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Sachsenspiegel

Der Sachsenspiegel im Buchmuseumnach oben

Aus konservatorischen Gründen wird das Original des Sachsenspiegels in der Schatzkammer des Buchmuseums (Dauerausstellung) nur sechs Wochen im Jahr gezeigt. Der Zeitpunkt wird rechtzeitig in der Presse veröffentlicht.


In unseren Digitalen Sammlungen können Sie den Sachsenspiegel jederzeit digital betrachten.

 

 

 

 

Das Rechtsbuch Eikes von Repgownach oben

Aus der Vorrede wissen wir, dass Eike von Repgow im Auftrage des Grafen Hoyer von Falkenstein (1211-1250) die Niederschrift anfertigte:

Nun danket al gemene
Deme van Valkenstene,
De greve Hoier is genant,
dat an dudisch is gewant
Dit buk dorch sine bede:
Eike van Repchove is dede.

Nun dankt alle zusammen
dem Herrn von Falkenstein,
der Graf Hoyer genannt wird,
dass dies Buch auf seine Bitte in
deutscher Sprache abgefasst worden ist.
Eike von Repgow hat es getan.

Eike von Repgow (aus Reppichau bei Dessau) hat das Sassen Recht erst in lateinischer Sprache aufgezeichnet und dann ins Deutsche übersetzt.
Nur sechs Urkunden geben über sein Leben Auskunft; danach dürfte er von etwa 1180 bis 1235 gelebt haben.
Ob er den Sachsenspiegel auf der Burg Falkenstein im östlichen Harzvorland schrieb, ist bis heute unklar.

Überlieferungnach oben

Vermutlich hat das Eindringen fremder Rechte (römisches, kanonisches, langobardisches Recht) die Aufzeichnung des heimischen Gewohnheitsrechts angeregt. Als Rechtsberater wollte Eike von Repgow angesichts des Streits zwischen Staufern und Welfen, zwischen Kaiser und Papst sowie angesichts der Kolonialisierung des Gebiets östlich der Elbe zum Rechtsfrieden beitragen.

Die erste Niederschrift wird zwischen 1220 und 1235 angesetzt. Die lateinische Urfassung ist nicht überliefert.

Erst im Laufe von etwa zwei Jahrhunderten nach seiner Entstehung erhielt der Sachsenspiegel die uns heute vertraute Form. Angesichts seiner intensiven Anwendung und langen Geltungsdauer wurde der Text mehrfach verändert. Durch den Vergleich der etwa 460 überlieferten Handschriften sind verschiedene Entwicklungsstufen des Textes und mehrere Textklassen unterscheidbar. (H. Lück: Sachsenspiegel, S. 24)

Die älteste erhaltene Sachsenspiegelhandschrift (kurz vor 1300) stammt aus der Quedlinburger Stifts- und Gymnasialbibliothek und wird heute in der Universitäts- und Landesbibliothek Halle an der Saale aufbewahrt.

Wirkung in Europanach oben

Der Sachsenspiegel erlangte Vorbildfunktion für zahlreiche weitere Rechtsbücher (Augsburger Sachsenspiegel, Deutschenspiegel, Schwabenspiegel). Gemeinsam mit dem Magdeburger Stadtrecht wirkte er bis weit nach Osteuropa (im Umkreis von Krakau, Lemberg, Kiew, Minsk, Wilna, Riga, Reval, Thorn). Im 16. Jahrhundert erschienen zahlreiche polnische Druckausgaben.

Im Königreich Preußen wurde der Sachsenspiegels 1794 durch das Allgemeine Landrecht und im Königreich Sachsen durch das Sächsische Bürgerliche Gesetzbuch von 1863 ersetzt. In Anhalt und Thüringen wurde er erst 1900 von dem jetzt geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch für das Deutsche Reich abgelöst.

