Ein Funken Wahrheitto top
Energievisionen in der technokratischen Hochmoderne
Zukunftsvorstellungen, die im Kern auf Technik Bezug nehmen, sind ein wichtiges Medium gesellschaftlicher Technikdiskurse. Technische Visionen und Utopien knüpfen an zeitgenössische Leitbilder an, denn sie tragen spezifische Heilserwartungen, Verheißungen und Vorstellungswelten der jeweiligen Gegenwart in sich. Aus kollektiven Zukunftsvorstellungen mag man wenig über spätere Wirklichkeiten erfahren, dafür kann man viel über vergangene Gesellschaften lernen. Die Geschichte der westlichen Industrienationen und Konsumgesellschaften ist untrennbar mit der Geschichte ihres Energieverbrauchs verbunden. Lange Abschnitte des 20. Jahrhunderts waren vom Glauben an Modernisierung und technischen Fortschritt geprägt. Das wiederum erforderte eine stetige Mobilisierung von Energien. Die Erschließung natürlicher Ressourcen erschien nicht nur als Motor der Zukunft, sondern wurde zum Symbol des Fortschritts selbst. Daran geknüpft waren vielfältige Visionen: Wissenschaftler und Literaten träumten von unerschöpflichen Energiequellen, Ingenieure planten utopisch anmutende Großprojekte. Auch die Verheißungen der Elektrifizierung oder die Möglichkeiten der Kleinmotorisierung evozierten Hoffnungsüberschüsse, die kaum je realisiert werden konnten.
Die studentische Ausstellung Ein Funken Wahrheit – Energievisionen in der technokratischen Hochmoderne wirft Schlaglichter auf den hochmodernen Energiehunger und auf visionäre Vorschläge, wie er zu stillen sei. Ausgehend von der Ausbreitung des elektrischen Stroms und der sich nicht erst seit den 1970er Jahren durchsetzenden Einsicht in die Notwendigkeit des Energiesparens, werden Mega-Planungen zur Sicherstellung einer dauerhaften energetischen Basis inspiziert. Grenzenlose Hoffnungen verbanden sich einst mit der Atom- und verbinden sich bis heute mit der Fusionsenergie. Die Suche nach dem Perpetuum Mobile, der Traum von Energiegewinnung aus dem Nichts, ist dagegen älter als die Hochmoderne. Er wird weiter geträumt von den Propagandisten der Freien Energie. Diese Szene beschäftigt sich auch mit Fragen der Energetisierung des menschlichen Körpers, die einen zweiten Schwerpunkt der Ausstellung bilden: Spannungen werden an Körper angelegt, elektrische Geräte lösen Verspannungen.
Strahlungsenergie soll menschliche Energie freisetzen, Energiebedarf muss durch die Zufuhr von Kalorien sichergestellt werden. Der geneigte Besucher mag trotz dieses überschäumenden utopischen Elans in den präsentierten Zukunftsentwürfen einen Funken Wahrheit entdecken.
Ab 17. Juni 2011
Bereichsbibliothek DrePunct, Zellescher Weg 17
Öffnungszeiten: Montag – Samstag 09:00 – 20:00
- Ausstellungskatalog (PDF)