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Nachlass Theodor Blumer (1881 — 1964)

„Berühmt geworden ist Theodor Blumer durch die frische und unbekümmerte Musizierfreudigkeit seiner Werke für Bläser-Ensemble. Sie bilden den eigentlichen Gegenpol der Orchesterwerke. Dazu beherrscht er den Bläsersatz, technisch und klanglich, wie kaum einer in unserer Zeit.
Dies ist die Grundlage des sensationellen Erfolges seiner so unsensationellen Werke op. 34 und op. 45. Sie wurden von allen nennenswerten Bläservereinigungen aufgeführt, erklangen in ganz Deutschland, der Schweiz, Italien, Amerika;
op. 45 ist, so würde man heute sagen, 'Bläserschlager von internationaler Bedeutung' geworden.“


Prof. Dr.  Joseph Maria Müller-Blattau
SLUB: Weltpostkarte von Martin Herzfeld, Dresden 1911 

Anlässlich des 50. Todestages von Theodor Blumer am 21. September 2014 erfolgte die Katalogisierung der 356 Notenhandschriften aus dem Nachlass des Komponisten in der SLUB im RISM-Onlinekatalog.

Theodor Blumer war ein mehr in der Stille wirkender Komponist und nur zwei Zeitgenossen freundschaftlich verbunden: Carl Hauptmann, dem Bruder des Dichters Gerhart Hauptmann, und dem Musikverleger Wilhelm Zimmermann. Blumer komponierte außerordentlich vielseitig sowohl für den Konzertsaal und als auch qualitätsvolle Unterhaltungs- und Hausmusik. Die mehrjährige Zusammenarbeit als Pianist mit dem Bläserquintett der Königlichen Musikalischen Kapelle Dresden machte ihn mit der Kammermusik für Bläser bekannt. Seine Kompositionen für Bläser wurden so erfolgreich, dass sich die namhaftesten Bläservereinigungen des In- und Auslandes seiner Werke annahmen. Theodor Blumer gehört zu den Pionieren des Rundfunks. Seit 1925 engagierte er sich beim Aufbau der ersten musikalischen Sendungen, zunächst in Dresden und seit 1931 als Kapellmeister beim Reichssender Leipzig. 1941 wurden kriegsbedingt keine eigenen Rundfunkbeiträge mehr produziert. 1942 zog sich Blumer aus gesundheitlichen Gründen aus dem Musikleben zurück. Nach dem Krieg fand er keine feste Anstellung mehr in Leipzig. Eine Verbesserung seiner persönlichen Verhältnisse erhoffte sich Blumer 1952 mit der Übersiedlung nach Berlin-Charlottenburg. 1964 starb er in West-Berlin.

Wie gelangte der Nachlass in die SLUB?nach oben

Bereits 1966 kam es zwischen der damaligen Sächsischen Landesbibliothek Dresden (SLB) und der Witwe von Theodor Blumer, Frau Hildegard Blumer-Ostkamp, wohnhaft in West-Berlin, zu einer Vereinbarung. Der kompositorische Nachlass ihres Gatten wurde der SLB zur Eingliederung in das Archiv Dresdner Komponisten des 20. Jahrhunderts übereignet. Frau Blumer konnte nach eigenem Ermessen den Zeitpunkt der Übergabe bestimmen. Bis 1980 war noch keine Übergabe erfolgt. Nachdem die Bibliotheksleitung bei Frau Blumer nachfragte, kamen 1981 und 1982 die ersten Paket-Lieferungen in Dresden an. Inzwischen wurde der Postversand für Frau Blumer-Ostkamp von West nach Ost immer beschwerlicher, deshalb sprach sie persönlich in Dresden vor, um den Versand des Nachlasses neu zu verhandeln. Den Postversand übernahm nun die „Amerika-Gedenkbibliothek“ in West-Berlin, die mit der SLB Tauschvereinbarungen pflegte. 1985 äußerte Frau Blumer-Ostkamp erneut Bedenken wegen der Zollkontrolle. Man konnte sie diesbezüglich beruhigen. Die SLB besaß eine Einfuhrgenehmigung für alle Arten von Medien. Im gleichen Jahr noch kam es zum Abschluss der Lieferungen. Nach dem Tode von Frau Blumer-Ostkamp im Jahr 2001 konnten noch die restlichen Kartons mit Nachlassmaterialien und einer Büste des Komponisten der heutigen SLUB Dresden übergeben werden.

