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Biografisches

Gedenkblatt für meine Mutter 1843-1943. Jugend- und Altersporträt arrangiert mit Erinnerungsstücken in der Wohnung der Fotografin. Aufnahme: Else Seifert, 1943 SLUB/DF 358 336.

Else Seifert wurde am 9. Dezember 1879 in Dresden als Tochter des Kaufmanns Karl Robert Seifert (gest. 1880) und seiner Frau Klara Amalie Juliane (geb. Schiertz, gest. 1918) geboren. Acht Jahre lang besuchte sie die Volksschule, dann ein Jahr das Fröbelseminar und erhielt anschließend eine kurze Ausbildung in Buchführung.

Drei Jahre arbeitete sie als Erzieherin in Kassel bei der Familie von Patow, zehn Jahre in der kaufmännischen Praxis und danach war sie von Ostern 1909 bis 1924 als Handelslehrerin an der Städtischen Mädchengewerbe- und Handelsschule in Dresden tätig. Hier unterrichtete sie die Sonderunterrichtsfächer Korrespondenz, Schönschreiben und Erziehungslehre sowie Warenkunde, Lebenskunde, Bürgerkunde und Rechnen. Neben dieser hauptberuflichen Tätigkeit, in der sie 1921 eine Festanstellung mit Pensionsberechtigung erhielt, engagierte sie sich während des ersten Weltkrieges zwei Jahre lang als ehrenamtliche Jugendfürsorgerin.

Schon 1909 hatte sich Else Seifert der Amateurphotographie zugewandt, war der Dresdner Photographischen Gesellschaft beigetreten und belegte in ihrer Freizeit zwei Semester Praktische Photographie und ein Semester Architektur an der Technischen Hochschule in Dresden.

1924 schied sie freiwillig aus dem Lehramt, was zugleich den Verlust der Pensionsberechtigung mit sich brachte, und ging nach Italien. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie dort bis 1925 als Krankenpflegerin. Nebenher begann sie erwerbsmäßig zu fotografieren. Die erste Frucht dieser Bemühungen war ihr Capri-Buch, das 1926 im Wolfgang Jess Verlag in Dresden erschien.

Nach Dresden zurückgekehrt, machte sie sich als Architektur- und Landschaftsfotografin selbständig. Bis 1931 war sie vornehmlich für die Stadt Dresden, das Hochbauamt sowie das Schul- und das Verkehrsamt tätig. Außerdem fotografierte sie für die in Leipzig erscheinende Deutsche Frauenzeitung.

1930 bot sich ihr dann die Möglichkeit, drei Monate in Holland fotografisch tätig zu sein. Es entsteht eine Serie vornehmlich von Architekturaufnahmen und Naturstudien. Das Ergebnis dieses Aufenthaltes war in zwei Sonderausstellungen in Utrecht und in Amsterdam zu sehen und fand in der holländischen Presse einen großen Nachhall.

1931-1934 war Else Seifert Mitarbeiterin der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft und bereiste als Bordfotografin die Routen Norwegen-Spitzbergen, Marokko-Spanien sowie England und Ägypten-Palästina. Sie verfasste Bild- und Textberichte, die in verschiedenen Zeitschriften erschienen.

Im April 1930 erhielt sie als eine von insgesamt sechs Fotografen den Auftrag, die Hygiene-Ausstellung 1930/1931 in Dresden zu dokumentieren. 1936 fotografierte sie hier auch in der Reichsgartenschau.

Neben diesen Aufträgen aus öffentlicher Hand schuf sie ein umfassendes Ouvre an Porträts, Stadtansichten sowie kunst- und kulturgeschichtlich bedeutsamen Bilddokumenten. In ihren besten Aufnahmen erkennt man die Verwendung von aus dem Bauhaus stammenden Gestaltungsprinzipien.

Wohn- und Arbeitszimmer der Fotografin auf der Liebigstraße 21 in Dresden. Ansicht mit Selbstbildnis im Spiegel. Aufnahme: Else Seifert, 1930/1935 SLUB/DF 358 121.

Im März 1937 zieht Else Seifert von der Liebigstraße 21 in Dresden-Südvorstadt, wo sie seit August 1917 gewohnt hatte, auf die Schillerstraße 17 in Dresden-Loschwitz, wo sie ihren Lebensabend verbringt und in einem Atelier in der Wohnung unermüdlich fotografisch tätig bleibt. Es entstehen im eigenen Auftrag die Serie "Loschwitzer Porträts", in der sie das geistig-künstlerische Loschwitz ihrer Zeit versammelt, sowie äußerst stimmungsvolle Fotografien von Loschwitz. Das von der Fotografin geplante und fotografisch vorbereitete Buch "Landschaft Loschwitz und ihre Künstler" ist leider nie erschienen. Auch das Märchenbuch für Kinder "Alle Dinge haben Sprache", zu dem sie selbst die Gedichte verfasste, und das Kunstbuch "Blumen um uns" sind nur im Entwurf erhalten.

Größere Aufträge bekam die Fotografin nach 1945 nicht mehr. In den 50er Jahren dokumentierte sie für das Institut für Lehrerweiterbildung den damaligen Sitz in Dresden-Wachwitz (die ehemalige Sommerresidenz für König Friedrich August III., die 1900/1904 auf "Königs Weinberg" erbaut worden war.).

Mehr oder weniger vergessen starb Else Seifert hochbetagt am 23. Juli 1968 nachmittags um fünf Uhr in Dresden. Die Bemühungen ihrer Freundin und Nachlassverwalterin Annemarie Hering, von Würzburg aus die Publikationsmöglichkeit für einen kleinen Artikel zum Gedenken an den 90. Geburtstag der Fotografin in der sächsischen Presse zu finden , schlugen fehl, weil "hier keine Zeitung eine Gedenknotiz vom 90. Geburtstag von Else Seifert annehmen wollte", wie ihr der damalige Direktor der Deutschen Fotothek, Hans-Heinrich Richter, mitteilen musste.