Die vier Bilderhandschriftennach oben

Die schönsten Sachsenspiegelhandschriften sind die vier Bilderhandschriften aus Heidelberg, Oldenburg, Dresden und Wolfenbüttel. Diese vier Codices sind zwischen 1295 und 1371 angefertigt worden. Bei aller Unterschiedlichkeit dieser vier Handschriften verbindet sie doch die charakteristische und in dieser Form einzigartige Kombination aus Bild und Text. Jede Seite ist in eine Bild- und Textspalte aufgeteilt, die einander wechselseitig erhellen und deren Teile durch Initialen sichtbar verbunden sind.

Heidelberger Bilderhandschrift:
die älteste, aber unvollständigste. 310 Bildstreifen auf 30 (von ursprünglich 92) Blättern. Um 1300 im obersächsischen Raum entstanden. Mit der Bibliotheca Palatina in den Vatikan gelangt und 1816 nach Heidelberg zurückgekehrt.

Oldenburger Bilderhandschrift:
enthält den ausführlichsten Text. 1336 in Auftrag gegeben und von einem Mönch des Klosters Rastede bei Oldenburg aufgezeichnet. Von den 578 Bildstreifen auf 136 Blättern sind nur wenige ausgemalt. 1991 mit Hilfe der Niedersächsischen Sparkassenstiftung erworben und der Landesbibliothek Oldenburg als Depositum übergeben.

Dresdner Bilderhandschrift:
zwischen 1295 und 1363 im Raum Meißen entstanden. Mit 924 Bildstreifen auf 92 Blättern enthält sie die meisten und zugleich künstlerisch wertvollsten Bildszenen. Bereits zur Zeit des Kurfürsten August (1553-1586) in der Dresdner Bibliothek.

Wolfenbütteler Bilderhandschrift:
eine jüngere Schwesterhandschrift der Dresdner mit starken Anlehnungen, zwischen 1348 und 1371 entstanden. Mit 776 Bildstreifen auf 86 Blättern. Von Herzog August von Braunschweig-Lüneburg, dem Patenjungen des Dresdner Kurfürsten, für die Wolfenbütteler Bibliothek 1651 erworben.

Die Dresdner Bilderhandschriftnach oben

Die Dresdner Bilderhandschrift wurde mit den Beständen der Kurfürstlichen, später Königlichen Bibliothek zunächst im Schloss, dann im Zwinger, seit 1786 im Japanischen Palais aufbewahrt.

Nach der Zerstörung 1945 wurde die Bibliothek seit 1947 in einem ehemaligen Kasernengebäude in der nördlichen Albertstadt untergebracht.

Aufgrund der schweren Beschädigung der Handschrift blieb das Original der weiteren Forschung weitgehend entzogen. Erst mit der Faksimilierung der Wolfenbütteler Handschrift nahm sich die Forschung auch wieder verstärkt der Dresdner Handschrift an.

Bereits 1902 gab der Münchner Gelehrte Karl von Amira im Auftrage der Königlich sächsischen Kommission für Geschichte ein Faksimile heraus. 187 Seiten wurden einfarbig und 6 durch "Doppellichtdruck nach orthochromatischen Aufnahmen" in Farbe reproduziert. Dieser Pioniertat ließ Amira 1925-1926 einen zweibändigen Kommentarband folgen, der jedoch durch einen neuen Text- und Kommentarband ersetzt und auf den neuesten Stand der Forschung gebracht werden muss.

Restaurierungnach oben

Mit der Zerstörung des Japanischen Palais während der Bombenangriffe am 13./14. Februar und 2. März 1945 erlitten die Buchbestände der Sächsischen Landesbibliothek schwere Verluste und Schäden. Die kostbarsten Handschriften waren in einem Tiefkeller bombensicher untergebracht, der jedoch mit Lösch-, Sicker- und Elbehochwasser vollgelaufen war.

Mit Mitteln der Niedersächsischen Sparkassenstiftung wurde 1989 eine Restaurierung des Sachsenspiegels in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel möglich. Chefrestaurator Dag-Ernst Petersen begann 1991 mit Untersuchungen zu den Farb- und Schreibmitteln der Handschrift, an denen sich die Universität Clausthal-Zellerfeld und die Fachhochschule Köln beteiligten. Verschmutzungen und Farbübertragungen mussten entfernt, Silber- und Goldgründe gefestigt werden. Am aufwändigsten war die lange vorbereitete Glättung des hart und wellig gewordenen Pergaments in einer klimatisierten Feuchtkammer.