Bestände der Musikabteilungnach oben

Der kompositorische Nachlass in der SLUB umfasst 141 Kompositionsautographe, 39 Notenhandschriften und neun Kopien von Notenhandschriften. Vorhanden sind Kompositionsautographe aus der Zeit von 1907 bis 1964, darunter viele Skizzen. Etwa 30 Manuskripte verbrannten am 24. März 1944 durch einen Bombenangriff. Die Komponisten-Nummer lautet Mus.10621. Im Nachlass befanden sich außerdem 113 Notendrucke. Die Mediathek erhielt acht Tonbänder und zwei Kassetten.

Notenhandschriften

Die Grundsignatur (Komponisten-Nummer) für die Notenhandschriften lautet: Mus.10621. Die Katalogisierung erfolgte von 2013 bis 2014 in RISM.
Theodor Blumer komponierte erfolgreich Werke verschiedener musikalischer Gattungen: Kammermusik, Sinfonien, Opern, für Chor und Orchester und geistliche Musik. Unter den Kompositionsautographen befinden sich Kompositionen mit dem Text von Carl Hauptmann: „Es ist ein zauberstilles Fest“ aus dem Jahre 1919 und eine geistliche Musik  „Quempastores Laudavere“ für Knaben- oder Frauenchor und Bläser-Quintett. Interessant ist die Komposition „Hampelmanns“, ein groteskes Tanzduett für Gesang, Fagott und Klavier mit Texten von Kurt Arnold Findeisen - dem sächsischen Lyriker und Dichter, der ebenso wie Blumer bei der Mitteldeutschen Rundfunk-AG in Dresden arbeitete.

Der Tod
Text: Matthias Claudius
Komponiert am 24. Februar 1903, zum Andenken an den Sterbetag Friedrich Grützmachers (1832-1903), deutscher Cellist und Komponist.
SLUB: Mus.10621-K-535

 

Phantasiestücke für Violine mit Pianoforte-Begleitung
Gewidmet Comtesse L. von Heyden
Datiert: „Ober-Bärenburg, den 12. Juli 1911“
SLUB: Mus.10621-R-501

 

Sonate (D dur) für Violoncello und Pianoforte op.41
Herrn Prof. Georg Wille zugeeignet
Komponiert in Wladimir (Russland) in den Jahren von 1917 bis 1918
SLUB: Mus.10621-R-502

 

Es ist ein zauberstilles Fest
Für Sopran, Alt, Klavier
Text: Carl Hauptmann
Datiert: Dresden, den 4. November 1919
SLUB: Mus.10621-L-504

 

Quartett g-moll für 2 Violinen, Viola, Violoncello op.51
Erdmann Warwas, Konzertmeister der Staatsoper in Freundschaft zugeeignet
Datiert: „Vollendet den 24. Juli 1924 Dresden“
SLUB: Mus.10621-P-500

 

Quempastores Laudavere
Für Knaben oder Frauenchor und Bläser-Quintett
Datiert: 1925 - 1931
SLUB: Mus.10621-E-500

 

Hampelmanns (groteskes Tanzduett) für Gesang, Fagott, Klavier
„Das Leben ist ein Kasperstück o Mitmensch das du das nicht lernst“
Text: Kurt Arnold Findeisen
SLUB: Mus.10621-I-502

 

Werbung und Vollendung op. 79
Für eine Alt – und Bariton Stimme, Flöte, Oboe, Clarinette, Horn, Streichquartett und Klavier
Text: Stein, Walther
Datiert: 1935
SLUB: Mus.19621-G-504

 

Sonate (D moll) für Violoncello und Klavier op.99
Wilhelm Posegga zugeeignet
Am Schluß datiert: „15.1.44“
SLUB: Mus.10621-R-511

 

Notendrucke

Aus dem Nachlass stammen 113 Notendrucke, darunter Kriegsgesang für Männerchor und Orchester op. 38 mit Texten von Carl Hauptmann, entstanden während des 1. Weltkrieges im Jahr 1917, das Bläserquintett Opus 45, entstanden 1922, welches die Konzertsäle aller Länder eroberte, oder die Dresdner Impressionen aus dem Jahre 1958.

Vier Stücke op.54
Flötenstimme, datiert 1905.
Foto: Fischer, Oskar: Soloflötist im Gewandhaus-Orchester Leipzig
SLUB: 5.Mus.2.3606a            SLUB: Deutsche Fotothek, 1906


Quintett H-moll op.21

Datiert 1906
Ausgabe aus dem Besitz des Tonkünstervereins Dresden
SLUB: 3.Mus.4.1365

 


Karnevals-Episode für Orchester op.22
Datiert 1907
SLUB: 5. Mus.2.3601

 

Erlösung, Tondichtung für großes Orchester op.24
Kommentar: „Durchschlagender Erfolg der Erlösung op.24, bei der Uraufführung am 15. Januar 1910 in Chemnitz mit Kapellmeister Oskar Malata“.

