Carl Friedrich August Kotzsch wurde am 20. September 1836 in Loschwitz bei Dresden als zweites Kind des Winzerehepaares Johann Gottfried und Johanna Christiane Kotzsch geboren. Die Familie besaß einen Weinberg, die "Winterleithe", später "Kotzschens Berg" genannt, der ihnen einen bescheidenen Lebensunterhalt sicherte.
Von 1842 bis 1850 besuchte Kotzsch in Loschwitz die Dorfschule und trat anschließend, ohne ein Handwerk zu erlernen, in den elterlichen Betrieb ein.
Neben dem Weinanbau erzielte die Familie Einkünfte durch das Vermieten von Zimmern an Sommergäste, u.a. an Ludwig Richter, der sich 1852 bei seinem ersten Sommeraufenthalt in Loschwitz im Kotzsch-Haus eingemietet hatte, und der sich bis zu seinem Tod alljährlich in der Nachbarschaft einfinden sollte.
Kotzsch beginnt in dieser Zeit nach Zeichnungen und Holzschnitten Richters sowie nach der Natur zu zeichnen - 27 Zeichnungen sowie die Skizzenbücher haben sich erhalten. Der Wunsch nach einem Studium an der Kunstakademie blieb jedoch unerfüllt, da die Eltern aus ihren Einkünften einen Besuch der Kunstakademie nicht hätten bezahlen können. Um August als Miternährer für die Familie zu erhalten, kaufte ihn der Vater 1856 vielmehr vom Militärdienst frei.
Um 1860 ergab sich für Kotzsch die Gelegenheit, dem Nachbarn August Niemann, Maler und Fotograf, gelegentlich bei der Herstellung fotografischer Aufnahmen zur Hand zu gehen und die fotografischen Techniken zu erlernen. Nach dem Tod Niemanns um 1861 kaufte Kotzsch die Ausrüstung und war seitdem, neben seiner Weinbauern-Tätigkeit, gewerblicher Fotograf in Loschwitz. Neben der umfassenden Dokumentation des elterlichen Weinberges waren es vor allem Naturstudien, mit denen sich der junge Fotograf befasste. Dazu kamen Alltagsszenen, Aufnahmen von Persönlichkeiten und Ortsaufnahmen vor allem von Loschwitz, aber auch aus der näheren Umgebung, der Gegend um Schönfeld und der Lausitz. Auffällig sind die vielen Fotografien seiner unmittelbaren Nachbarschaft.
Im Jahr 1865 heiratete Kotzsch Sophie Fischer, die bereits 1866 bei der Geburt des ersten Kindes starb. 1868 ehelichte er Ida Auguste Leinert in Muskau, die ihm fünf Kinder gebar. Nach dem Tod seines Vaters 1869 war er für die Versorgung der eigenen Familie sowie von Mutter und Schwester verantwortlich. Da Kotzsch der einzige Fotograf in Loschwitz und Umgebung war, erhielt sein Atelier, eine Ecke des Hofes, vor allem am Wochenende regen Zuspruch. Zudem war er für die Aufnahmen von besonderen Anlässen im Ort verantwortlich, zum Teil als Auftrag, zum Teil aus eigenem Antrieb, und erfüllte seit 1877 die Nachfrage nach Bildpostkarten.
Von Kotzschs fotografischer Ausrüstung hat sich kaum etwas erhalten. Wahrscheinlich ist, dass Kotzsch eine sogenannte Schiebekastenkamera verwendet hat, als Objektive kommen der "Aplanat" von Steinheil und das "Orthoskop" von Petzval in Betracht. Ab Mitte der 1870er Jahre fertigte er auch Stereoaufnahmen an. Kotzsch bevorzugte das nasse Kollodiumverfahren, bei dem die Platten vor der Aufnahme gegossen, nass belichtet und sofort entwickelt wurden. Bei Außenaufnahmen diente ein mitgeführter selbstgebauter zweirädriger Handwagen als Dunkelkammer. Zum Kopieren der Aufnahmen benutze er Albuminpapier, das nach dem Trocknen auf Karton aufgezogen und von Kotzsch mit einem ovalen Prägestempel versehen wurde.
In einer von ihm angelegten Werkliste fanden 550 Motive Aufnahme, die er selbst als künstlerisch wertvoll erachtete. Das waren vor allem Studienblätter, in denen er seinen freien Gestaltungswillen und seine eigene künstlerische Auffassung umsetzte.
Nach 1895 machte Kotzsch nur noch gelegentlich Aufnahmen von Haus und Familie. Das Haus war mit der Zeit baufällig geworden, er ließ es im Jahr 1905 abreißen und ein neues errichten (das jetzige Kotzsch-Haus). Im Alter von 74 Jahren starb August Kotzsch am 23.10.1910 und wurde auf dem Loschwitzer Friedhof beigesetzt.