Durch die Restaurierungen wurden die verloren gegangenen Farben nicht wiedergewonnen, wohl aber die besonders qualitätvollen Federzeichnungen wieder gut bis bis hervorragend sichtbar.

Faksimile und Kommentarbändenach oben

Die Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz (ADEVA) und die SLUB Dresden stellten am 20. März 2002 das neue Faksimile vor. Es ist danach auf der Leipziger Buchmesse und für sechs Wochen im Dresdner Buchmuseum zu sehen.

Das Faksimile wurde finanziell gefördert durch den Deutschen Sparkassen- und Giroverband und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung im Freistaat Sachsen.
Zusammen mit dem Faksimile erscheint ein Interimskommentar.

Im Frühjahr 2006 folgt die Textedition mit den Bilderläuterungen und im Jahr 2007 abschließend ein Aufsatzband, der die wissenschaftlichen Ergebnisse der Sachsenspiegelforschung zusammenfasst.

Herausgeber ist Prof. Dr. Heiner Lück, Professor für Bürgerliches Recht, Europäische, Deutsche und Sächsische Rechtsgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.
Subskriptionspreis: 2.750,-- EUR

Nähere Informationen:
Akademische Druck- und Verlagsanstalt (ADEVA)
Prof. Dr. Thomas Bürger, Generaldirektor der SLUB Dresden, E-Mail: Thomas.Buerger@slub-dresden.de

Literaturhinweisenach oben

  • Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels. Hrsg. von Karl von Amira. Faksimile Leipzig 1902, Erläuterungen Leipzig 1925/26 (Neudrucke Osnabrück 1968/69)
  • Die Heidelberger Bilderhandschrift des Sachsenspiegels. 2 Bde: Faksimile, Kommentar. Hrsg. von Walter Koschorreck. Frankfurt am Main 1970
  • Eike von Repgow. Sachsenspiegel. Die Wolfenbütteler Bilderhandschrift... 3 Bde: Faksimile, Text, Kommentar. Hrsg. von Ruth Schmidt-Wiegand. Berlin 1993
  • Der Oldenburger Sachsenspiegel. Vollständige Faksimile-Ausgabe... 3 Bde: Faksimile, Text, Kommentar. Hrsg. von Ruth Schmidt-Wiegand. Graz 1995/96.
  • Gott ist selber Recht. Die vier Bilderhandschriften des Sachsenspiegels. Oldenburg, Heidelberg, Wolfenbüttel, Dresden. Wolfenbüttel 1992, 2. verb. Aufl. 1993 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek; 67)
  • Thomas Bürger: Der Dresdner Sachsenspiegel. Zur Bedeutung und Restaurierung des mittelalterlichen Rechtsbuchs. In: Sächsische Heimatblätter 3(2000), S. 126 - 133
  • Brigitte Janz: Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels. Anmerkungen zur Kodikologie und zur `Aussagekraft´ der Textlücken. In: Die Wolfenbütteler Bilderhandschrift des Sachsenspiegels. Aufsätze und Untersuchungen. Kommentarband zur Faksimile-Ausgabe. Hrsg. von Ruth Schmidt-Wiegand. Berlin 1993, S. 233-246
  • Heiner Lück: Über den Sachsenspiegel. Entstehung, Inhalt und Wirkung des Rechtsbuches. Halle a.d. Saale 1999 (Veröffentlichungen der Stiftung Schlösser, Burgen und Gärten des Landes Sachsen-Anhalt; 1)
  • Dag-Ernst Petersen: Zur Konservierung und Restaurierung des Dresdener Sachsenspiegels. In: SLUB-Kurier 14 (2000), Heft 1, S. 15-17
  • Hans-Peter Schneider: Daz ein Recht mac vromen. Der Sachsenspiegel - ein Rechtsbuch von europäischem Rang. Wolfenbüttel 1994 (Wolfenbütteler Hefte; 15)