Weltlinien der Schrift. Der Maya-Codex und eine Torah für Dresden

Die von Jahna Dahms kuratierte Ausstellung begleitet das in Europa einmalige öffentliche Schreiben einer Torah, das seit August 2025 in einem Schreibpavillon vor dem Stadtmuseum Dresden stattfindet, und ist Teil des jüdischen Kulturjahres „Tacheles“. Eine Ausstellung der SLUB in Kooperation mit dem Stadtmuseum Dresden und der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden.

In der Ausstellung begegnen sich zwei sehr unterschiedliche Bücher: die Torah-Rolle und der Maya-Codex. Sie gehören zu den eindrucksvollsten Schriftzeugnissen ihrer Kulturen. Kulturell weit voneinander entfernt, geben sie im Dialog Aufschluss über grundlegende Fragen: Wie ordnet Schrift Zeit? Wie bewahrt sie Erinnerung und weist in die Zukunft? Wie hilft sie, Welt zu verstehen?

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen das Schreiben als lebendige, regelgebundene Praxis und die Materialität der Schrift. Gezeigt werden neben Teilen der neu geschriebenen Torah und der Maya-Handschrift auch eindrucksvolle Judaica aus den Sammlungen der SLUB, unter anderem eine Machsor-Handschrift aus dem 13. Jahrhundert sowie eine Haftara-Rolle und ein reich verzierter Torah-Wimpel aus dem 18. Jahrhundert.

Kontakt und Öffnungszeiten

Buchmuseum und Schatzkammer
SLUB Zentralbibliothek, 2. Etage
Zellescher Weg 18
01069 Dresden

Anfahrt

Ansprechpartnerin: Dr. Edith Schriefl 
Tel.: +49 351 4677-580 
Fax: +49 351 4677-733
E-Mail: Buchmuseum[at]slub-dresden.de

Öffnungszeiten des Buchmuseums
Montag - Samstag 12 bis 18 Uhr

An Sonn- und Feiertagen geschlossen. Bitte beachten Sie auch die Schließtage der Zentralbibliothek

Eintritt frei

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Torah, Machsor und Haftarah: Jüdische Kultur anhand zentraler Schriftzeugnisse

Die Ausstellung setzt die neu entstehende Torah für Dresden in Beziehung zu historischen hebräischen Handschriften aus den Sammlungen der SLUB und zum Maya-Codex. Anhand zentraler Schriftzeugnisse wie Torah, Machsor und Haftarah erfahren Besucherinnen und Besucher Wissenswertes zur jüdischen Kultur und religiösen Praxis in Vergangenheit und Gegenwart. Als Herzstück des jüdischen Kanons spielt die Torah in der Ausstellung eine wichtige Rolle. Zu sehen ist eine historische Torah aus dem 18. Jahrhundert, die Abschnitten der neu entstehenden Torah gegenübergestellt wird, an der Joshua Dias anlässlich der Ausstellungseröffnung live schreiben wird. Im jüdischen Gottesdienst folgt auf die Torahlesung zu bestimmten Anlässen eine Lesung aus den Prophetenbüchern der hebräischen Bibel, die Haftarah. In der Ausstellung wird eine Haftarah-Rolle aus dem 18. Jahrhundert präsentiert. Darüber hinaus können Besucherinnen und Besucher an einer Hörstation den gezeigten Textpassagen auch in traditionell gesungener Form lauschen.

Erstmals seit Langem wird als eines der Spitzenstücke der SLUB eine Machsor-Handschrift – das Festgebetbuch des jüdischen Jahres – aus dem 13. Jahrhundert wieder im Original gezeigt. Sie gehört zu den wenigen erhaltenen großformatigen und reich illuminierten historischen Festmahsorim – für die Forschung ein bedeutendes Zeugnis jüdischer Liturgie und Buchkunst im mittelalterlichen Aschkenas, wie das Judentum im deutschsprachigen Raum genannt wurde.

Kuratorin Jahna Dahms erläutert zur Ausstellungsidee: „In einer Zeit, in der der Blick häufig auf Unterschiede gerichtet ist, halte ich es für wichtig, die universellen Erfahrungen des Menschseins sichtbar zu machen, die uns über Kulturen, Religionen und Epochen hinweg verbinden. Der Maya-Codex und die Torah-Rolle zeigen, dass Menschen an unterschiedlichen Orten ähnliche Fragen nach Ursprung, Zeit, Ordnung und ihrer Stellung in der Welt gestellt haben. Die Ausstellung, die auch aus dem Projekt ‚Eine Torah für Dresden‘ entstanden ist, lenkt den Blick bewusst auf diese Gemeinsamkeiten. Mein herzlicher Dank gilt der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden und dem Stadtmuseum Dresden für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, ohne die dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre.“

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