Kriege, Flut und Feuer
„Mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht hinweg.“
Hohelied 8,7
Trotz zahlreicher Katastrophen und Bedrohungen hat das Kloster St. Marienthal seine Tradition und Gemeinschaft bewahren können. Brände, Überschwemmungen, finanzielle Belastungen und politischer Druck haben über Jahrhunderte dem Kloster zugesetzt. Die aktuellen Herausforderungen durch den Klimawandel und finanzielle Engpässe stellen heute und in Zukunft eine ernste Gefahr dar.
Das Kloster St. Marienthal blickt auf eine fast 800-jährige Geschichte zurück, die von zahlreichen Katastrophen und Herausforderungen geprägt ist. Brände, Überschwemmungen und politische Konflikte bedrohten immer wieder die Existenz der Gemeinschaft, zerstörten die Klosteranlage oder zwangen die Nonnen zur Flucht. Nicht selten mussten die Äbtissinnen finanziellen und politischen Forderungen nachgeben. Kriegsanleihen zwangen das Kloster wiederholt, wertvolle Besitzungen zu verkaufen oder zu verpfänden. Politischer Druck bedrohte die Gemeinschaft besonders im 19. und 20. Jahrhundert. Unter der Herrschaft des Nationalsozialismus wurde das Kloster teilweise beschlagnahmt und umfunktioniert. Die angedrohte Sprengung der Gebäude konnte nur knapp abgewendet werden. Heute ist das Kloster vor allem durch den Klimawandel bedroht. Extremwetterereignisse wie der Starkregen von 2010 häufen sich und setzen der Klosteranlage stark zu. Die finanziellen Mittel der Gemeinschaft sind durch die wiederholten Schäden erschöpft, was ihre Zukunft zusätzlich belastet.
Sr. Eugenia und Verwundete im Großen Krankenzimmer
Unter der Herrschaft des Nationalsozialismus wurde ein Teil der Klostergebäude beschlagnahmt. Die 100 Jahre zuvor gegründete Mädchenschule und das Waisenhaus mussten schließen. Ein NSDAP-Mitglied wurde als Betriebsführer eingesetzt, gegen den das Kloster wegen Veruntreuung vergeblich die Gerichte anrief. Zunächst wurde die Hitlerjugend einquartiert, später ein Kriegslazarett eingerichtet, das zeitweise bis zu 400 Verwundete behandelte. Die Schwestern wurden zur Versorgung und Pflege der Verletzten verpflichtet.
Film zum August-Hochwasser 2010 im Kloster St. Marienthal
Annales Sittavienses (Annalen der Stadt Zittau, wie auch der Zittauer Geschichte, Städte der Oberlausitz …)
Gottfried Mönch, Abraham Frenzel
Die handgeschriebene Chronik von Zittau wurde 1702 von dem Leinwandhändler und Chronisten Gottfried Mönch (1668–1740) begonnen und vom Zittauer Theologen und Historiker Abraham Frenzel (1656–1740) fortgeführt. Hier berichtet die Chronik von einem Brand 1542, der im Kloster bei der Herstellung von Kerzen ausgebrochen war und die Konventsgebäude teilweise zerstörte. Eine Laienschwester kam dabei zu Tode. Der Lutheraner Frenzel war den St. Marienthaler Klosterfrauen offenbar zugetan. Als er 1740 starb, fiel ihnen seine Bibliothek als Erbe zu. Viele Bücher tragen den Besitzvermerk und handschriftliche Anmerkungen Frenzels.
Instruction, und Unterricht, wie sich ein Soldat … in einem und anderen verhalten solle
Christoph Strauch von Blumenthal
In der Klosterbibliothek finden sich auch Bücher, die man eher nicht mit einer Gemeinschaft geistlich lebender Frauen in Verbindung bringen würde. Durch seine wichtige wirtschaftliche und politische Rolle in der Region war das Kloster und seine Besitzungen in Kriegszeiten dauernd in Gefahr. Der Bedarf an weltlichem Wissen war entsprechend groß. So enthält der Bestand unter anderem auch Texte über die politischen und militärischen Aufgaben von Staatsministern, Hofmeistern und Soldaten.
Mechanischer verbesserter Wind- Regen- und Trockenheitsbeobachter
Christian Gotthold Herrmann
Die Betätigung in Landwirtschaft und Gartenbau machte es notwendig, dass sich die Klosterfrauen mit Wetter- und klimatischen Gegebenheiten auseinandersetzten. Auch die Überflutungen der Neiße, Kälte- und Trockenperioden, speziell des 18. Jahrhunderts, bedrohten die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität der Gemeinschaft immer wieder. Mit dem in diesem Buch beschriebenen Gerät ließen sich Wetterereignisse aufzeichnen. Die Tafel zeigt ein meteorologisches Observatorium, in dem Anzeiger für Windrichtung und -stärke, Trockenheit und Regenmenge in einer Apparatur gemessen werden konnten.






