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Musik-Spezialthemen

Richard-Wagner-Jubiläumsjahr 2013nach oben


Anfangstakte des Liebesmahls der Apostel

Richard Wagner entlieh Literatur aus der Königlichen Bibliothek in Dresden - so bemerkt es Egon Voss in seinem jüngst erschienen Wagner-Buch. Möglicherweise fand der Komponist auf diesem Weg Anregungen für neue Opernstoffe.

Anlässlich des 200. Geburtsjubiläums des Komponisten präsentiert die SLUB historische Dokumente und Quellen zu Richard Wagner: die Originalpartitur zum Das Liebesmahl der Apostel, Uraufführung Frauenkirche Dresden 1843; weitere autographe Noten wie der Festgesang Der Tag erscheint, der ihn uns wiedergab und eigenhändige Briefe; Programmzettel; Szenenfotografien und Rollenporträts zu Wagner-Aufführungen in Dresden und Berlin; Besetzungen von Opernaufführungen unter der Leitung von Richard Wagner; historische Musikaufnahmen auf Schallplatten; Opernlibretti; den Polizei-Anzeiger von 1851, in dem der 38jährige Dresdner Kapellmeister als "Staatsverbrecher und Hochverräther" steckbrieflich gesucht wird - sowie eine Fülle von aktuellen Neuerwerbungen. [mehr]

Joseph Schuster – eine überraschende Wiederentdeckungnach oben

Joseph Schuster (1748-1812) zählte im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zu den populärsten deutschen Komponisten. Geboren in Dresden als Sohn eines Sängers der Hofkapelle, fand er nach den Jahren der Ausbildung in seiner Heimatstadt und in Italien 1772 eine Anstellung als Kirchen-Compositeur und ab 1787 als Kapellmeister am sächsischen Hof.

Internationale Bekanntheit erreichte er als Komponist überaus erfolgreicher Opern – nicht nur für Dresden, sondern während zwei weiterer Reisen auch für renommierte Theater in Neapel, Venedig und andere italienische Städte. Parallel dazu schuf er zahlreiche Messen, Vespern, Litaneien und andere Werke für die Gottesdienste in der Katholischen Hofkirche, die sich großer Beliebtheit erfreuten und von denen einige noch hundert Jahre nach seinem Tod zum Repertoire gehörten.

Schusters Orientierung an der italienischen Musik war ausschlaggebend für den Erfolg zu Lebzeiten, erwies sich aber im Zeitalter des aufkommenden Nationalismus und dem damit einhergehenden Wandel der künstlerischen Ideale als hinderlich für das Weiterleben seiner Werke. Heute begreifen wir die Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts als Ergebnis eines gesamteuropäischen Austauschs. Deshalb interessieren wir uns neu für Joseph Schuster und seine Werke.

Mit der Erschließung und Digitalisierung des Notenschatzes in der SLUB gewinnen wir neue Erkenntnisse zu Leben und Werk des Komponisten. Im Jahr der 200. Wiederkehr seines Todes finden sechs Neuaufführungen statt (in der Annenkirche, in der Kathedrale, im Palais im Großen Garten). So verbinden sich Musikforschung und Musikpraxis.
PD Dr. Gerhard Poppe, Dresden und Koblenz

Schuster-Bestände in der SLUB

Neu entdeckt: ein verschollenes Porträt des Komponisten

Joseph Schuster am Tafelklavier, wohl in seiner Wohnung in Dresden, Rosmariengasse 351.
Ölgemälde eines nicht (mehr) bekannten Künstlers, um 1795. Ehemals Staatsoper Dresden, seit 1945 verschollen.

 

 

 

 

Poppe, Gerhard: Überraschende Wiederentdeckung - zum Jubiläumsjahr des Komponisten Joseph Schuster (1748-1812) In: BIS - Das Magazin der Bibliotheken in Sachsen 5(2012)2, S. 120 - 121.
Dresden, Italien und die Anfänge der Wiener Klassik - Joseph Schuster in der Musik seiner Zeit. Internationales Symposium 2012 in Dresden - Programm

Originalpartituren von Ruth Zechlinnach oben

46 Notenautographe der in Großhartmannsdorf bei Freiberg / Sachsen geborenen Komponistin Ruth Zechlin (1926 – 2007) wurden neu erschlossen und sind nun im Internationalen Quellenlexikon der Musik recherchierbar. Es handelt sich weitgehend um Instrumentalmusik aus der Zeit von 1966 bis 1985, die durch den persönlichen Kontakt zur Künstlerin ins „Komponistenarchiv der DDR“ der Musikabteilung der Sächsischen Landesbibliothek gelangte. Notenzitat von Ruth ZechlinDarunter befinden sich „Amor und Psyche“, „Hommage à PHL“, „Metamorphosen“ und die Komposition für Orgel „Wandlungen“ als Darstellung der eigenen Lebenssituationen.
Zu Ruth Zechlins Schülern gehörten die sächsischen Komponisten Jörg Herchet und Manfred Weiss, die ebenfalls in der Dresdner Autographensammlung vertreten sind.