 

Potpourri aus dem Musiklustspiel „Der Fünfuhrtee“ in drei Aufzügen op.29
Text: Wolters, Wilhelm
Entstanden 1911
SLUB: Lit. Germ.rec.B2813,72h  SLUB: 5.Mus.2.3615



Kriegsgesang für Männerchor und Orchester op.38
Text: Carl Hauptmann
Datiert ca. 1917
SLUB: 3.Mus.4.3227

Auf verhungerten Pferdegerippen,
kleinen, dürren, hassgepeitschten Mongolengäulen,
stürmt es und schreit es Flüche und Unheil
von jenseits in unser blühendes Vaterland.
Eisiglüstern die Augen,
wie wild die Knute geschwungen
in grausig verknöcherter Hand
…“

 

 


Sextett op.45

Datiert 1922
Der Bläservereinigung der Dresdner Staatsoper A. Amans, J. König, A. Richter, A. Lindner, W. Knochenhauer freundschaftlich zugeeignet.
Widmung auf dem Bild: „Meinem lieben Freund Theodor Blumer dem vortrefflichen Komponisten und Begleiter zur freundlichen Erinnerung. John Amans. New York 1925"
SLUB: 5.Mus.2.3627              SLUB: Deutsche Fotothek 1925

 

Quintett für Blasinstrumente op. 52
Gewidmet der ersten Bläservereinigung der Dresdner Staatsoper
(F. Rucker, J. König, K. Schütte, P. Blödner, W. Knochenhauer)
Datiert 1925
SLUB: 5.Mus.8.2821

 

Aus der Tierwelt Werk op. 57a
Für Flöte mit Klavierbegleitung
Datiert 1925
Ludwig von Hofmann zeichnete das Titelblatt.
SLUB: 5.Mus.2.3611

Brief an Theodor Blumer
Pillnitz 25.10.41
Sehr geehrter Meister!
An einem ganz ungehörigen Platz finde ich soeben die Ihnen vor einiger Zeit angedachte Zeichnung „Allegretto“ und schicke sie ihnen il pur presto possibile, ohne verhindern zu können, daß sie sich über mein Verhältnis zu Schillers segensreicher Himmelstochter recht eigenartige Gedanken machen werden. Mit besten Grüßen Ihr sehr ergebener Ludwig v. Hofmann
“.


Dresdner Impressionen ist ein Auftragswerk des Deutschlandsenders im Jahre 1958. Die sieben Sätze zeigen Blumers enge Bindung an seine Dresdner Heimat.
SLUB: 3.Mus.4.3234


 

Tanzsuite op.53
1999 erschienen
SLUB: 9.Mus.4.1916

 

Bestände der Handschriftensammlungnach oben

Von den vorhandenen Materialien wurde 1988 ein Spezialkatalog angefertigt. Davon liegt ein Online-Digitalisat vor. Die erste Lieferung der Texthandschriften finden Sie im Spezialkatalog der Handschriftensammlung.

Lieber Herr Blumer

Morgen ist der erste Sonntag Im October und ich möchte Sie daran erinnern und Ihnen sagen, dass wir uns freuen würden, wenn Sie dies auch thäten
Mit freundlichem Gruß
Ihr treu gesinnter
Felix Draeseke

Franklinstr. 32
3 0ct.03

 

Dieser Brief stammt aus der zweiten Nachlasslieferung. Die Texthandschriften dieser Lieferung sind noch nicht erschlossen. Der Nachlassteil enthält einen autobiographischen Teil, Korrespondenz von 1900 bis 1964, Kritiken von 1926 bis 1964, Kalender von 1937 bis 1956, Notizbücher, Programme, Operntextbücher, Verlagskataloge u.a.

 

Ansichtskarte von Theodor Blumer an die Eltern aus Altenburg um 1906
SLUB: Mscr.Dresd.App.2509,4


Auszüge aus den Grüßen an die Eltern:
Gel. Eltern Altenburg Probe vorbei, Orchester nicht sehr gut, lauter Hilfsmusiker, Dirigent sehr mäßig, Stadttheater obermäßig. Herzog im Felde, nur sie ist da und kommt auch. Von Auszeichnung für Grützmacher und mich absolut nichts bekannt, wir sind sprachlos.[…]
1000 Grüße und Küsse.

