, oft mit Streichern, Trompeten und Pauken. Für die Stundengebete gab es kleinere Stücke meist nur für Frauenstimmen und Streicher. Die Musiksammlung zeigt Einflüsse aus Böhmen und Österreich. Ab 1891 wurde im Kloster wieder mehr der traditionelle Choralgesang gepflegt.

Die im Kloster St. Marienthal überlieferte geistliche Musik diente der Ausgestaltung von Messen und Stundengebeten. Zum Bestand gehören zahlreiche Messvertonungen mit den textlich konstant bleibenden Sätzen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei. Die Werke sind fast alle für gemischten Chor (wohl Frauen- und Männerstimmen) besetzt. Das begleitende Orchester besteht häufig aus Streichern, Trompeten und Pauken. Inwieweit hier Nonnentrompeten zum Einsatz kamen, muss offenbleiben.
Ebenso liegt das kirchenjahreszeitlich wechselnde Repertoire vor, in dem die Musik zu Marienfesten eine besondere Rolle spielt. Die Werke sind in der Regel kleiner besetzt als die Messvertonungen und verwenden häufig nur Frauenstimmen mit reiner Streicherbegleitung. Der zusammengetragene Bestand ist deutlich durch enge Verbindungen nach Böhmen geprägt. Ebenso kamen zahlreiche Musikalien aus Wien und dem weiteren österreichischen Raum in die Notensammlung.
Wann der seit dem Mittelalter gepflegte Choralgesang in St. Marienthal durch mehrstimmige und vokal-instrumental besetzte Kirchenmusik ergänzt oder abgelöst wurde, kann anhand der überlieferten Musikalien nicht rekonstruiert werden. Unter der Äbtissin Anna Maria Novak (1883–1896) wurde der groß besetzten gottesdienstlichen Musikpflege ein Ende gesetzt. 1891 wurde erstmals wieder eine vollständige Choralmesse nach dem Zisterzienser-Graduale gesungen.

Caecilien-Messe A-Dur, op. 62

Franz Schöpf (1836–1915)

Cassatio C-Dur

Anonym

Bei einer Cassatio handelt es sich um ein Werk, das aus mehreren Tanzsätzen besteht. Die Stimmen wurden von verschiedenen Personen erstellt. Einer der Schreiber vermerkt auf dem Titelblatt Descripta in Amorem Venerabilis Domine Aplonia Vogtin Abbatissa („Abgeschrieben in Zuneigung zur verehrten Frau Äbtissin Apollonia Vogtin“). Apollonia Voigt (1751–1801) war seit 1800 Äbtissin im Kloster St. Marienthal. Die Widmung veranschaulicht, welche Wertschätzung die weltliche Musik im Kloster genoss.

Quartett B-Dur, Nr. 1

Joseph Haydn

Der Stimmensatz zum Streichquartett B-Dur, Nr. 1 von Joseph Haydn (1732–1809) liegt gleich in vierfacher Ausführung vor. Die einzelnen Sets, die von verschiedenen Händen geschrieben wurden, sind vermutlich auf unterschiedlichen Wegen ins Kloster gekommen. Eine Vorbesitzerin war Karolin Stranski. Die große Stimmenanzahl kann darauf hindeuten, dass das Werk, wie im 19. Jahrhundert durchaus üblich, in Mehrfachbesetzung musiziert wurde.

Danck und Ehren Kranz. Operette aufgeführt am glorreichen Wahl-Tage lhro Hochwürd. u. Gnaden der Frauen Frauen Abbatissin Laurentiae im Jahr 1810, den 10ten December ...

Anonym

Laurentia Knothe (1765–1827) wurde am 10. Dezember 1810 zur Äbtissin des Klosters St . Marienthal gewählt. Aus diesem Anlass entstand das anonym überlieferte Werk Danck und Ehren Kranz, das insbesondere die Wertschätzung und Dankbarkeit gegenüber der neuen Würdenträgerin zum Ausdruck bringt. Die Szene spielt in „Mariens Jungfrauen Thal“ und thematisiert besonders die Schönheit der dortigen Landschaft und die Stimmung in der Natur. Die Komposition wird als „Operette“ im Sinne einer kleinen Oper bezeichnet und nutzt die üblichen Satztypen: instrumentale Einleitung, Rezitativ, Arie, Duett, Chor. Inwieweit das Werk szenisch dargeboten wurde, lässt sich anhand der überlieferten Materialien nicht rekonstruieren.

Kantate ... zum Wahltags-Gedächtnis Ihrer Hochw. u. Gnad. der Frau Laurentiae Knothin würdigsten Abbatissin u. Domina. Anno 1812

Joseph Klauss

Für das Wahltagsgedächtnis von Laurentia Knothe im Jahr 1812 legte der in Seitendorf bei Zittau lebende Musikliebhaber Joseph Klauss (1775–1834) eine Gratulationskantate für vier Singstimmen, Chor, Streicher sowie zwei Trompeten und Pauken vor. In den Stimmen wird explizit auf Marientrompeten verwiesen.

Concerto G-Dur

Giovanni Giornovichi

Der italienisch-kroatische Violinvirtuose und Komponist Giovanni Giornovichi (1747–1804) wurde in seiner Zeit auf höfischen und städtischen Bühnen europaweit gefeiert. Ebenso schnell wie sein Ruf als Geiger verbreitete sich seine Musik in Handschriften und Drucken. Vorliegendes Konzert wurde unter anderem bei Johann Julius Hummel in Berlin und Amsterdam verlegt. Der Druck war vermutlich die Vorlage für  die St. Marienthaler Abschrift. Das Manuskript stammt aus dem Besitz von Caecilia Heger (nachgewiesen im Nekrologium St. Marienthal mit Todesjahr 1819). Es erscheint naheliegend, dass sie den Violinpart selbst spielte und dabei von ihren Mitschwestern begleitet wurde.

In den 193oer Jahren geschnürte Noten-Pakete