Dresdner Notenautographe von Ruth Zechlin in RISM online

Werke für Männerchor von Julius Ottonach oben

Denkmal Julius Otto von Niklas Klotz

Das Denkmal vor der Dresdner Kreuzkirche rückt den Musikdirektor Ernst Julius Otto (1804 - 1877)  und die Frage nach dem Verbleib seiner 800 Kompositionen neu ins Bewußtsein. Ein imaginäres Interview gibt Auskunft:

Herr Otto, von 1828 bis 1875 leiteten Sie den Dresdner Kreuzchor. Es handelt sich dabei um die bisher längste Amtsperiode unter den Kreuzkantoren seit der Reformation bis heute: 47 Jahre!
Nachdem ich 1814 bis 1822 Schüler der Kreuzschule war und nach meinem Musikstudium in Leipzig – dort führte man meine ersten Cantaten und Motetten in der Thomas- und Nikolaikirche auf - ging ich nach Dresden zurück und gab Gesangs- und Klavierunterricht. Als der damalige Kreuzkantor Friedrich Wilhelm Aghte erkrankte, leitete ich den Chor erst kommissarisch zwei Jahre und ab 1830 fast bis zum Ruhestand.

Moritz Fürstenau schreibt in der Allgemeinen Deutschen Biographie: „Was O. auf dem Gebiete des Männergesanges geleistet, ist weltbekannt; er gilt nicht nur als einer der besten, sondern auch als einer der fruchtbarsten Componisten für diesen Zweig der Tonkunst“. Sie komponierten Cantaten, Hymnen, Motetten, Oratorien, Opern und eine Fülle von Liedern und Gesängen.
Wer kennt sie nicht: „Die Mordgrundbruck bei Dresden“ – eine musikalische Posse - oder  „Hiob“ – ein Oratorium, das zum ersten  Mal 1835 in der Dresdner Frauenkirche zur Aufführung kam. Insgesamt sind es ca. 800 Kompositionen. Mich würde interessieren, ob meine zahlreichen Werke für Männergesang heute noch in Dresden zu finden sind?

1959 gelangte Ihr Nachlass mit Noten, Briefen, Reden, Stamm- und Haushaltbüchern in die Sächsische Landesbibliothek Dresden. Darin wurde auch notiert, welche Ihrer Werke 1945 leider verbrannten. In der Musikabteilung befinden sich 33 Notendrucke, davon 16 Ausgaben für Männerchor. Die Kirchenarchive in Ihrer Geburtsstadt Königsstein und das Archiv der Dresdner Kreuzkirche beherbergen von Ihnen keine Musikalien.

Vielen Dank für das "Ferngespräch" gen Himmel.

Nachweise in SLUB-Katalogen:

Literatur:

Vorhang mit Vivaldi-Autographnach oben

Ein auffallendes Detail im Vortragssaal der SLUB ist der 3m hohe und 12m breite mit Antonio Vivaldis Handschrift gestaltete Vorhang über der Präsentationsleinwand. Auf Nesselstoff wurde durch den Dresdner Kunstmaler und Grafiker Armin Bock der Beginn der Violinstimme aus dem Violinkonzert G-Dur von Antonio Vivaldi aufgetragen. Das Notenautograph befindet sich in der Musikabteilung unter der Signatur Mus.2389-O-70.

Vorhang im Vortragssaal mit Bemalung

Diesen „Vivaldi“ können Sie betrachten in den Digitalen Sammlungen der SLUB, auch live bei Veranstaltungen im Vortragssaal oder sich anhören auf einer CD aus dem Bestand der Mediathek.

Violinkonzert RV 314 Autograph digital
CD-Einspielungen in der Mediathek: SM 6.452

Album Robert und Clara Schumannnach oben

Clara und Robert Schumann haben 1845 in Dresden ein Album angelegt und ihren Kindern „zu treuer Aufbewahrung“ bestimmt. 1934 wurde das nicht mehr vollständige Album von der Sächsischen Landesbibliothek aus den Händen der Schumann-Enkel erworben. Herr Schumann ist ein guter Mann SLUB-Signatur: Mus.Schu.20a

Bennett, William Sterndale: Herr Schumann ist ein guter Mann, 1837.

Es enthält Stammbuchblätter, eine Vielzahl Briefe, Musikautographe von Schumann selbst, von Brahms und Mendelssohn Bartholdy, Schriftstücke von bedeutenden Persönlichkeiten wie Joseph Haydn, Carl Maria von Weber, Zeichnungen von Bertel Thorwaldsen und Pauline Viadot-Garcia sowie Erinnerungsstücke wie Haarlocken von Familienmitgliedern und getrocknete Pflanzen. Während des Krieges wurde das Album aufgrund des besonderen Wertes in Stahlschränken in den Tiefkellern des Japanischen Palais gelagert und durch eintretendes Elbgrundwasser schwer beschädigt. Bei einer Inventur erhielten alle Teile des Albums Nummern, deren Abfolge sich nach dem Alphabet der Verfassernamen richtete. Als Signaturen wurden vergeben: Mus.Schu.1 - 338. 1979 veröffentlichte der Schumann-Forscher Wolfgang Boetticher eine repräsentative Textauswahl im Deutschen Verlag für Musik Leipzig unter dem Titel: „Briefe und Gedichte aus dem Album Robert und Clara Schumann“. Von 1986 bis 1988 erfolgte die Restaurierung der Manuskripte.

Am 8. Juni 2010 jährte sich der Geburtstag von Robert Schumann zum 200. Mal. Aus diesem Anlass liegen die Musikalien und einige Abbildungen des Schumann-Albums nun in digitaler Form vor. Die Briefe sind recherchierbar in der Handschriftendatenbank der SLUB. Die Erschließung und Digitalisierung des gesamten Familienalbums ist für 2016 geplant.

Literatur:

  • Hartmann, A.; Rosenthal, C.: Die musikalischen Blätter aus dem Schumann-Album in der SLUB, 2010 (Katalog PDF)
  • Hartmann, A.: Musikhandschriften des Dresdner Schumann-Albums, 2010 (PDF)

Nachweise in SLUB-Katalogen: