Die Dresdner Maya-Handschrift, der Codex Dresdensis, besteht aus 39 doppelseitig beschriebenen Blättern, von denen vier Seiten leer sind. Die einzelnen Blätter mit den Maßen 20,5 x 9 cm sind durch "Scharniere" aus dünner Tierhaut miteinander verbunden und bildeten ursprünglich einen als Leporello gefalteten Streifen mit einer Gesamtlänge von 3,56 m. Der Beschreibstoff der Handschrift ist Amate, ein aus Bastfasern des Feigenbaums durch Weichen und Schlagen gefilztes Material, dessen Oberfläche mit Kreide grundiert wurde. Die ursprüngliche Reihenfolge der Blätter war möglicherweise schon 1786 verändert, als die brüchigen Verbindungshäutchen durch Goldschlägerhäutchen ersetzt werden mussten (Kommentar zum Faksimile 1975, S.48-55).
Zunächst wurde der Codex nur ausgewählten Besuchern, damals noch in der ursprünglichen Leporello-Form gezeigt. Um die Handschrift vor eventuellen Schäden durch die Benutzung zu schützen, entschloss sich der Oberbibliothekar Falkenstein 1835, das Manuskript in zwei Teile (182,5 cm bzw. 174,3 cm) zu schneiden und zwischen zwei Glasscheiben legen zu lassen, die so aufgehangen wurden, dass man den Codex auf beiden Seiten betrachten konnte. Dafür wurde damals das sogenannte Zimelienzimmer (Zimelie = Kostbarkeit), die "Keimzelle" des heutigen Buchmuseums, eingerichtet, wo auch andere wertvolle Bestände der damaligen königlichen öffentlichen Bibliothek zu sehen waren. Nun konnte auch ein breiterer Publikumskreis den Codex Dresdensis betrachten. In dieser Form wurde der Codex im seit 1935 existierenden Buchmuseum im Japanischen Palais (ehemaliges Bibliotheksdomizil) gezeigt. Mit der Zerstörung des Japanischen Palais während der Bombenangriffe am 13./14. Februar und 2. März 1945 erlitten die Buchbestände der Sächsischen Landesbibliothek schwere Verluste und Schäden. Die kostbarsten Handschriften waren in einem Tiefkeller bombensicher untergebracht, der jedoch mit Lösch-, Sicker- und Elbehochwasser volllief. Das Wasser drang auch zwischen die Glasscheiben der Maya-Handschrift ein und schädigte alle Blätter vor allem im oberen Bereich. Nach einer Restaurierung konnte die Handschrift ab 1952 im Buchmuseum des interimistischen Bibliotheksstandortes Marienallee wieder ausgestellt werden (liegend in einer mit Spiegeln ausgestatteten Vitrine).
Heute ist die Maya-Handschrift Mittelpunkt der Schatzkammer im Buchmuseum der SLUB. Sie wird unter optimalen klimatischen Bedingungen und Lichtverhältnissen in einer mit Spiegeln ausgestatteten Panzerglasvitrine weiterhin in zwei Teilen zwischen Glasplatten liegend präsentiert.
Um Wissenschaftlern und Laien weltweit eine intensive Beschäftigung mit Schrift und Buchmalerei der Mayas zu gestatten, wurde die Handschrift zusätzlich zu den 1880, 1962 und 1975 herausgegebenen Faksimiles im Jahr 2009 hochauflösend digitalisiert und über die Digitalen Sammlungen der SLUB zugänglich gemacht.
Literaturhinweise:
- Reinhart, Christa ; Mayer, Manfred ; Banik, Gerhard:
Der Codex Dresdensis : Aufbewahrungssituation, Lichtverhältnisse, Luftqualität und Klimadaten. - Fellbach : Staatliche Akademie der Bildenden Künste, 1999. - 31 Bl. : Ill. Signatur SLUB Dresden: 74.4.1527
- Bittinger, Christa ; Trautmann, Antje ; Mayer, Manfred ; Banik, Gerhard:
Codex Dresdensis : Zustandsbeschreibung, Aufbewahrungs- und Ausstellungsbedingungen, Transportkonzeption. In: PapierRestaurierung : Mitteilungen der IADA, Vol. 2 (2001) Suppl., S. 15-20. Online (PDF)