Der Machsor (eigentlich „Zyklus“) enthält als jüdisches Gegenstück zum christlichen Brevier die teilweise gesungenen Gebete für die sieben besonderen Sabbate und die Feiertage des jüdischen Jahres sowie verschiedene liturgische Dichtungen (Pijutim).Der älteste datierte aschkenasische Machsor, der sogenannte Wormser Machsor (heute Jerusalem, The Jewish National and University Library, Ms. Heb. 4° 781,1-2), stammt von 1272/1273.
Der in zwei Teilen in Dresden und Breslau/Wrocław aufbewahrte aschkenasische Machsor wurde um 1290 im südwestdeutschen Raum (Esslingen?) von Reu'ben, einem Schüler des Rabbi Meir von Rothenburg (gest. 1293), geschrieben und von einem christlichen Künstler illuminiert. Das stattliche Format (53 x 38 cm; 293 bzw. 300 Pergamentblätter), die große hebräische Quadratschrift mit relativ großem Zeilenabstand, die prächtige Ausstattung (Miniaturen in Deckfarben und Gold, Architekturrahmen, verzierte Initialwörter) sowie von anderer Hand vorgenommene liturgische Notizen lassen auf den Gebrauch der Bände in der Synagoge schließen. Wie auch andere Machsorim wurde die Handschrift wegen ihres großen Umfangs in zwei Teilbänden gebunden. Der erste Teil (SLUB Dresden, Mscr.Dresd.A.46.a) enthält die Liturgie zu den besonderen Sabbaten des Purim-, Pessach- und Schawuotfestes, der zweite Teil (UB Wroclav, Ms.Or.I 1) die Liturgie zu den Sabbaten der Feiertage Rosch ha-Schana, Jom Kippur und Sukkot.
SLUB Dresden,
Mscr.Dresd.A.46.a, Bl. 202v: Miniatur zum Wochenfest (Schawuot): Oben erhält Mose auf dem brennenden Berg Sinai unter dem Klang von Posaunen die Gesetzestafeln aus Gottes Hand und reicht sie weiter an Aaron. Unten stehen Priester und Vertreter des Volkes Israel mit erhobenen Händen zu Seiten eines geöffneten Toraschreins.