Oper als Spielbetrieb

Professionalisierung zwischen Vision und Realität

Wir ehren das angefangene Gebäude und werden es noch mehr ehren, wenn es den Grad der Vollkommenheit erreicht haben wird, zu welchem jetzt noch die Materialien fehlen.

Allgemeine musikalische Zeitung 21/6 (21. Februar 1819), Sp. 91-94.

Immer wieder stößt Carl Maria von Weber in Dresden bei der Umsetzung seiner künstlerischen Vorstellungen an Grenzen. Sein größter Kritikpunkt gilt dem aus seiner Sicht unzureichenden sängerischen Personal.

Zu Beginn stehen ihm tatsächlich im Normalfall keine professionellen Sängerinnen und Sänger zur Verfügung. Er muss für deutschsprachige Opernaufführungen auf Schauspieler des Hoftheaters zurückgreifen – „theils Anfänger“ im Gesang. In einem „Versuch eines Entwurfes, den Stand einer deutschen Opern Gesellschaft in tabellarische Form zu bringen“ (1817) ordnet Weber sie je nach Können bestimmten Charakterrollen zu.

Trotz aller, auch öffentlicher, Klagen begegnet er dem Problem vor allem mit intensiver Probenarbeit, was schließlich auch in der Presse gewürdigt wird.

Die gezeigten Kostümentwürfe stammen aus Schauspielen und Opern, die während Webers Zeit in Dresden zur Aufführung gelangten. Sie konnten 2024 von der SLUB erworben werden.

Oper als Schmelztiegel der Künste

Weber treibt in Dresden die Professionalisierung des Theaterbetriebs mit wesentlichen Neuerungen voran. Er gründet den Opernchor – zuvor sangen Kruzianer die Frauenstimmen –, sorgt für einen „Tanzmeister“, führt das Dirigat mit Stab ein und kämpft um eine neue Sitzordnung des Orchesters. Der Grundgedanke der von ihm etablierten neuen Anordnung gilt bis heute, auch wenn der genaue von Weber verwendete Sitzplan nicht in allen Einzelheiten klar ist: Alle Orchestermitglieder haben nun Blickkontakt zum Dirigenten (sie saßen bislang teils in Webers Rücken und spielten aus seiner Partitur), Streicher und Bläser werden geordnet und getrennt. Die skizzierte Darstellung entspricht damit nicht der historischen Realität - sicher erkennen Sie auch Abweichungen zur heute üblichen Anordnung.

Alle Überlegungen Webers folgen einem Ziel: als Dirigent ordnend eingreifen und die gesamte Produktion überblicken zu können.Die Neuerungen in Dresden sind zwar nicht einzigartig, sondern werden nach und nach in vielen Städten eingeführt. Doch sie folgen Webers Vorstellung von der Oper als Gesamtkunstwerk, als Schmelztiegel verschiedener Künste – ein Ideal, dem er sich in Freischütz und Euryanthe auch kompositorisch annähert.

Kein "Freischütz" für Dresden?

Als Opernkomponist steht Carl Maria von Weber zu seiner Dresdner Wirkungsstätte in einem komplizierten Verhältnis: Er schreibt keine Oper für die Uraufführung an der Dresdner Bühne. Ein Grund dafür ist die unzureichende Qualität des Sängerpersonals.

[…] leider sehe ich den Untergang alles deßen voraus, was ich seit 4 Jahren mühselig erbaut, kämpfend errungen habe. Wir verliehren wahrscheinlich Gerstäkker - man möchte gar zu gerne die deutsche Oper wieder zu einem Schattengleichen Beyläufer der ital: machen. ehe es dazu komt wünsche ich lieber ihre gänzliche Auflösung. Dann habe ich Ruhe. Doch genug von diesem unangenehmen. […]

Der allerhöchste Hof hat sich wiederholt geäußert, sehr befremdet zu sein, daß noch keine Oper von mir in Dresden gegeben sei. Ich kann nicht länger es abwehren u. muß Silvana geben, die ich sehr gut besetzen kann, bis auf Silvana selbst.

1821 - Keine "Silvana" für Dresden

Ein erster (von Weber nur widerwillig angesetzter) Versuch, 1821 die bereits durch Secondas Truppe vorgestellte Silvana aufzuführen, wird nicht umgesetzt. Die auf dem erhaltenen Stimmmaterial vermerkten Sängernamen lassen erkennen, dass die erste Aufführung der Silvana am Hoftheater schließlich erst nach Webers Tod (1855) stattfindet.

1822 - Der "Freischütz" für Dresden

Als erste Dresdner Aufführung einer eigenen Oper bringt Weber 1822 schließlich den Freischütz auf die Bühne – allerdings erst ein Jahr nach der Berliner Uraufführung. Von der Erstaufführung liegt der Programmzettel vor. Das Aufführungsmaterial ist dagegen nicht erhalten.

Georg Wilhelm Wilhelmi spielt in der Freischütz-Aufführung 1822 den Ottokar. Bemerkenswert, denn Weber hatte den Schauspieler anfangs eher für weniger singlastige „SpielRollen hauptsächlich bei französ. Opern“ vorgesehen.