Die Zisterzienserinnen von St. Marienthal

 

„Im Jahr des Herrn 1234 senkte Königin Kunigundis im Einverständnis mit Wenzel I., dem vierten König der Böhmen, unter Zustimmung ihrer Kinder das Pflanztum ein. Die Freigebigkeit der Wohltäter hat es bewässert. Gott aber gab das Wachstum.“
Lateinische Inschrift am Hauptportal des Klosters St. Marienthal

„Wie eine Lilie unter Disteln, so ist meine Freundin unter den Töchtern.“
Hohelied 2,2

 

 

Lange dachte man, dass Königin Kunigunde und König Wenzel I. von Böhmen das Kloster St. Marienthal in der Lausitz im Jahr 1234 gegründet hätten. Doch man weiß inzwischen, dass die Burggrafen von Dohna die Stifter waren. Das böhmische Königspaar aber hat das Kloster früh mit wertvollen Geschenken unterstützt, zum Beispiel mit ganzen Dörfern. Das Kloster war über 500 Jahre dem Bischof von Prag unterstellt.

1234 stiftete das Königspaar Kunigunde und Wenzel I. von Böhmen dem bereits bestehenden zisterziensischen Jungfrauenkloster St. Marienthal für das Seelenheil seiner Familie den Ort Seifersdorf mit allem Zubehör. Der Konvent wurde schon damals von einer Äbtissin geleitet, war aber einem Weisungsabt eines Männerklosters zur Visitation (Kontrolle) unterstellt, der die Einhaltung der Ordensregel, die Seelsorge und die wirtschaftliche Verwaltung überwachte. Die Aufgabe übernahm zunächst der Abt des Zisterzienserklosters Altzelle, dessen Mönche auch als Zeugen für die Schenkung auftraten. Ursprünglich war das Kloster vermutlich eine Gründung der Burggrafen von Dohna. Aus ihrer Familie stammte die erste Äbtissin Adelheid. Auch die übrigen Nonnen gehörten den umliegenden Adelshäusern an. Zunächst dem Bistum Meißen zugehörig, weihte jedoch der Prager Bischof 1244 das neue Kloster und verlieh die Reliquien. Im Jahr darauf bestätigte Papst Innozenz IV. die Zugehörigkeit zum Bistum Prag, was bis 1783 gelten sollte. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts kam St. Marienthal durch Kauf oder Stiftung in den Besitz von mindestens 13 Dörfern mitsamt Wäldern, Äckern und Gärten, die ihm Einkünfte und wirtschaftliche Versorgung garantierten.

Karte zisterziensischer Klöster zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert

Die Karte lokalisiert die zisterziensischen Männer- und Frauenklöster in Sachsen zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Es überwogen die Frauengemeinschaften, was auch dem Verhältnis der zisterziensischen Klöster in ganz Europa entsprach. In der Folge der Hussitenkriege (1419–1434) und der Reformation bis zum Augsburger Religionsfrieden (1517–1555) wurden die meisten Klöster zerstört oder aufgegeben. Bis heute ununterbrochen besiedelt sind in Sachsen nur die Zisterzienserinnenklöster St. Marienthal (seit ca. 1230) und St. Marienstern (seit 1248).

Kloster St. Marienthal und seine Stiftsdörfer

Das Bild zeigt die Klosteranlage von Westen mit Propstei, Abtei und Konventsbau. Gewidmet wurde es der Äbtissin Theresia II. Senfftleben vom Propst P. Joseph Maletz aus dem Zisterzienserkloster Plaß/Plasy (bei Plzeň). Die Amtszeit der Äbtissin, 1737 bis 1753, wurde dem Bild erst nachträglich hinzugefügt.

Epitome Historiae Rosenthalensis

Jacobus Xaverius Ticinus

Die Klöster von St. Marienthal (zuerst erwähnt 1234) und St. Marienstern (gegründet 1248) sind die ältesten ohne Unterbrechung bestehenden Konvente der Zisterzienserinnen im deutschen Sprachraum. Enge ökonomische und soziale Beziehungen verbinden die beiden Gemeinschaften von Anfang an. Der Holzschnitt zeigt die Abbildung der 1629 durch die Äbtissin Dorothea Schubart erneuerten Grabplatte für die Gründer des Klosters St. Marienstern aus der Familie der Herren von Kamenz: Bernhard III. von Kamenz, späterer Bischof von Meißen, und Ritter Heinrich von Kamenz.

Neueröffneter Ehren-Tempel Merckwürdiger Antiquitaeten des Marggraffthums Ober-Lausitz

Johann Benedict Carpzov

Carpzov (1675–1739), Historiker und Zittauer Bürgermeister, widmet sich hier der Geschichte des Zisterzienserordens. Unter anderem wird Bernhard von Clairvaux die Gründung des ersten Frauenklosters für seine Mutter oder Schwester zugeschrieben. Tatsächlich wurde die Abtei Tart 1132 von Arnoul Cornu und seiner Frau Emeline gestiftet. Auch zu den Umständen der Gründung von St. Marienthal zitiert Carpzov verschiedene Quellen mit unterschiedlichen Ansichten.

Über eine Urkunde zu einem Streit um Besitzungen zwischen den Klöstern St. Marienstern und St. Marienthal

Siegel der Urkunde Nr. 63

Die Siegel gehören dem Abt Franziskus von Altzelle, der Stadt Görlitz und der Stadt Zittau (von links nach rechts).

Lausitzische Merckwürdigkeiten Darinnen Von Beyden Marggraffthümern in fünff unterschiedenen Theilen

Samuel Großer

Die Karte zeigt die Oberlausitz mit dem Oberlausitzer Sechsstädtebund, der von 1346 bis 1815 bestand. Links oben sind die Wappen in der seit 1680 geltenden Rangfolge dargestellt und gruppiert um das Oberlausitzer Wappen: Bautzen, Görlitz, Zittau, Lauban, Kamenz und Löbau. Die Stelle, an der das Kloster St. Marienthal liegt, zeigt deutliche Fingerspuren, vermutlich vom häufigen Zeigen. Der Name des nah bei Marienthal und Ostritz eingezeichneten Dorfes Cunnersdorf ist handschriftlich zu Rennersdorf korrigiert und die richtige Lage von Cunnersdorf ergänzt.