 
Brief von Carl Hauptmann an Theodor Blumer 1915
SLUB: Mscr. Dresd.App.2509,63

„Mittel Schreiberhau 2. Februar 1915
Lieber Herr Blumer Nur in Eile: ich gäbe Ihnen mit Freude, was Sie wünschten. S`ist aber so ins Ungewisse nicht zu [brechen]? Das wollte ich Ihnen nur eilig mit vielen guten Grüssen sagen. S`that mir herzl Leid, Sie in der Vortragszeit nicht in Dresden zu begegnen. Nun hoffe ich auf die Aufführung der Kriegssachen. Sonette sende ich Ihnen Freitag.
Mit besten Gedanken an die herrliche Musik Ihres und meines Kriegsgesanges Ihr Carl Hauptmann

 
Postkarte von Theo Bauer, dem Vorsitzenden des Tonkünstlervereins in Dresden, an Theodor Blumer, 1933
SLUB: Mscr.Dresd.App.2509,46a

Dresden, 15.9.33 Lieber Freund! Ich bin entzückt, daß du die Uraufführung deines neuen Quintetts uns überlassen willst. Habe herzlichen Dank für den Beweis treuer Anhänglichkeit an den T.V. Ich habe König gebeten, die Aufführung vorzubereiten. Sobald die Herren fertig sind verständige ich Dich über das Datum. […] Dein Theo.


SLUB: Mscr. Dresd. App.2509.129

 

SLUB: Mscr.Dresd.App.2509,46a

Herrn Theodor Blumer in grosser Verehrung 1 Juli 1941.
Hugo van Dalen (1888-1967) ist ein niederländischer Pianist, Komponist und Publizist.

SLUB: Mscr.Dresd.App.2509,125

Kammerabend zum 60. Geburtstag von Theodor Blumer in Dresden mit dem Trio op.55

Theodor Blumer in Bildernnach oben

Im Nachlass von Theodor Blumer fanden sich zahlreiche Fotos, die in die Bilddatenbank der Deutschen Fotothek aufgenommen wurden - darunter Aufnahmen von Theodor Blumer (Vater), Familienfotos und Fotos von Berufskollegen. Die Büste des Komponisten befindet sich original im Besitz der SLUB. Die hier veröffentlichten Bilder stellen eine kleine Auswahl der in der Deutschen Fotothek archivierten Fotos aus dem Nachlass dar.

Büste des Komponisten Theodor Blumer, angefertigt von Hannelore Buschkötter
SLUB: Deutsche Fotothek, André Rous 2014

Buschkötter (*1923 Berlin) studierte Kirchenmusik, Germanistik und Kunstgeschichte. Privatstudium bei Bildhauer Wilhelm Helmstedt. Von 1964 bis 1980 Leiterin der Bildhauer-Klasse der Paul-Löbe-Volkshochschule in Berlin-Wilmersdorf.


Marie Blumer (Mutter) und rechts Theodor Blumer (Vater) (1953-1932)
SLUB: Mscr.Dresd.App.2509,112 und 113, Fotos aus Familienbesitz

 

Dresdner Streichquartett mit Vater Blumer
SLUB: Mscr.Dresd.App.2509,114, Foto aus Familienbesitz

 

John Amans (Soloflötist) mit Theodor Blumer, John Amans 1925 in New York
SLUB: Mscr.Dresd.App.2509,118 SLUB: Deutsche Fotothek 1925

 

Fischer, Oskar: Soloflötist im Gewandhaus-Orchester Leipzig
SLUB: Deutsche Fotothek 1906
Bartuzak, Carl: Flötist
SLUB: Deutsche Fotothek 1943



Tondokumentenach oben


Im Nachlaß von Theodor Blumer befinden sich acht Tonbänder und zwei Kassetten.
Foto: SLUB Deutsche Fotothek, Rous
Zu den Tondokumenten im SLUB-Katalog.

Autorin der Webseite: Marina Lang, Musikabteilung
Layout: Ines Pampel, Musikabteilung

Theodor Blumer

Lebensdaten * 24. März 1881 in Dresden; † 21. September 1964 in West-Berlin

Beruf Komponist, Dirigent, Rundfunkkapellmeister

Nachlass in der Musikabteilung 141 Kompositionsautographe, 39 Notenhandschriften, 9 Kopien von Notenhandschriften
113 Notendrucke, 8 Tonbänder und 2 Kassetten
Signatur: Mus.10621

Nachlass in der Handschriftensammlung 136 Nummern, 3 Einh.
Signatur: Mscr.Dresd.App.2509

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