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Biografisches

"Das Leben als Elefantenjäger beträgt durchschnittlich zwei Jahre", hatte seinerzeit eine englische Statistik ermittelt. "Er hat die Wahl, von einem Elefanten zertreten, von einer Schlange gebissen zu werden, an Malaria, Schwarzwasser oder einer anderen Tropenkrankheit zu sterben." [1] Die meisten der Elefantenjäger haben diese Regel wahr gemacht. Doch Regeln haben Ausnahmen - u.a. Hans Schomburgk.

Als Sohn eines Architekten am 28. Oktober 1880 in Hamburg geboren, betrat Schomburgk nach dem Besuch von Gymnasien in Hamburg, Lüneburg und Jena mit nur siebzehn Jahren 1898 erstmals afrikanischen Boden. Dort trat er in die englische Natal Mounted Police ein, nahm am Burenkrieg teil und war Polizeioffizier in Nord-Rhodesien, Großwildjäger und Forschungsreisender.

Seine frühe Einsicht, daß das unkontrollierte systematische Jagen früher oder später zur Vernichtung des einzigartigen exotischen Großwildbestandes führen muß, läßt ihn Gewehr gegen Kamera tauschen. Fortan wird nur noch mit dem Objektiv "geschossen", eine Wandlung vom Großwildjäger zum Ethnologen vollzieht sich.

Im Jahr 1906 unternahm er - der Tradition berühmter Familienmitglieder folgend - seine erste selbständige Expedition. Seinen Reisen ist die Entdeckung des Schikande-Flusses und des Sengwe-Sees in Süd-Angola zu verdanken, auch konnte er die Fliege ausmachen, die die Schlafkrankheit überträgt. Er durchquerte den afrikanischen Kontinent mehrmals zur Jagd und zum Fang seltener Tiere. 1909 brachte er den ersten ostafrikanischen Elefanten, 1912 das erste, als ausgestorben geltende Zwergflußpferd nach Europa.

Im Rahmen einer Expedition nach Togo drehte Schomburgk 1913/14 den ersten deutschen Spielfilm und den ersten deutschen Dokumentarfilm auf afrikanischem Boden, dem viele weitere Produktionen folgen sollten. Schomburgk war außerdem an der Herstellung der ersten Karte von West-Liberia beteiligt und wurde zum Militärattaché an der Liberianischen Gesandtschaft in London ernannt. 1922 heiratete er Meg Gehrts (1891-1966), die erste weiße Schauspielerin, die in Afrika Spielfilme drehte - unter seiner Regie.

Aber nicht nur seine Filme, auch zahlreiche von ihm verfaßte Bücher künden von Abenteuerlust, Forscherdrang und Entdeckerfreude. Bis in die 1950er Jahre galt der Pionier des deutschen Tierfilms einem breiten Publikum als "der" Afrika-Experte.

Sein Respekt und seine Achtung vor der Urbevölkerung des afrikanischen Kontinents brachte ihm nach 1933 Berufsverbot ein, nach Afrika durfte er nicht mehr reisen. Nichtsdestotrotz bediente man sich seiner filmischen Arbeiten zu Propagandazwecken: der 1931/32 während der Afrika-Expedition entstandene Film "Das letzte Paradies" wurde mehrmals manipuliert; unter Benutzung dieses Film-Materials kam 1942 der Propagandafilm "Wildnis" in die deutschen Kinos.

Nach Kriegsende ging der als brillanter Erzähler bekannte Schomburgk in Ost und West auf Vortragsreisen, in der DDR erfuhren seine populärwissenschaftlich gehaltenen Bücher Riesenauflagen.

Fast 87jährig verstarb Schomburgk 1967 in Berlin. Einen bedeutenden Teil seiner ethnografischen Afrikasammlung vermachte er der Stadt Querfurt, deren Ehrenbürger er 1959 geworden war. Dieser neben der Sammlung Schomburgk der Deutschen Fotothek wichtigste, öffentlich zugängliche Bestand aus dem Nachlass befindet sich heute, betreut von Schomburgks Enkelin Jutta Niemann, im Museum Burg Querfurt.

[1] Hans Schomburgk: Von Mensch und Tier und etwas von mir. Berlin: Wigankow, 1947.