Über den Tischler Erich Meinhold (1908 Scheibenberg – 2004 Chemnitz), dessen Nachlass als Arbeiterfotograf sich seit 1986 in der Deutschen Fotothek befindet, liegen bislang nur wenige biografische Informationen vor. Geboren wurde Meinhold 1908 in Scheibenberg/Erzgebirge. Seit 1923 war er Mitglied im Arbeiter-Turn- und Sportbund und seit 1930 Mitglied der Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands (VdAFD). Bereits als Lehrling erwarb Meinhold seine erste Plattenkamera und schloss sich 1931 den Bermsgrüner Arbeiterfotografen, einer sehr aktiven Ortsgruppe im westsächsischen Erzgebirge um Kurt Winkler und Kurt Beck, an. Von 1929 bis 1933 war Meinhold erwerbslos.
Am 30. August 1932 war Meinhold an der Anbringung eines Wahlplakats der KPD - in 34 m Höhe - an einem Schornstein beteiligt und wurde in diesem Zusammenhang wegen unbefugten Betretens von Gleisanlagen vom 8.9.-9.9.1932 im Schloßturm zu Schwarzenberg inhaftiert. Anfang 1933 zog Meinhold ins nahe gelegene Zwickau und war dort mit seinem Mitbewohner Adolf Beierlein in einer kleinen Widerstandsgruppe aktiv.
Anfang Februar 1934 wurde Meinhold und zwei weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe wegen Schmuggels illegaler Druckschriften über die deutsch-tschechische Grenze verhaftet. Das Sondergericht für spezielle Strafsachen in Freiberg verurteilte die Angeklagten wegen Verbrechens gegen die Gewährleistung des Rechtsfriedens zu Haftstrafen zwischen 2 ½ Jahren und 9 Monaten. Nach Ablauf seiner Haftzeit wurde Meinhold auf unbestimmte Zeit in das Konzentrationslager Sachsenburg bei Chemnitz verbracht.
Den überlieferten Beschriftungen seiner Aufnahmen ist zu entnehmen, dass er 1938 eine Ausbildung zum Wehrmachtssanitäter absolvierte; 1943 gehörte er - einer weiteren Bildbeschriftung folgend - zur Strafdivision 999, einer in Oostmalle/Belgien stationierten Bewährungseinheit der Wehrmacht. Zwischen 1947 und 1956 arbeitete Meinhold als Zimmermann, von 1956-1960 bekleidete er das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters von Markersbach, heute Ortsteil der Gemeinde Raschau-Markersbach im Erzgebirgskreis. Zwischen 1960 und 1973 war er als Facharbeiter im Waschgerätewerk Schwarzenberg tätig. Ende 1999 verzog Erich Meinhold von Raschau nach Chemnitz, wo er am 13.07.2004 verstarb.
Der Bestand in der Deutschen Fotothek umfasst etwa 200 auf 250 Negativen und 10 Positiven überlieferte Motive.
Korinna Lorz
Quellen:
- Korinna Lorz: Das Dorf im Blick. Arbeiterfotografie im Westerzgebirge, in: Die Eroberung der beobachtenden Maschinen. Erforschung, Erschließung und Erhaltung sozialdokumentarischer Fotografie zwischen 1920 und 1960, Tagungsband (erscheint Frühjahr 2011).
- Jens Bergmann: Arbeiterfotografie als Medium der Übermittlung politisch-ästhetischer Wertvorstellungen, dargestellt am Beispiel der Ortsgruppe Bermsgrün der „Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands“, Leipzig 1983 (= Diplomarbeit Universität Leipzig, Sektion Kultur- und Kunstwissenschaften).
